Was ging bei … Curse im Jazzhaus

Simon Langemann

Rapper Curse war am Dienstag im Jazzhaus zu Besuch und hat sein neues Album "Die Farbe von Wasser" vorgestellt. Außerdem hatte er natürlich einige seiner Klassiker dabei – und er merkte bei einem Shot Jägi, dass er doch langsam alt wird.

Der Künstler

Curse aka Michael Kurth als Musiker zu bezeichnen, greift im Jahr 2018 zwar zu kurz – der Mindener ist seit ein paar Jahren Systemischer Coach und Buddhist, seit 2017 Herausgeber eines empfehlenswerten Podcasts und seit ein paar Wochen Bestseller-Autor. Doch an diesem Dienstagabend im Jazzhaus ist und bleibt er vor allem eines: Rap-Legende.

Die Crowd

Schreitet man die Treppen zum Eingang herab, erblickt man sogleich die präsenteste Spezies im Publikum: "In die Jahre gekommene junge Männer", wie es eine Anwesende formuliert.

Kassensturz

Knapp 30 Euro kosteten die Tickets im Vorverkauf – ein stolzer Preis für eine Zwei-Mann-Show: Anders als früher spielt Curse die aktuelle Tour ohne Band. Wobei schwer vorstellbar ist, dass er diese Entscheidung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten traf. Näher liegt die Vermutung, dass zwischen Podcast, Sachbuch, Albumrecording und -veröffentlichung ohne große Label-Unterstützung einfach keine Zeit mehr für Bandproben blieb.

Die Stage

Darüber hinaus kommt ein MC wie Curse problemlos ohne Backup-Rapper aus – ganz ohne Instrumente aber zum Glück nicht: Sein langjähriger Wegbegleiter Axel Steinbiss drückt im Hintergrund nicht nur in den richtigen Momenten auf Play, sondern spielt auch alles, was er kann, live auf einem Stage-Piano. Puristisch bleibt hingegen das Drumherum: Ein großes schwarzes Banner mit dem Curse-Logo der ersten Stunde muss reichen. Real HipHop!

Track-Check

Apropos erste Stunde: Das Debütalbum von Curse "Feuerwasser" feiert heute seinen 18. Geburtstag. Was jedoch nicht der Hauptgrund für die dominante Rolle sein dürfte, die das legendäre Werk von 2000 – neben der aktuellen Platte "Die Farbe von Wasser" – in der Setlist spielt. "Feuerwasser" ist und bleibt eben sein Meilenstein, das lässt sich auch an der euphorischen Reaktion des Publikums ablesen.

Fail

"Mein Album ist jetzt volljährig und darf endlich harten Alkohol trinken", freut sich Curse – und bittet das Barpersonal höflich um einen Schnaps. Was dann kommt, beschert uns den schönsten Monolog des Abends: "Was ist das? … Boah, nee. Ich hasse Jägermeister. … Na ja, nützt ja alles nix. (trinkt) … Ich merk gerade, dass ich älter geworden bin. Normalerweise bekomme ich immer, so bald ich Jägermeister trinke, das Gefühl, ich muss mich übergeben. Kennt ihr das? … Und das Gefühl hatte ich jetzt gerade nicht mehr … Absolut unnötige Information … aber egal. (lacht)"

Geil

Ein in der Setlist unberücksichtigter, aber dennoch programmatischer Songtitel von "Feuerwasser" lautet: "Auf uns ist Verlass". Denn völlig unbeeinträchtigt vom Jägermeister-Shot zeigt sich auch Curs" phänomenales Energielevel. Auch den Opener seiner neuen Platte (sowie des heutigen Abends) scheint der Mann wörtlich zu nehmen: "Wer weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt".

Die Zugabe

… bringt neben dem obligatorischen Schlusspunkt "Zehn Rapgesetze" noch einen weiteren Höhepunkt mit sich: Das "Feuerwasser"-Stück "Hassliebe" schickt einen mit der erneuten Erkenntnis nach Hause, welch wortgewaltige Texte der heute 39-Jährige schon mit Anfang 20 zu schreiben vermochte.

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