Was ging bei... den Beatsteaks im Jazzhaus?

Matthias Cromm & Florian Forsbach

Hüpfen, Springen, Animation und Chorgesang auf dem Indie-Ballermann der Rockhymnen: Wie die Beatsteaks zeigen, wie man seine Fans und deren Endorphine erst so richtig durchschüttelt und sie dann überglücklich entlässt:



Die Crowd

Die Beatsteaks haben sich innerhalb von knapp 20 Jahren von einer scheißcoolen Hinterhofband zum Mainact der großen Bühnen zur Primetime der Festivals gemausert. Sicher laufen sie auch bei SWR3. Deshalb ist im Publikum vom Perlenohringstecker-Girlie mit Esprit-Oberteilchen bis zu leicht beleibten, tätowierten Herren mittleren Alters in Bandshirts (später dann ohne T-Shirt) alles vertreten. Die Show war ruckzuck ausverkauft. Hier sind nur die frühen Vögel, die sich fix um Karten gekümmert haben. Einige sind sicher auch wegen der hervorragenden Vorband Pascow da.

Track-Check

In den eineinhalb Stunden erfreuen die Beatsteaks mit richtig alten Nummern und neuen Hits. Alles schön laut zum Mitkrakeelen und Rumhopsen. Die Großtaten "Let Me In", "Frieda und die Bomben" sowie das unvermeidliche "Hand in Hand" reihen sich zwischen einem überflüssigen Police-Cover ein, diversen Hip-Hop-Urgestein-Zitaten, Punkrockkrachern von der 48/49 und dem neuen Discoding. Dazwischen animiert die Band, was das Zeug hält: Hallo Freiburg hier, hallo Freiburg da, hinsetzten, rumhopsen, Hände in die Luft, mitklatschen, eine Seite gegen die andere, wer singt lauter? Wir sind Sieger, Hurra! Lustiger ist es im Club-Med auch nicht und die Beatsteaks beweisen einmal mehr, wie gut sie sind. Die Stimmung kocht.

Bandoutfit

Nachdem Gitarrist und Keyborder Peter noch kurz zuvor im hiesigen Schallplattenfachhandel Flight13 als Clown geschminkt vor laufender Videokamera nach einer Beatsteaks-Single wühlte, trägt er jetzt stilsicher ein T-Shirt der Punkrockheroen ALL. Ein Beastie Boys-T-Shirt gibt‘s auf der Bühne auch. Dass die Beatsteaks über stilsicheren Musikgeschmack verfügen, zeigt sich sowohl beim Plattenshoppen als auch bei der T-Shirt-Auswahl - Daumen hoch!

Fail

Daumen runter dagegen für diesen entsetzlichen Hut von Arnim Teutoburg-Weiß. Pfui! Dieser Hut ist unerträglich und es wird auch nicht besser, als Arnim ihn bei "The Gentleman of the Year" gegen einen anderen eintauscht. So kannst du barfuß auf die Slackline mein Lieber - aber doch nicht auf die Bühne bei einer Punkrockshow...

Geil

Clubshow mit den Beatsteaks, das alleine ist schon ein toller Move. Die Band kann sich freischwimmen von den großen Bühnen und ihrer Massenkompatibilität fürs Füllpublikum. Es ist laut und wild und ein bisschen für Freunde. Das ist das Beste, was die Beatsteaks heute bieten können und das kommt verdammt gut. Coolster Move: Hardtickets mit Prägung. So macht man das, danke.

Kassensturz

35 Euro sind total fair, der Merch-Stand versucht, ansatzweise Punkrockpreise zu halten. Bier kostet den Jazzhaustarif. Aber hey, wir sind nicht mehr im Jugendzentrum...

Schwitzfaktor

Ausverkauft aber nicht überfüllt, es hilft nichts. Schon bei Pascow ist der Laden komplett durchgeschwitzt. Als dann alle hüpfen, wird es richtig warm. Keine Sorge: Das Dach vom Jazzhaus ist keineswegs undicht - das war nur euer Schweiß.

Was in Erinnerung bleiben wird

Ich habe die Beatsteaks das erste Mal vor ca. 15 Jahren auf dem Hoffest irgendeines Jugendzentrums in der norddeutschen Tiefebene gesehen. Es war Nachmittag, heiß, staubig und nicht viel los. Die Beatsteaks haben einen Sturm entfacht, mit nichts als den Songs ihrer ersten Platte und ihrer schon damals massiven Livepräsenz. Wir waren alle geplättet. Danach habe ich sie eigentlich nur noch auf großen Bühnen herumtollen sehen, was mich jeweils eher abgeschreckt hat oder was ich müde belächelt habe. Der Funke ist einfach nie wieder übergesprungen. Heute Abend nehme ich zumindest diese Gewissheit mit nach Hause: Die Beatsteaks können Beatsteaks und zwar bestens - und sie sind eine der besten und integersten "großen" Bands des Landes. Es tut gut, daran erinnert zu werden. Ich werde es mir merken und daran denken, wenn ich das nächste Mal müde lächle.

Pauschalbewertung

Die Sache mit der Clubshow ist cool, noch smarter wäre das Konzert vielleicht im Cafe Atlantik gewesen. Mir persönlich ist das Ganze immer noch ein bisschen zu arg lustig: Wenn ich Mikrofon-Animation suche, gehe ich auf dem Land in Discotheken, die Saustall, Purzelbaum oder Heuboden heißen, ich mache Pauschal-Cluburlaub oder gehe auf die Aida. Unterm Strich sind aber alle glücklich, zufrieden und abgekämpft. Die Band war tight, cool, solide, sympathisch und hat sich mit Pascow einen mehr als hörenswerten Support mitgebracht. Der Abend erhält 99 von 100 Punkten. Den Abzug gibt es für diesen schlimmen Hut - Markenzeichen hin oder her!

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Foto-Galerie: Florian Forsbach

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