Konzertkritik

Was ging bei... Gisbert zu Knyphausen?

Stefan Mertlik

Last but not least: Gisbert zu Knyphausen beendete am Sonntagabend im Spiegelzelt das ZMF. Alle Anwesenden verhielten sich friedlich – nur nicht Gisbert. Kam die melancholische Stimmung von der Hiobsbotschaft, die zuvor verkündet wurde?

"Das Spiegelzelt ist so schön", freut sich Singer-Songwriter Gisbert zu Knyphausen über seinen Konzertabend auf dem diesjährigen Zelt-Musik-Festival. Zusammen mit seiner Band beendet er eine Veranstaltung, von der es kurz zuvor hieß, dass es finanziell nicht gut laufe, die Zukunft sogar ungewiss sei. Ob es an dieser Hiobsbotschaft oder an der Musik liegt – das Publikum geht in den schwermütigen Songs auf.


Die Stage

Spektakulär sieht zwar anders aus, doch das minimalistische Bühnenbild passt zur melancholischen Stimmung. Während der kompletten Show liegt das Scheinwerferlicht auf Gisbert. Seine Mitmusiker – inklusive Trompeter und Posaunist – sind nur in Umrissen zu erkennen. Bei besonders ruhigen Stücken wie "Kommen und gehen" verschwindet auch die Hauptperson im Dunkel.

Gisbert zu Knyphausen wechselt regelmäßig zwischen Gitarre und Piano. Am Tasteninstrument befindet er sich auf Augenhöhe mit dem Publikum. Darüber freut sich die erste Reihe, doch der Rest sieht nur die Haarspitzen.

Die Ansagen

Viel spricht Gisbert nicht zwischen den Liedern. Das kennt man vom Wahl-Berliner. In der ersten Konzerthälfte beschränkt er sich auf Dankeschöns in verschiedensten Variationen. Dann taut er doch auf und beginnt mit seinen Gästen zu reden: "Wer hatte heute einen beschissenen Tag?" Ein Zuschauer reagiert mit lauten Rufen, was Gisbert schmunzelnd kommentiert: "Der nächste Song ist für dich."

Aber er hat noch mehr zu sagen. Sogar ziemlich wichtige Dinge. "Das Leichteste der Welt" widmet er allen, die mit offenen Armen auf ihre Mitmenschen zugehen. Und weil warme Worte nicht reichen, wirbt er vor dem letzten Song für die Aktion "Eine Million gegen Rechts", die Gelder für autonome Jugendzentren in den neuen Bundesländern sammelt.

Die Songs

Im Mittelpunkt steht die aktuelle Platte "Das Licht dieser Welt". Der 40-Jährige eröffnet die Show wie das Album mit "Niemand". Aber auch die restliche Diskografie findet ihren Weg in die Setlist. Gisbert spielt "Flugangst" vom Debütalbum, "Kraene" von "Hurra! Hurra! So nicht." und "Hier bin ich" vom ehemaligen Nebenprojekt Kid Kopphausen.

Der Schwitzfaktor

Der neuen Klimaanlage sei Dank bleiben die T-Shirts trocken. Aber auch ohne wäre das Publikum nicht ins Schwitzen gekommen. Über ein rhythmisches Mitwippen gehen die Bewegungen nicht hinaus. Mehr verlangt die Musik aber auch nicht. Bei den traurigen Liedern werden die Knie weich und nicht müde. Gisbert zu Knyphausen geht es nicht anders. In den knappen zwei Stunden greift er nur viermal zum Wasserglas.

Das Publikum & der Aufreger

Pärchen von Jung bis Alt tummeln sich vor der Bühne. Statt gereckter Fäuste gibt es bei "Dich zu lieben ist einfach" kollektives Geknutsche. Doch dann kippt die Stimmung für einen kurzen Moment. Während sich Gisbert an das Publikum richtet, schreit ein Mann dazwischen. "Halt die Klappe", kontert der Sänger wie aus der Pistole geschossen. So ein Verhalten ist unhöflich, begründet er seine Reaktion, merkt aber wohl selbst, dass er überreagiert hat.

Fazit

Gisbert zu Knyphausen beendet das Zelt-Musik-Festival 2019 mit einer ruhigen Note. Statt mit heißer Stimme und Katerstimmung werden die Gäste mit einem guten Gefühl aufwachen. Musik bewegt die Beine, ist aber noch besser, wenn sie mitten ins Herz trifft.

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