Was die VAG von der Fahrkartenkontrolleur-Warngruppe auf Facebook hält

Josepha Schweizer

"Achtung! Schwarzfahren ist illegal. Jeder, der ohne Ticket fährt, macht sich strafbar. Wir unterstützen das in keinster Weise und ihr seid alle selbst verantwortlich für eure Taten!", so heißt es auf der Facebook-Seite "Schwarzfahren in Freiburg". Trotzdem möchte die Seite ein Frühwarnsystem für Fahrkartenkontrollen in Freiburg und Umgebung werden - und so Schwarzfahrer unterstützen. Josepha hat bei Frank Schütt, Fachgruppenleiter für Erhöhtes Beförderungsentgeld bei der VAG, nachgefragt, was das Unternehmen davon hält.



Herr Schütt, sind Sie bei Facebook?

Frank Schütt: Ja, Ich bin bei Facebook angemeldet.

Haben Sie schon von der Seite "Schwarzfahren in Freiburg gehört?

Kollegen haben mir von der Seite erzählt.  

Was halten Sie davon, wenn Facebook-Nutzer sich gegenseitig vor Fahrkartenkontrollen warnen und sich somit beim Schwarzfahren unterstützen?

Ich finde überraschend, was sich auf Facebook alles tut und entwickelt. Wenn sich dort Menschen Tipps zum Schwarzfahren geben, müssen wir uns wohl etwas einfallen lassen, um gegenzusteuern. Letztendlich geht es ja nicht darum, einen Schwarzfahrer bloßzustellen oder die 40 Euro zu kassieren, sondern um die Einnahmensicherung. Wenn wir nicht mehr kontrollieren würden, oder im Vorfeld erkannt werden würden, bräuchten wir keine Fahrscheine mehr anbieten.

Über welche Maßnahmen denken Sie konkret nach?

Wir werden den Prozess erst einmal im Auge behalten und überlegen uns etwas. Wenn man zu schnell handelt, schießt man ja manchmal über das Ziel hinaus.

Hier in Freiburg kontrollieren wir jetzt ja auch schon seit längerem mehr in Zivil als in Uniform beziehungsweise in ähnlichen Westen. Ich denke, es war der richtige Weg, dass man einfach mal abwechselt. Auch die Art der Kontrolle kann variiert werden; Man kann Einstiegs- oder Ausstiegskontrollen machen, oder mit mehr Prüfern zwischen zwei Haltestellen komplett kontrollieren.

Die eine Stadt kontrolliert so, die andere so. In manchen Städten gibt's tatsächlich nur Zugang zum Bahnsystem, wenn ich ein Ticket habe, ohne komm ich schon gar nicht mehr rein. Die Haltestelle gehört ebenfalls zum Bahnbereich, man kann auch dort noch kontrollieren. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, sich zu verändern. Da muss man einfach schauen, in welche Richtung man gehen möchte.

Wie läuft das bei der VAG mit dem Schwarzfahren?

Wenn wir Kontrollen durchführen gibt es natürlich immer einen gewissen Prozentsatz von Leuten, die keinen gültigen Fahrausweis haben. Da bei der VAG nicht vollkontrolliert wird, wie in anderen Systemen, etwa bei der SBG oder der Deutschen Bahn, sondern nur Zufallskontrollen stattfinden und wir einen Verbundfahrschein haben, ist eine genaue Schadensangabe nur durch die VAG schwierig. Die RVF-Angabe liegt zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro, die Schwarzfahrer jährlich an Schaden verursachen.

Wissen Sie eigentlich, wo Ihre Kontrolleure gerade unterwegs sind?

Wir selber wissen das natürlich, aber nicht zu hundert Prozent. Die Kontrolleure haben Vorgaben, wo sie sich in etwa bewegen, und wir sind über Funk in Verbindung. Wie Sie sich vorstellen können, kommt es bei jeder Kontrolle mal zu einer Rückfrage, aber ich weiß eigentlich immer, wo sich die Kollegen aufhalten.

Rein theoretisch könnten Sie ja auch selbst auf Facebook absichtlich Kontrolleur-Sichtungen posten, obwohl sie wissen, dass sich dort keiner Ihrer Kollegen befindet, oder?

Das ist eine Strategie, die natürlich funktionieren würde, aber ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. (lacht) Das war auch eine der Strategien, die ich eben nicht genannt habe.

Wenn Sie direkt einen Schwarzfahrer erwischen: Was passiert dann?

Wenn jemand ein gültiges, personengebundene Ticket wie das Semesterticket vergessen hat, dann hat er zunächst einmal die Chance, sie nachträglich vorzulegen und bezahlt dann ein reduziertes erhöhtes Beförderungsentgelt. Mit einer Anzeige ist nicht zu rechnen - da liegt dann ja keine Straftat vor.

Anders ist es bei allen anderen Tickets. Wenn man die vergisst, kostet es 40 Euro. Im Erstfall werden wir sicher keine Anzeige starten, es sei denn, die Polizei wird benötigt, um die Adresse zu ermitteln. Dann wird auch aus dem Erstfall eine Straftat.

Ansonsten kommt der Strafantrag beim Zweitfall. Wir achten schon darauf, was aus dem Erstfall wurde - ob alles bezahlt wurde und ob überhaupt Betrug oder Manipulation dahinter war. Falls das Ticket einfach nur vergessen wurde, nicht entwertet oder nicht gekauft wurde, das erhöhte Beförderungsentgelt aber gezahlt wurde, lassen wir es schon auch mal noch beim Zweitfall gut sein. Beim dritten Fall kommt in jedem Fall eine Anzeige, weil dann etwas vorliegt, von dem wir meinen, dass es in Richtung Absicht geht und verfolgt werden muss.

Denken Sie, die Facebook-Seite hat überhaupt eine Chance, ein organisiertes "Frühwarnsystem für Fahrkartenkontrollen in Freiburg" zu werden?

Die Chance besteht schon, immerhin gibt es ja schon eine Plattform. Letztendlich wird sich wahrscheinlich immer ein Kreis finden, der diese Informationen nutzt. Inwieweit diese Informationen allerdings verlässlich ist, und wie wir unsere Taktik verändern, das ist natürlich etwas ganz anderes. Langfristig weiß ich nicht, ob die Seite sich organisieren kann, aber im Moment finde ich es erstmal amüsant, was hier so passiert.

Zur Person



Frank Schütt
ist Fachgruppenleiter für Erhöhtes Beförderungsentgelt bei der Freiburger Verkehrs AG.  

Mehr dazu:

  [Bild 1: fudder; Bild 2: Privat]