Was ging bei … der Poetry Slam-Show mit Sophie Passmann im Vorderhaus?

Marissa Müller

Seit zweieinhalb Jahren moderiert Sophie Passmann die Poetry-Slam-Show im Vorderhaus – am Samstag war ihr letzter Abend. Zum Slam eingeladen hat sie: Theresa Hahl, Konstantin Korovin, Hanz und Thilo Dierkes.

Die Crowd

Von jung bis alt ist alles dabei: verliebte Pärchen, Erstsemesterstudierende, der ältere Herr mit Jackett und Fliege und der coole Zwölfjährige mit Mütze und Collegejacke. Moderatorin Sophie Passmann macht den Alters-Check: "Wer ist über 60?" Nur eine Person meldet sich. Ganz vorne sitzen die eingefleischten Poetry-Slam-Fans, die Sophie schon erkennt. Der Saal ist voll, selbst die Treppenstufen an der Seite sind belegt. Und es ist eng bestuhlt – so eng, dass man dem Sitznachbarn fast schon auf dem Schoß sitzt. Für die Pärchen ist das ideal, für alle anderen eher befremdlich.

Die Slammer

Eigentlich sind fünf Slammer angekündigt, eine hat es aber leider nicht geschafft: Luca Swieter reist mit der Bahn an und hat es verpasst, umzusteigen. Sie sitzt jetzt in Ulm am Bahnhof fest und kommt nicht mehr rechtzeitig nach Freiburg. Dumm gelaufen, aber immerhin liefert sie Moderatorin Sophie damit eine Steilvorlage für einen Gag. Anwesend sind ansonsten die Hamburgerin Theresa Hahl, der Stuttgarter Konstantin Korovin, Thilo Dierkes aus Freiburg und Hanz, dessen Nachnamen Sophie nicht kennt.

Die Rules

Es gibt zwei Runden, bei denen alle vier Slammer ihre Texte vortragen. Sie haben jeweils etwa sieben Minuten Zeit und dürfen bei ihrer Performance keine Requisiten einsetzen. Nach der zweiten Runde wird per Klatschabstimmung festgelegt, welche zwei Slammer ins Finale dürfen. Sophie: "Und macht bitte keine Hippie-Scheiße hier, das ist ein Wettkampf". Die beiden Finalisten haben dann noch mal die Chancen das Publikum von ihren Texten zu überzeugen, bevor erneut abgestimmt wird.

Wortkunst

Die Texte sind hochamüsant, poetisch, manche sind sehr persönlich, andere voller Gesellschaftskritik. Hanz verarbeitet in einem Text sein Erlebnis bei einem Herrentag in der Sauna und begeistert damit das Publikum. Thilo Dierkes reflektiert über die Kindheit und Konstantin Korovin erzählt von seltsamen Situationen, die in einem Escape-Room entstehen können. Bei Theresa Hahl wird es still, alle lauschen ihren nachdenklichen Worten über Distanz und das Ideenpflücken.

Bei der Klatschabstimmung ist schnell klar, wer auf jeden Fall ins Finale kommt: Hanz hat das Publikum mit seinen humorvollen Texten auf seiner Seite. Ebenfalls im Finale ist Theresa Hahl, die in ihrem neuen Text "Der Weg muss noch weg, denn das Ziel ist schon erreicht", über die Liebe reflektiert. Ein Thema, über das sie normalerweise nicht schreibt, das aber sehr gut zu der Zeit vor Weihnachten passt. Am Ende setzt sich aber Hanz mit einem ironischen Text über Silvester und seine Slamkollegen durch.

Politikum

Zwischen den Vorträgen der Slammer haut Sophie einen Joke nach dem anderen raus. Respektlos und selbstironisch redet sie über Dieter Salomon, das Finanzamt, Tinderdates und ihr kapitales Hinterteil. Ernstere Töne schlägt sie an, als es um die Dinge geht, über die wir 2018 noch viel mehr
reden müssen. Sie betont die rassistische Äußerung der Kölner Polizei über die "Nafris" und die #metoo-Debatte. "Wenn ich mich entscheiden müsste, mit wem ich lieber Weihnachten feiern würde – mit meinem Nazi-Opa oder mit der Kölner Polizei, ich könnte mich nicht entscheiden und das ist nicht gut".

Geil

Bei seinem zweiten Text übt sich Hanz als Geräusch-Imitator und ahmt die Ächz-und Stöhngeräusche älterer Herren nach – die Lachmuskeln der Zuschauer werden strapaziert und das Publikum feiert ihn dafür.

Fail…

… sind nur die brennenden Handinnenflächen nach dem Klatschmarathon.

Schwitzfaktor

Hoch – Obwohl draußen gefühlt Minusgrade herrschen. Bis zur Pause hat sich der Saal aufgeheizt, die Luft ist stickig und weggeatmet. Die Slammer schwitzen und man fragt sich, wie es die Hamburgerin Theresa Hahl mit Mütze und Schal auf der Bühne aushält. Die fünfzehn Minuten Pause sind nötig, um ein bisschen frische Luft zu schnappen.

Der Freiburg- Moment

"Isch des bio?" – Sophies Anspielung auf Freiburgs Öko-Image sorgt für Lacher. Und statt der Schinkenabstimmung gibt es heute im Finale passenderweise eine Tofuabstimmung. Die findet immer statt, wenn es kein klares Abstimmungsergebnis gibt. Das Publikum ruft dann für seinen Favoriten ganz laut "Schinken" – heute leicht abgewandelt und in bester Freiburgmanier: "TOFU!"

Der Abschied

Ist kurz und schmerzlos. Zum Dankeschön gibt’s Whiskey und Extra-Applaus für Sophies letzten Abend. Da sie nach Köln umgezogen ist moderiert sie die Slam-Show nicht mehr weiter – ab Mai wird es einen Nachfolger/eine Nachfolgerin geben: "Aber kommt trotzdem, auch wenn ich dann nicht mehr dabei bin". In ihrem so schön respektlosen Ton fügt sie hinzu: "Und wenn ihr mal in Köln seid, meldet euch bloß nicht."

Kassensturz

12,70 Euro kostet das Ticket im Vorverkauf. Das ist für einen Abend voller Witz und Poesie auch völlig in Ordnung. Die Getränkepreise tun dann aber doch ein bisschen weh – vor allem dem studentischen Geldbeutel. Für ein Bier und eine Coke muss man 7,20 Euro zahlen.

Pauschalurteil

Es war lustig, nachdenklich, poetisch, politisch und berührend. Die Vorträge hätten unterschiedlicher nicht sein können und jeder war in seiner Art besonders. Mal gab’s lauten Stand-Up, dann wieder leise Wortkunst, etwas Welthass und ganz viel trockenen Humor. Eines hatten sie aber alle drauf: das Spiel mit den Worten.

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