Was ging bei... Black Milk in der Kaserne?

Savera Kang

Der Detroiter Rapper Black Milk war am Freitag in der Kaserne Basel und nach seinem Konzert mit der Nat Turner Band selbst völlig außer Puste. Wer mitgeschwitzt hat weiß: Hip-Hop lebt, Elektro aber auch.



Es ist Freitag, 22 Uhr, die Tür zur Rossstall-Bar der Kaserne öffnet sich. Auf der Wiese vor dieser Basler Institution sitzen Freunde in Grüppchen beisammen, die Außenbereiche der verschiedenen Gastrobetriebe auf dem Areal sind belebt.

Der Andrang auf die Konzertlocation im Inneren hält sich in Grenzen, man raucht lieber noch an der frischen Luft. Wer ist überhaupt hier, um heute Abend Black Milk zu hören? Früher war es einfacher, sein Rudel zu finden – die Dresscodegrenzen sind mittlerweile durchlässig wie die Sparten selbst. Später am Abend wird das noch für Erfrischung sorgen.

Als sich um kurz vor halb zwölf endlich auch der Rossstall selbst öffnet, strömen die Rap-Fans dann von überall herein, verteilen sich locker im Raum, jede und jeder hat noch ausreichend Platz zum Hüpfen und Tanzen. Drei Herren im Anzug betreten die Bühne: Es ist die Nat Turner-Band, die den Rapper und Produzenten auf seiner hier in Basel startenden Europatour begleitet.

Keyboarder Aaron “Ab” Abernathy nimmt das Publikum mit seiner unglaublichen Stimme auf eine Reise zurück in die goldene Zeit des Soul und Funk, näselt wie Mark Morrison, kreischt wie Prince und deckt auch alles dazwischen markant und mitreißend ab. Am Bass steht Malik Hunter und verkörpert mit seinen Posen perfekt das Bassistenklischee, in der Mitte sitzt Schlagzeuger Z Horton, dessen Spielfreude das Fest komplett macht.



Etwa eine halbe Stunde geht die Party, endet mit triefend süßem R&B und einem bereits nassgeschwitzten Publikum. Ein kurzer Umbau, die Band wechselt die Klamotten, das düstere Intro von Black Milks aktuellem Album „If There's A Hell Below“ ertönt. Um Mitternacht steht der Detroiter dann auf der Bühne und stellt sich vor: „I go by the name of Black Milk.“

Dass Rapper gern ihre Namen sagen, ist bekannt. Dass sie dabei derart bescheiden rüberkommen, wie der großgewachsene 31-Jährige, ist eine Seltenheit. Überhaupt: Er dreht sich immer wieder weg vom Publikum, hin zu seiner Band, bedankt sich bei den Fans mehrmals fürs Kommen - „I appreciate everybody coming out tonight“ - bittet um Applaus für die Musiker.

Keine Sonnenbrille, keine komische Lederjacke, in der man es auf der Bühne nur zwei Songs lang aushält, dafür ein Rapper, der sich in erster Linie als Musiker sieht und der versucht, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Was nicht gelingt, denn die Leute sind wegen ihm gekommen. Curtis Cross, wie Black Milk bürgerlich heißt, erzählt, dass es sein erstes Mal in Basel ist und er darum alle Alben vorstellen möchte. Er zählt sie auf, ein Zwischenruf aus dem Publikum vervollständigt die Liste. „No Poison No Paradise, ok“, sagt der Rapper und fährt mit einem Lied aus seinem 2013er-Album fort.

Anschließend geht das Wunschkonzert weiter, fast, denn als jemand aus einer der letzten Reihen „Pressure“ vorschlägt, gibt Black Milk lachen zu: „Da war ich 17 oder so, ich erinnere mich nicht mal mehr an den Text.“ Später möchte er seine Heimatstadt Detroit musikalisch vorstellen: „J Dilla, Eminiem, die kennt ihr alle. Aber Detroit ist auch House, Electro, Techno. Darauf feiern wir jetzt ab.“ Und schon pumpt „Detroit's New Dance Show“ durch die Halle, die Rap-Fans feiern mit.

Zum Abschluss möchte der Musiker dann seine letzte Energie rauslassen und bittet die Zuhörenden darum, es ihm gleich zu tun. Der Soundtrack hierzu soll nach seinem Wunsch unverfälschter Rap sein und bereits bei den ersten Tönen von „Loosing Out“ ist die Freude vor der Bühne groß.

Schließlich verstummt die Musik, Black Milk dreht sich zur Band und schnappt nach Luft. Es ist ihm gelungen, alles zu geben. Doch wer nun meint, der Detroiter ziehe sich zum Durchatmen zurück, wird vor der Tür eines Besseren belehrt: Dort steht er schon, bedankt sich bei jeder Zuhörerin und jedem Zuhörer einzeln fürs Kommen, gibt Autogramme und posiert für Fotos.



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Fotos: Savera Kang

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