Was die Freiburger Jusos von der beschlossenen GroKo halten

Claudia Förster

Die Jusos haben auch in Freiburg gegen den Beitritt der SPD zu einer Großen Koalition geworben. Ihr Einsatz hat die Parteigenossen nicht umgestimmt. Wie gehen die Freiburger Jusos mit der beschlossenen GroKo um? Ein Besuch ihrer Versammlung am Mittwoch.

Frust, Ratlosigkeit, Wut, Scham. Vom optimistischen Kampfgeist, den die Jusos in ihrem Anti-GroKo-Kurs in den letzten Wochen versprühten, ist bei der ersten Freiburger Mitgliederversammlung seit Bekanntgabe der Großen Koalition nicht viel übrig. Viele Gesichter blicken finster drein, lächeln nicht ein einziges Mal. Sie schweigen resigniert.


Die Jusos Freiburg sind sich einig: Sie sind maßlos enttäuscht vom Ergebnis des SPD-Mitgliedervotums, erschrocken über das Ausmaß der Differenz. Sie hatten mit einer knapperen Entscheidung gerechnet, immerhin hatten sie sich klar gegen eine GroKo positioniert. Nicht nur auf Bundesebene erreichte Juso-Chef Kevin Kühnert eine große Öffentlichkeit – auch in Freiburg setzten sich die Jusos ein und warben mit 950 handgeschriebene Postkarten bei Parteimitgliedern gegen eine GroKo.

Austreten oder dabeibleiben?

Trotzdem stimmten 66 Prozent der SPD-Mitglieder für die Regierungsbildung mit CDU und CSU.
Sich mit der jetzigen SPD zu identifizieren fällt den Freiburger Jusos schwer. Sie alle ringen bei der Versammlung am Mittwoch mit der Frage, welche Konsequenz sie aus dem Verhalten des Parteivorstandes, das ihren eigenen Überzeugungen so sehr widerspricht, ziehen sollen: Aus der Partei austreten oder erst recht dabeibleiben, um für die eigenen Ziele zu kämpfen?

Man habe gerade miterlebt, wie die SPD die letzte Ausfahrt verpasst habe, finden die Pessimisten unter den Jusos. Jetzt, wo die SPD entgegen eigener Versprechen erneut eine Regierung mit der Union eingehe und im Koalitionsvertrag viele Abstriche mache, sehen sie keine Hoffnung mehr. Die Partei sei rettungslos verloren. Die 24-jährige Jurastudentin Thalke Iggena erwägt, ihr Parteibuch abzugeben. "Ich fühle mich inhaltlich verraten", sagt die Ortsvereinsvorsitzende der SPD in der Innenstadt. Entschieden hat sie sich aber noch nicht.

"Man sollte nicht aus Mitleid in einer Partei bleiben, hinter der man nicht steht, nur weil es keine Alternative gibt." Lisa Gockel, stellvertretende Kreisvorsitzende der Freiburger Jusos
Fast alle ihrer Kolleginnen und Kollegen spielen mit diesem Gedanken. "Das Problem am Austreten ist, dass die Leute schnell vergessen sind", sagt Julien Bender auf der Sitzung am Mittwoch. "Nur die, die dabeibleiben, bewegen etwas. Auch wenn man lange dafür ringen muss - irgendwann dreht sich der Wind", so der Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Freiburg. "Und dann braucht man Leute, die eine Alternative haben. Deshalb müssen wir weiterkämpfen".

"Steckt nicht in allen von uns ein bisschen Martin Schulz? Wenn wir Mitglied einer Partei bleiben, die eine große Koalition befürwortet, die wir klar abgelehnt haben – sind wir dann nicht genauso inkonsequent und unglaubwürdig wie er?", fragt Lisa Gockel, stellvertretende Kreisvorsitzende der Freiburger Jusos. "Man sollte nicht aus Mitleid in einer Partei bleiben, hinter der man nicht steht, nur weil es keine Alternative gibt".

Die Versprechen der Parteispitze einfordern

Andere sehen die Jusos gerade jetzt in der Verantwortung: "Wir müssen den Finger in die Wunde drücken", sagt ein Mitglied, das anonym bleiben möchte, "die SPD hat sich mit ihren Versprechen weit aus dem Fenster gelehnt. Wir sollten sie jetzt darauf festnageln". Rolle der Jusos sei es, einzufordern, dass die Parteispitze diese Versprechen einhält. Der 16-jährige Aaron Rau, Juso-Vorsitzender im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, teilt diese Motivation: "Es ist wichtig, dass die Jusos zusammenbleiben und das Beste aus der Situation machen".

Auch die 28-jährige Pia Liepe will an den momentanen politischen Inhalten etwas ändern. Ihre Strategie: "Positiven Krawall machen, als Jusos nicht immer nur Ja und Amen sagen sondern uns auch gegen die Parteiführung äußern. Wir haben in der SPD schon viele Sympathisanten, vielleicht können wir noch ein paar neue erreichen".

Ob die Freiburger Jusos weiter gespaltener Meinung bleiben, wie sie auf die Regierungsbeteiligung der SPD reagieren sollen, wird sich in nächster Zeit herauskristallisieren. Womöglich bleiben einige bei den Jusos und treten nur aus der Mutterpartei aus. "Jeder und jede sollte in sich gehen und sich sortieren", sagt Pia Liepe. Schließlich sei die Mitgliedschaft in einer Partei Sache der persönlichen Überzeugung.

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