Was ging bei… Giant Rooks im Jazzhaus?

Alexander Ochs

Girls, Girls, Girls! Das Giant Rooks Konzert im Jazzhaus beim Ahoii-Festival lockte vor allem weibliche Besucher. Doch auch unserem männlichen Autor hat der verträumte Indiepop der Band gut gefallen.


Die Stage

Im leicht maritimen Look des Ahoii-Festivals baumeln zwei Quallenlampen stumm von der Decke. Die Bühne selbst ist vollgestellt mit Instrumenten aller Art: Von Gitarre, Bass, Schlagzeug, diversen Keyboards und Percussions über eine elektrische Harfe bis hin zum extrem raren – aber hier erstmal komplett egalen – Regenbogenachttästler ist alles dabei. Die meisten Instrumente sind aber den später auftretenden Von Wegen Lisbeth vorbehalten. Immerhin eine Stehtrommel wartet auf Frontmann Frederik Rabe.

Die Crowd

Du fragst mich nach der Crowd? Girls, Girls, Girls, Alter! Vereinzelt taucht, wie von Geisterhand, ein männlicher Begleiter auf, aber nur optisch, nicht stimmlich. Die Quote liegt wie im Frankomedia-Studium: 85 Prozent Frauen, 15 Prozent Männer. Gefühltes Durchschnittsalter: 17,5.

Kassensturz

Dass der Gewölbekeller von jungen Frauen geflutet wird, war angesichts des fairen Eintrittspreises von 14 Euro (für das Doppelpaket an Jungsbands) erwartbar. Indiz knapper Budgets: Kaum eine hat einen Drink in der Hand. Dafür sammeln sich vor dem Jazzhaus draußen Berge von Flaschen an. Klassisch vorgeglüht. Superdeal: zwei junge und vielversprechende Bands, eine aus der Hauptstadt, eine aus der Provinz, und das im ausverkauften Jazzhaus.

Musik & Show

Cool und unaufgeregt betreten die fünf Youngster die Bühne. Wie nennt man eine Band im NRW-Kaff Hamm? Giant Rooks – gigantische Raben. Vor zwei Jahren arbeiteten sie an ihrem ersten Stück: Småland. Wie hingetupfter Schwedenhimmel klingt der epische Sechs-Minuten Song: Schwermütige Gitarrenakkorde, sanftes Clapping, dezentes E-Piano sowie Trommelkaskaden und allen voran die rau-markante Stimme des Sängers zeichnen einen zeitgemäßen Folksound, wie aus Holz geschnitzt. Kunstvoll vertrackte und verträumte Klangwelten - Indiepop in Reinform. Ähnlich auch die anderen fünf ebenso sorgsam arrangierten Lieder, zum Teil aber düsterer und tanzbarer.

Das Quintett legt einen derart souveränen und reifen Auftritt hin, dass man im Kopf schon Vergleiche mit den Allergrößten anstellt: Bono und The Edge? Jagger und Richards? Eine gute Prise von dem, angereichert mit sympathischer Natürlichkeit und ganz ohne Affekt oder Attitüde. "Es ist ein ultrakrasses Privileg, vor so vielen Leuten spielen zu dürfen", meint der Sänger und Gitarrist mit dem Bob-Geldof-Gedächtnis-Wuschelkopf. Leider durften Giant Rooks mit ihrem "Art Pop" (Selbstaussage) nur eine halbe Stunde ran. Wären nicht die heißersehnten Lisbeth-Jungs angekündigt gewesen – man hätte der Truppe stundenlang zuhören können. Aber so viel Material haben sie ja (noch) nicht.

Sekundenschlaf

Im Set keine Löcher, auf der Bühne keine Blöße. Und hinterher räumen die Jungs – was sollen sie auch anderes machen? –selbst brav ihr Equipment auf.

Schwitz- und Flirtfaktor

Warm war’s, aber nicht abartig heiß. Flirten fiel aus: fast nur Frauen da.

Fazit

Ein Semesterauftakt vom Feinsten! Glückliches Händchen beim Booking übrigens. Chapeau! Und es ist nicht übertrieben, den fünf Musikern eine großartige Zukunft vorherzusagen. Also nochmal: Wie nennt man eine Band aus Hamm? Hammer Band!

Mehr: Bildergalerie vom ersten Tag des Ahoii-Festival