Was ging bei… der Antilopen Gang im E-Werk?

Alexander Link

"Freiburg, wir sind gekommen um zu töten, denn Deutschrap muss sterben!" Die Antilopen Gang entfachte am Freitagabend auf "Anarchie und Alltag (AUA)-Tour" im ausverkauften E-Werk ein Moshpit-Feuerwerk.

Der erste Eindruck

Den Antilopen-Gang-Rappern Danger Dan, Koljah und Panik Panzer gelingt der Spagat mit punkrocklastigem Deutschrap und eigener Band in einem knapp zweistündigen Konzert ihr ebenso heterogenes Publikum zum Pogen und Feiern zu bringen.

Der Voract

Der Rapper Veedel Kaztro aus Köln eröffnet mit seinem DJ WinneOneTwo den Abend in klassischer HipHop-Formation und stimmt die Menge mit seinen sozialkritischen Songs auf ein schweißtreibendes Konzert ein: So positioniert er sich gegen Xenophobie in "Angst", kritisiert aktuelle Tendenzen zu Kommerzialisierung und Oberflächlichkeit von Deutschrap mit "Glanz" und würdigt das beliebte Fastfood "Falafel" als energiereiche Stärkung im hektischen Alltag. Auf seine Nachfrage, wo man in Freiburg gut Falafel essen könne, schreit ihm das Publikum "Kobanî" und "Amara" entgegen.

Die Bühne

Die Bühne ist in Scheinwerferlicht gehüllt. In der Mitte steht ein DJ-Pult, auf dem das Antilopen-Logo prangt, links und rechts stehen schwarze Trennwände mit großem A – für Anarchie und Alltag. Vorne links befindet sich ein E-Piano. Dann betreten Danger Dan und Koljah die Bühne und beginnen mit "Gestern war nicht besser", einem nachdenklichen Rückblick auf die eigene Bandgeschichte. Danger Dan unterstützt den Song am E-Piano, während Panik Panzer erst zu seinem Part dazustößt. Den Übergang vom HipHop-lastigen Auftakt mit DJ zum punkrockigen Mittelteil markiert das Beiseiteschieben der Trennwände, hinter denen Schlagzeuger, E-Gitarrist und E-Bassist auftauchen. Das Tourplakat mit Antilopen-Logo-Kampfjet und abgeworfenen Bomben bedeckt den Hintergrund vollständig.

Das Publikum

Die Besucher sind jung, im Schnitt Anfang bis Mitte 20. Laut Security sind etwa 600 Menschen in den ausverkauften großen Saal des E-Werks gekommen, um zusammen mit der Antilopen Gang ein energiegeladenes Deutschrap-Konzert mit Punkrock-Attitüde zu zelebrieren. Viele unter den Anwesenden tragen, passend zu den provokativen Texten der Rapper, Shirts mit politischen Statements wie "FCK NZS", außerdem viele Band- und Festivalshirts. Das Publikum ist immer in Bewegung und zettelt einen Moshpit nach dem anderen an. Während der letzten Zugabe setzt sich nach der Aufforderung der Antilopen der komplette Saal auf den Boden, um anschließend wild durcheinander zu springen.

Die Performance

Die drei Rapper liefern einen actionreichen und sehr unterhaltsamen Auftritt, sodass das Publikum sowohl die Punkrockversionen früherer Songs ihres Bonusalbums "Atombombe auf Deutschland" als auch die Rap-Songs des aktuellen Albums "Anarchie und Alltag" begeistert aufnimmt. Verstärkt durch die Band im Rücken heizen die Antilopen der Menge in alter Rockmanier so richtig ein und fordern das Publikum für den Track "Stück Dreck" auf, eine Wall of Death zu bilden. Der ganze Saal teilt sich und rennt pogend aufeinander zu. Die Antilopen interagieren durchgehend mit ihren Fans und provozieren abseits von ihren subversiven Texten mit ironischen Ansagen wie "Freiburg, wir sind zurück in eurer hässlichen Stadt!" nach früheren Auftritten vor kleinerem Publikum in der KTS, dem White Rabbit und dem Jazzhaus. Danger Dan geht gegen Ende des Konzerts, während des Punkrock-Songs "Anti Alles Aktion", stagediven und performt seinen Part stehend, nur von den Händen der Fans getragen.

Set-List

Die Antilopen Gang spielt eine äußerst abwechslungsreiche Auswahl aus ihren in heutiger Formation veröffentlichten drei Alben. Darunter sind bekannte Songs wie "Outlaws", einer Hymne für alle Außenseiter, "Fiasko" und "Abwasser". Sie erzählen, dass sie ihre Tour beinahe nach der Hauptfigur Gordon Shumway, der US-Fernsehserie "Alf" betitelt hätten und performen im gleichnamigen Song ihre Hommage an ihn. Es folgen weitere politische Songs wie "Beate Zschäpe hört U2", der den zunehmenden Rechtsruck in Deutschland thematisiert und vor den Folgen warnt. Danger Dan hat mehre Solo-Auftritte am E-Piano, darunter bejubelt ihn das Publikum vor allem für seinen Song "Ölsardinenindustrie", in dem er seine Biographie mit den Auswirkungen der Globalisierung verknüpft. Einen Höhepunkt bildet die letzte Zugabe - der 2009 entstandene Internethit "Fick die Uni" - mit dem die Antilopen berühmt wurden.

Die Musik

Die Mischung aus Punkrock und Rap-Texten in einem turbulenten Auftritt gepaart mit einer überzeugenden Liveband verleiht dem Aufritt einen unglaublich dynamischen Charakter. Die raplastigen Songs konterkarieren einerseits mit viel Wortwitz und mehrdeutigen Aussagen, die inzwischen im Mainstream angekommene Deutschrap-Landschaft: "Freiburg, wir sind gekommen um zu töten, denn Deutschrap muss sterben!" Andererseits halten sie aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, wie dem Rechtsruck in Deutschland, schonungslos einen Spiegel vor und kritisieren mit provokanten Statements die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft.

Was in Erinnerung bleibt

Koljah eröffnet den vorletzten Song "Verliebt", einen melancholischen Song über Beziehungsprobleme, mit den berühmten letzten Worten Goethes "Mehr Licht": "Das waren Goethes letzte Worte vor seinem Tod und ich sage sie hier jetzt auch". Daraufhin strahlen die Lichttechniker das Publikum in Regenbogenfarben an. Wunderschön - zwischen Anarchie und Alltag! Die drei verabschieden sich als Lenin, Marx und Engels mit einem zwinkernden Auge.

Fazit

Die drei Rapper verstehen ihr Handwerk ausgezeichnet. Sie provozieren gekonnt und testen die Grenzen deutschen Raps und seine Verbindungen zum Punkrock, als ursprünglich ebenfalls als Untergrundmusik erschienenes Genre, innovativ aus. Ihr Konzert ist eine gelungene Mischung beider Genres und sie animieren das Publikum zum Feiern und Tanzen.

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