Konzertkritik

Was ging bei... Balthazar auf dem ZMF?

Liv Krusche

Die belgische Indie-Rock Band Balthazar ist nach mehreren Jahren Pause und inspirierenden Soloprojekten der beiden Leadsänger wieder auf Tour. Mit ihrem neuen Album "Fever" beglückten sie das Spiegelzelt des ZMF.

Zur Band

Ursprünglich hieß die Band "Lost and Found" und wurde 2004 in Belgien gegründet. Nachdem sie einige Talentwettbewerbe gewonnen hatten, benannten sie sich in Balthazar um und erzielten mit ihrer Single "This is a Flirt" nationale Bekanntheit. Sie brachten mehrere Alben heraus und spielten unter anderem in New York. Die mehreren Bandmitgliederwechsel sind Balthazar nicht anzumerken, Leadsänger Maarten Devoldere und Jinte Deprez behielten den unverkennbaren Sound der Band bei.

Balthazar im Spiegelzelt

Es ist hell im Spiegelzelt, die Leute sitzen vor der Bühne auf dem Boden, quatschen und schlürfen Bier oder Caipis. Auf der Bühne stehen Schlagzeug, Posaune, Geige, Rasseln, Keyboard und mehrere Gitarren bereit, denen aber kaum Beachtung geschenkt wird. Doch als erste Töne durch die Lautsprecher klingen, verwandelt sich die gemütliche Runde augenblicklich in eine gebannt zur Bühne starrende Menge. Balthazar betritt die Bühne und steigt wortlos in die abgespielten Klänge von "Rollercoaster" aus dem neuen Album "Fever" ein.

Die Crowd

Pärchen, Jungs, Mädels, alt, jung – alle starren gebannt auf die fünf Jungs von Balthazar, die sofort mit überzeugender Power die soeben noch trist wirkende Bühne in ein Schauspiel verwandeln. Sie faszinieren die Zuschauer mit betont lässigem, unverwechselbaren Stil. Der Schlagzeuger sitzt mit Socken auf der Bühne, Leadsänger Maarten Devoldere wie gewohnt im roten Mantel, Jinte Deprez mit aufgeknöpftem Hemd und abgerockter Gitarre. Nachdem das Publikum bei "Grapefruit" langsam auftaut, spielen sie den Kuschelsong "Phonenumber" um danach mit "Fever" das letzte Eis zu brechen – die durchmischte Menge tanzt, wippt und singt die Texte aus voller Kehle mit.

Location

Das Spiegelzelt ist eine wunderbare Location für ein Balthazar-Konzert. Es gibt keine Absperrung vor der Bühne, sodass man als Zuschauer direkt vor der Band steht. Wer sich ihre Lieder zuhause angehört hat, kann aufgrund des komplexen, individuellen Sounds zur Annahme gelangen, Balthazar könnte bei einem Liveauftritt diese unverwechselbare Stimmung nicht wiedergeben. Doch die musikalische Vielfalt der Jungs kann hautnah beobachtet werden: Sie wechseln ständig die Instrumente, betätigen unzählige Knöpfe und Effektpedale ganz nebenbei mit ihren Füßen. Jeder hat ein Mikrophon vor sich, durch das sie bei einigen Liedern alle gemeinsam, mehrstimmig singen.

Songs

Natürlich spielten sie nicht nur Songs aus dem neuen Album. Die älteren Songs sind eindeutig von den durch neue Inspiration und Groove geprägten Liedern aus "Fever" zu unterscheiden. Nachdem "Entertainment" ganz kurz als "letzter Song" angekündigt wird und Balthazar wortlos, mit der Zigarette bereits im Mund, die Bühne verlässt, johlt das Publikum auf. Die Jungs kommen zurück und beenden das Konzert mit zwei älteren, viel rocklastigeren Liedern, zu denen gehüpft, geschaukelt und gepfiffen wird.

Fazit

Alles in allem kann man sagen, dass es ein überwältigendes Musikerlebnis ist, Balthazar live zu sehen. Ihre Songs gehen noch mehr unter die Haut, wenn man die Leichtigkeit und den Charme der authentischen jungen Männer vor sich sieht. Der allgemeine Flow, den sie und ihre Musik ausstrahlen, lässt unschwer erkennen, dass alle talentierte Musiker sind, die schon lange an einem eigenen Stil arbeiten. Über die betont emotionslose Coolness hinweg zeigt sich hier und da doch ein anerkennendes Lächeln.

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