Was ging bei … Angelo Kelly & Family im Konzerthaus?

Andreas Meinzer

Passend zum 1. Advent gastierten am Sonntag Angelo Kelly & Family im Freiburger Konzerthaus und sorgten mit Songs aus ihren Programmen "Irish Heart" und "Irish Christmas" für vorweihnachtliche Stimmung. Fudder war dabei.

Die ganze Familie kam zusammen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor: Nicht nur jene Kelly-Fans, die mit ihrem Idol aus Teenie-Zeiten in den 90er Jahren erwachsen geworden sind, sondern auch deren Kinder (auch ungeborene), Eltern und Großeltern. "Ach, ich glaub, ich bin zu alt dafür", sagt eine 17-Jährige im Publikum zu ihrer Mutter, doch diese schmunzelt nur darüber. Damit liegt sie objektiv falsch – für eine solche Show, wie sie an diesem Abend geboten wird, ist man nie zu alt, wie sich zeigen wird.


Bühnenbild und -show

Das Konzert im ausverkauften Konzerthaus beginnt in sakraler Stimmung. Der große Saal und die Bühne sind abgedunkelt. Im Bühnenhintergrund erscheint ein großes, hell erleuchtetes Kreuz. Es erklingt die traditionelle adventliche o-antiphone "Oh come, oh come, Emmanuel". Nach dieser getragenen Eröffnung setzt die fulminante Lichtshow ein, das dreizehnköpfige Bühnenensemble ist nun komplett zu sehen, Frontmann und Pater Familias Angelo, seine Frau Kira, die fünf gemeinsamen Kinder, wie Orgelpfeifen aufgereiht, sowie die sechs Band-Musiker (Percussion, Gitarre, Geige, Irish Pipes), alle getaucht in gleißendes grünes Licht – passend zum Motiv der grünen Insel Irland, das sich durch die gesamte Show zieht.

Auf die Leinwand im Hintergrund sind als stimmungsvolle Untermalung passend Filmsequenzen zu sehen, in denen Angelo und seine Familie, eingepackt in dicke Zopfstrickpullover, entlang endloser grüner Weiden mit dem Pferdefuhrwerk unterwegs sind oder Schafe streicheln. Nahe am Kitsch, doch passend: der Hintergrundfilm, in dem vor prasselndem Feuer ein Baby in Armen gehalten wird – "Christ the king is born". Wer an Irland denkt, hat auch "River Dance" im Sinn. Entsprechende Tanzeinlagen der bezopften Mädels in ihren knielangen Röcken – bei Familie Kelly ist modisch immer noch irgendwie 19. Jahrhundert – runden das Klischee ab.

In der ersten Hälfte des Konzerts steht auch noch Angelos jüngster Sohn mit auf der Bühne, der dreijährige William. Er trägt viel zu große Kopfhörer, ist doch die Geräuschkulisse nicht unerheblich. Nicht umsonst verteilt Veranstalter Vaddi Concerts vor Beginn Ohrstöpsel. Doch er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, schiebt nur manchmal seinen eigenen kleinen Mikro-Ständer leicht gelangweilt hin und her – und ist der süße Blickfang des Abends.

Trackcheck

Die Songauswahl ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Balladen und schnellen, rockigen Folk-Songs, die so auch in einem Irish Pub erklingen könnten, ein Mix auch aus klassischen und modernen Weihnachtsliedern wie "O Come, all ye faithful" ("Adeste Fidelis"), "Angels we have heard on high" ("Les anges dans nos campagnes") – vorgetragen im Uptempo-Stil –, "Jingle bells" oder "The first noel". Bei "Joy to the world" und zahlreichen anderen Liedern hält es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen und muss nicht erst zu stehenden Ovationen und zum Mitsingen animiert werden.

Besonders nicht bei den in deutscher Sprache vorgetragenen Weihnachtsevergreens wie "Leise rieselt der Schnee" – oder "Stille Nacht", bei dem das Publikum zum Abschluss ganz alleine singt. Schwieriger wird es da schon bei einem komplett in Gälisch vorgetragenen Titel, dessen Refraintext Angelo zuvor mit dem Publikum kurz einstudiert und der unterstützend auch noch in stark gebeugter Lautschrift in den Bühnenhintergrund projiziert wird: "O ROW SHEDEWAHA WALJA Ä NISCH AIR HACKT ON TAUTRICK". Der Witz dabei: Die Kellys leben zwar seit fünf Jahren in Irland, können aber, auch wenn sie einige Songs in dieser Sprache singen, selbst kein Gälisch, wie Angelo süffisant anmerkt.

Entertainer Angelo

Viel weiß er jedoch über die Weihnachtstraditionen in seiner Wahlheimat zu berichten. Weihnachtsmärkte gebe es dort nicht – dazu regne es einfach zu viel. Und an Weihnachten legten Familien immer präventiv ein zusätzliches Gedeck auf die Fest-Tafel, für einen Fremden, der spontan vorbei komme und ansonsten alleine feiern müsste. "Doch zu uns kam noch niemand. Komisch."

Angelo Kelly ist zwar etwas mopsig geworden, doch das tut seiner Beweglichkeit keinen Abbruch. Bei den schnellen Nummern huscht er flink, singend und Gitarre spielend, über die Bretter und animiert das Publikum zum Singen, Klatschen, An-den-Händen-Halten (bei "Auld lang syne") und auch zu La-Ola-Wellen. Bei "Paddy on the railroad", dem ersten Song, den er als kleiner Junge auf der Gitarre spielen konnte, lässt er beim Headbanging seine lange Mähne kreisen, das Publikum hüpft begeistert mit.

Überhaupt erweist sich der 36-Jährige als geübter Entertainer mit Gespür für Witz und Situationskomik. So überspielt er die technische Panne am Beginn der zweiten Hälfte, als er sich selbst in seinen inner ears nicht hört, mit dem selbstironischen Hinweis an die Technik und das Publikum: "Wenn ich mich hier nicht höre, geht hier gar nichts – und ich bin hier seeehr wichtig!"Exemplarisch auch seine anspornende Ansage am Beginn des Zugabenteils: "Ihr müsst jetzt ausrasten, dann ist das hier kein Konzerthaus mehr, sondern eine Kneipe, in der alle zu viel getrunken haben!"

An diesem Abend bestätigen sich musikalisch wieder einmal zwei Wahrheiten: 1.) Zwischen Kirche und Kneipe spielt sich unser Leben ab und 2.) Wie schön und immer wieder neu sie doch ist, berührend und versöhnend: die Botschaft von der Menschwerdung Gottes in einem Kinde.

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