Was ging bei … Afrob im Jazzhaus?

Alexander Link

"Das Mutterschiff is in Freiburg gelandet!" – an Bord befindet sich der Vollblut-MC Afrob. Mitgebracht ins Jazzhaus hat er eine Bühnenperformance, die zum Bouncen auffordert und politische Botschaften platziert.

Die Vorband

Mit brachialer Stimmgewalt und mächtigen Beats heizt der Newcomer und neustes Four-Music-Signing Sero dem noch zurückhaltenden Publikum ein. Sero fegt verbal über alles hinweg, zerlegt dabei seine imaginären Gegner in double time Battlerap und lässt sich auch nicht von einer angeblichen Morddrohung für den kommenden Auftritt in Stuttgart im Rahmen von Afrobs "Mutterschiff Tour" einschüchtern.

Die Bühne

Die Bühne wird daraufhin zum Raumschiff umfunktionalisiert: Neben dem Pult von DJ Derezon leuchten zwei Schweinwerfer in den Zuhörerraum, während Afrob und sein Backup-Rapper Haben die Stage betreten. Das Eis zwischen Crowd und MCs wird umgehend durch die energische Bühnenperformance der beiden Rapper gebrochen, sodass die Leute nun verstärkt vor die Monitorboxen drängen und zu bouncen beginnen.

Track-Check

Afrob eröffnet sein verbales Lauffeuer mit aktuellen Songs vom Album "Mutterschiff" wie "No Love" und "Ich bin dieser". Danach lässt er mit "Von Pfaffenäcker ins Märkische" seine Lebensorte vom Aufwachsen in Stuttgart bis zum Wegziehen nach Berlin Revue passieren, indem er zuvor kurz auf die badisch-schwäbische Rivalität anspielt, schließlich aber festhält, dass es ihm hier um HipHop gehe, der für alle da sei. Spätestens bei extrem basslastigen Brettern wie "Rap ist" oder "Legendär / Populär" vom ASD-Kollaboalbum "Blockbasta" bounct die Crowd im Takt zu Afrobs erstklassigem Spitten, sodass unter heftigem Vibrieren zwei von vier Monitorboxen gefährlich nah an den Bühnenrand gelangen.

Die Message

Die Message, die Afrob vermitteln will, unterstreicht er am deutlichsten, als er zur Freestyle-Interpretation von "Öffne die Augen" ansetzt und diesen Track gezielt mit der Line "ich seh" schwarz" abbricht, um auf die aktuelle (Schein-)Debatte um political correctness zu sprechen zu kommen. Sie führe vielmehr dazu, dass die eigentlich relevanten politischen Entscheidungen kaschiert würden und in der alltäglichen Medienüberflutung untergingen. Mit dem Antikriegssong "Überall is Krieg" setzt er direkt im Anschluss den Aufmerksamkeitsfokus exakt auf diese Problematik und kritisiert unter anderem deutsche Waffenexporte in Kriegsgebiete weltweit. Afrob setzt seine politische Botschaft fort, indem er an den von Neonazis 2000 in Dessau getöteten Alberto Adriano erinnert, dessen gewaltsamer Tod nicht vergessen werde, und seine Strophe aus dem Brothers Keepers Song "Adriano (Letzte Warnung)" rappt.

Die Crowd

Das Publikum setzt sich am Mittwochabend aus rund 150 Leuten zusammen, die im Schnitt so alt sind, dass sie mit Afrobs old school classics wie "Reimemonster" aufgewachsen sind und so Deutschrap-affin, dass sie sowohl die älteren als auch die in den letzten zehn Jahren erschienenen Tracks feiern. Der ausgewogene Mix aus alten und neuen Hits und das Erwähnen von Meilensteinen der deutschen HipHop-Historie sorgen beim Publikum im Jazzhaus oder "Jazzkeller", wie Afrob ihn nennt, für große Begeisterung und viel Bewegung vor der Bühne. Textsicher sind die Fans ebenfalls – manche unter ihnen erraten einzelne Songs so schnell, dass Afrob Respekt zollt. Am Anfang des Konzerts bekommt Afrob von einem Fan aus der ersten Reihe eine hölzerne Kette mit "Holzklunker" um den Hals gelegt – schöne Geste!

Zwei MCs, zwei Mics und ein DJ

Diese klassische Rap-Konstellation funktioniert bestens zwischen Afrob, Haben und DJ Derezon. Die Drei sind ein eingespieltes Team und Haben performt zwei Solotracks, während Afrob aus seiner baden.fm-Tasse trinkt. Haben übernimmt auch bei den meisten Feature-Songs einzelne Parts der nicht anwesenden Rapper wie Samy Deluxe oder Ferris MC. Der gesamte Auftritt wird vom Publikum mit viel Jubel und Applaus honoriert und es werden…

Zugaben…

gespielt: Die aggressiv-progressive "Antihaltung" findet auch in der Crowd stabile Resonanz und führt zu einem weiteren Abriss auf der Bühne. Beim Klassiker "Zähl mein Geld" verteilt Afrob sogar Props an die Fans für ihr beeindruckend korrektes Mitsingen der Hook.

Fazit

Afrob spittet Reimketten in Höchstform, freestylt wo immer auch möglich, bringt die Crowd zum Bouncen und mitrappen, und vermittelt wichtige, relevante politische Botschaften und (Anti-)haltungen in seinen Tracks. Getragen wird er vom treibenden Rhythmus aus den Plattentellern DJ Derezons.

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