Was ging bei … der Nachhall-Lesung im Café Pow?

Kerstin Ernst

"Sehnsucht" war das Thema, mit dem sich die Jungs von Nachhall beschäftigt haben. Am Montag erzählten sie in lockerer, heimischer Atmosphäre Geschichten über ihre Sehnsüchte und machten dazu auch Musik.

Der erste Eindruck

In kuschliger Wohnzimmeratmosphäre sitzt am Montagabend das eher studentische Publikum – in dicke und warme Pullis eingemummelt – im Biergarten vom Café Pow und trotzt dem ungewöhnlich kühlen Wetter. Eine Bühne gibt es nicht, sodass alle hautnah am Geschehen dran sind, was die heimische und lockere Atmosphäre nur noch verstärkt. Nur, dass man eben nicht auf dem Sofa sitzt.

Programm-Check

Bei den Nachhall-Lesungskonzerten lesen Robert Wolf und Gottfried Haufe jeweils ein Set von zwei bis drei Kurzgeschichten vor, danach folgt ein musikalischer Beitrag von Danny Mc Clelland. Bei der vierten Ausgabe gibt es allerdings eine kleine Änderung: Zum ersten Mal konnten die Jungs von Nachhall einen Gast mit ins Boot holen: der Freiburger Musiker Sebastian Hesselmann, der Danny unterstützt. Auch eine Premiere an dem Abend: Robert, der sonst nur vorliest, greift zur Gitarre und spielt zwei selbstgeschriebene Songtexte.

Das Thema des Lesungskonzertes ist "Sehnsucht", was für Musiker ein sehr ergiebiges Thema sei, wie Danny McClelland, der Sänger der Freiburger Band Redensart, mit einem Schmunzeln meint. "Fast alle meine Texte haben was mit Sehnsucht zu tun", sagt Danny. Deswegen hatte er es in der Vorbereitung auch etwas leichter als seine Teamkollegen. Sebastian Hesselmann lacht und nickt zustimmend.

In der Pause können die Zuschauer auf kleinen Zetteln Themenideen für folgende Nachhall-Lesungskonzerte aufschreiben, die das Team gemeinsam auswertet. In den kommenden Tagen werden sie auf ihrer Facebook-Seite das Ergebnis veröffentlichen.

Texte und Musik

Die Kurzgeschichten, die Robert und Gottfried selbst geschrieben haben, handeln von Themen, die sie mit der Sehnsucht assoziieren. Sie versuchen, mit eigenen Worten das Gefühl der Sehnsucht zu erklären. Über den Wunsch des Menschen nach Wissens, obwohl man weiß, dass es manchmal auch negativ sein kann. Das Hin und Her in einer Beziehung, die Exfreundin, die einen nicht loslässt, obwohl sie schon längst verheiratet ist, sie Kinder hat und man weiß, dass jeder Gedanke an sie Verschwendung ist. Aber auch Themen abseits der Liebe: Das Schwelgen in Kindheitserinnerungen und die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit als Kind. Oder das Gefühl, das jeder kennt, wenn das Ende des Sommers sich bemerkbar macht, wie es schon in Don Henley‘s "The Boys of Summer" beschrieben wurde.

Die Musik, von Danny McClelland und Sebastian Hesselmann gespielt, ist an manchen Stellen leise und sehr gefühlvoll und lässt einen mit geschlossenen Augen entspannt zurücklehnen. Neben den leisen Klängen sind die Songs gleichermaßen auch sehr ausdrucksstark und leidenschaftlich gespielt. Unplugged mit Gitarre spielen sie Lieder mit englischen oder deutschen Texten aus der eigenen Feder zu allem, was sie berührt.

Darunter sind auch Lieder, die gemäß dem Thema sehnsuchtsvolle Gefühle wecken. Aber auch Songs, mit einem ernsten und nachdenklichen Hintergrund, in denen das schmerzlichen Ende des Lebens verarbeitet und thematisiert wird. Ein Höhepunkt ist am Ende das gemeinsame Duett von Sebastian und Danny "Copenhagen".

Was in Erinnerung bleibt

Die Texte von Robert und Gottfried erzählen von Situationen, mit denen sich sicherlich jeder identifizieren kann. Trotz des Tiefgang der Erzählungen, sorgen sie an mehreren Stellen für ein Schmunzeln, weil man sich vielleicht selbst in ihnen wiedererkennt.

Kassensturz

Der Eintritt am Abend war kostenlos. Am Ende der Veranstaltung steht es jedem selbst frei, am Ausgang in der Kiste einen kleinen Obolus zu werfen, der wieder für einen guten Zweck gespendet werden soll. Dieses Mal soll das gesammelte Geld an die Freiburger Straßenzeitung FREIeBÜRGER gehen, die aktuell in finanzieller Notlage ist.

Pauschalurteil

Ein entspannter Abend unter Freunden in lockerer Wohnzimmeratmosphäre, bei der man Geschichten, die aus dem Alltag gegriffen wurden, lauschen kann. Die Jungs aus Freiburg sind einfach sympathisch und es ist eine Freude, ihnen bei ihren Erzählungen und Songs zuzuhören.