Was ging bei … Gemma Ray im Jazzhaus?

Katharina Kiefel

Ein Messer an der Gitarre, Whiskey und divenhafter Lidstrich: Gemma Ray hat am Montag im Jazzhaus die perfekte Tarantino-Atmosphäre geschaffen. fudder-Autorin Katharina Kiefel war dabei.

Die Musik

Musikalisch lässt sich Gemma Ray nicht richtig greifen. Sie spielt mit mehreren musikalischen Bausteinen und kommt bei allen Experimenten mit Psychedelischem, Tanzbarem der 50er und 60er Jahre und Tarantino-Klängen immer wieder beim Pop – wenn auch Retro-Pop – heraus.

Im Frühjahr dieses Jahres erschien ihr siebtes Album "The Exodus Suite", auf dem Ray sich noch einmal mehr in das ihr zugeschriebene Genre "Pop Noir" oder "Gothic Folk" einzuordnen scheint. Das Album nahm sie, die seit dem 15. Lebensjahr eigene Songs komponiert und singt, in nur sieben Tagen in einem Berliner Studio auf. Ihre verkratzte und teils gebrochene Stimme machen diese Klänge unverwechselbar und hüllen den Zuhörer in eine rauchige, teils verjazzte Traumwelt.

Die Show

Gemma Ray scheint eine dunkle, etwas mysteriöse und in einer anderen Zeit verhaftete Aura zu umgeben. Die Show, die sie zunächst gemeinsam mit ihrem schwedischen Support Fredrik Kinbom und ihrem Drummer Andy Zammit startet, ist nicht von großen Effekten oder Überraschungen geprägt. Lediglich mit ihrer Stimme, Gitarre und vereinzelten dramatischen Gesten – wie etwa dem Zücken eines Messers, mit dem die Gitarrensaiten bespielt werden – unterhält sie das Freiburger Publikum, das an diesem Abend an kleinen runden Tischen mit Teelicht-Beleuchtung Platz findet. Das schwungvolle Hinknallen ihrer Plastikflasche auf die Bühne sorgte zwischen den Songs immer wieder für längere Wachphasen auf Publikumsseite.

Der Style

Divenhafter Lidstrich, toupiertes Haar à la Amy Winehouse oder Duffy, schwarzes Outfit mit hellbraunen Cowboyboots. Stiltechnisch ist Gemma Ray klar in verrauchten Tanzclubs der 50er und 60er Jahre verhaftet, was ihren musikalischen Stil noch einmal mehr unterstreicht und glaubhaft macht.

Die Crowd

Das Publikum ist an diesem Abend eher jenseits der 20er aufgestellt – viele Damen und Herren mittleren Alters wiegen sich gemütlich auf ihren Stühlen um die runden Tische zu Gemma Rays Musik. Einige stehen an der Bar, manche wiederum verlassen das Konzert frühzeitig.

Sekundenschlaf

Das frühzeitige Verlassen der Show einiger Konzertbesucher mag mitunter daran gelegen haben, dass sich aufgrund des homogenen Sounds für den ein oder anderen auch schnell eine gewisse Eintönigkeit einstellt. Diejenigen, die keinen der Stühle mehr ergattern konnten, fielen teilweise in einen Sekundenschlaf. Dann doch lieber heimgehen, bevor es unangenehm wird.

Schwitz- und Flirtfaktor

Der Flirtfaktor war an diesem Abend eher mäßig bis nicht vorhanden – jedenfalls war es nur im Schein vereinzelter Teelichter und der Anordnung der Tische extrem schwierig, irgendeine Form von Kontakt zu den anderen Konzertbesuchern aufzunehmen. Auch mit Gemma Ray war nicht gut flirten, wirkte sie doch fast schon etwas unnahbar und in ihrer eigenen (Klang) Atmosphäre verhaftet. Der einzige Flirt an diesem Abend fand zwischen Gemma Ray und ihrer Gitarre statt.

Kassensturz

14,05 € im Vorverkauf, 15€ an der Abendkasse. Damit liegt Gemma Ray in einem angebrachten Preisrahmen, der vor allem für das etwas aus dem Studentenalter herausgewachsene Publikum akzeptabel zu sein schien.

Fazit

Gemma Ray liefert einen aus verschiedenen Klangwelten und Epochen entstandenen Soundtrack, der dem Freiburger Jazzhaus-Publikum eine Vielzahl von Momenten zwischen Melancholie, wohligem Schauder und dem einer Hippie-Traumwelt beschert. Ein mysteriöser Abend, an dem für jeden etwas dabei war.