Was ging bei … Agnostic Front im Café Atlantik?

Simon Langemann

Als verschwitzt und maskulin beschreibt fudder-Autor Simon Langemann das Konzert von Agnostic Front im Café Atlantik. Was ging noch?

Die Crowd

… ist in erster Linie zweierlei: verschwitzt und maskulin. Beides überrascht nicht wirklich. Denn während sich das Publikum etwa in der Männerdomäne HipHop in den letzten Jahren spürbar gewandelt hat, steht der Hardcore Punk weiter als feste Bastion des 95-prozentigen Herrenanteils – beim ungebrochenen Tough-Guy-Image der Protagonisten aber eigentlich kein Wunder.

Flirtalarm

Fehlanzeige. Da muss man nichts schönreden.

Schwitzfaktor

Besonders frisch geht es auf Clubkonzerten nach hochsommerlichen 35-Grad-Tagen nur selten zu. Doch was die Fans der Hardcore Punk-Legende Agnostic Front am Dienstag im Café Atlantik erwartet, ist schwer zu überbieten. Nach spätestens drei Songs läuft einem selbst als geneigter Wenigschwitzer der Schweiß von der Stirn. Kurze Verschnaufpause vorm Eingang: ein Anwesender wringt sein völlig durchnässtes Shirt auf dem Gehweg aus.

Die Stage

Volltätowiert, teils oben ohne, eng eingepfercht und doch hochmotiviert stehen Agnostic Front auf der Bühne. Bandgründer und Gitarrist Vinnie Stigma, Jahrgang 1955, ist die exaltierte Energiequelle der Band, bei der selbst das Gesichtabwischen mit dem Handtuch wie ein Teil der Performance anmutet.

Die Musik

Niemand könnte sie besser beschreiben als Sänger Roger Miret persönlich es einst gegenüber dem Ox-Fanzine tat: "Das sind ganz simple Punkrock-Songs mit einfachen Texten, aber so war Punkrock eben schon immer. Simple, basic, right to the fuckin" point, at the right time – so ist unsere Musik."

Track-Check

Agnostic Front spielen sich munter durch die Diskografie, schließlich befinden sie sich auf ihrer 35-jährigen Jubiläumstournee. In Erinnerung bleiben vor allem "Police State" von 1999, "Crucified" von 1987 und der AF-Hit schlechtin "Gotta Go" (1998). Nach dem umjubelten Ramones-Cover "Blitzkrieg Bop" und gerade mal 60 Minuten Spielzeit ist Schluss. Und das ist auch gut so, denn jegliche Zugabe wäre bei diesen Temperaturen nur Quälerei.

Geil

Die Stimmung. Kann man nicht beschreiben. Muss man erlebt haben.

Fail

Roger Mirets Mischung aus Gebrüll und Gebell kommt am anderen Ende des Raumes nur als akustischer Matsch an. Ganze Textzeilen vernimmt man höchst selten. Vielleicht ist das auch besser so, denn Agnostic Front gelten in der von Natur aus linksgeprägten Hardcore-Szene als ungewöhnlich konservativ – und sind daher nicht unumstritten.

Kassensturz

20 Euro zahlt man an der Abendkasse. Doch wer sich ansonsten auf die humanen Atlantik-Preise freut, wird enttäuscht, denn heute gibt es gesonderte Konzerttarife: 4 Euro für das Augustiner beispielsweise.

An der Tanke / Sprit-Check

Getrunken wird natürlich trotzdem vorrangig Bier. Oder während des Konzerts am besten gar nichts. Denn: Selbst wer kein Interesse hat, im Moshpit mitzumischen, sollte doch allzeit bereit sein, einen Crowdsurfer aufzufangen oder mitzutragen.

Pauschalurteil

Tags darauf schreibt mir mein plus eins: "Ich glaube, die Klamotten von gestern sollte man eher verbrennen als waschen." Allein aufgrund jener besonderen Umstände, sehr wohl aber auch durch den mal wieder erfrischenden Abstecher in die Parallelwelt namens Hardcore Punk, war’s ein extrem unterhaltsamer Abend.

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