Was der neue Slam 46 in der Passage anders machen möchte als andere Poetry Slams

Franziska Brandsch

Der Wiedereröffnung der Passage 46 wurde entgegen gefiebert – kommenden Dienstag findet die Premiere des ersten Poetry Slams mit Moderator Sergio Schmidt statt. Fudder hat den Slam-Poeten und Stadtrat zum Interview getroffen.

Was macht der Slam 46 anders als andere Poetry Slams?

Sergio Schmidt: Ich würde sagen, es gibt zwei Slams in Freiburg, im The Great Räng Teng Teng und im Atlantik, die vergleichbar sind mit dem, was ich machen werde. Beim Slam des The Great Räng Teng Teng handelt es sich eher um eine Veranstaltung für Locals only, also hauptsächlich für Freiburger. Im Atlantik kommen meistens Künstler aus ganz Deutschland zusammen, die eine hohe Qualität mitbringen. Der Slam in der Passage 46 wird sich irgendwo zwischen den beiden bewegen. Ich hätte gerne beides: Klassische Slam-Texte und experimentelleres Zeug.

Wer wird alles beim ersten Poetry Slam in der Passage 46 auftreten?

Es sind insgesamt neun Slammer, wobei zwei davon ein Team sind. Auftreten werden: Das Slam Team "Einfach So" (Cäcilia Bosch & Ansgar Hufnagel), Angeley Eckardt, Marius Loy, Lena Stokoff, Ian Werum, Laura Bärtel, Tim Fey und Jonas Stolz. Es wird zwei Runden geben – eine Vorrunde, in der alle Slammer, aufgeteilt in zwei Gruppen, nacheinander auftreten. Aus jeder Gruppe kommt dann einer ins Finale.

"Ich hätte gerne beides: Klassische Slam-Texte und experimentelleres Zeug."

Wie wird beim Poetry Slam in der Passage 46 abgestimmt, wer weiterkommt?

Das ist tatsächlich das Einzige, das ich noch nicht entschieden habe. Der Vorteil einer Applaus-Abstimmung ist, dass man absolut jeden einbindet. Der Nachteil ist aber, dass es für den Moderator manchmal schwer zu erkennen ist, ob jemand einfach seine riesige Fanbase mitgebracht hat, oder auch herauszuhören, wer mehr Applaus bekommen hat. Punktetafeln liefern da präzisere Aussagen. Es kommt aber wirklich auf das Publikum an. Die Abstimmung zwischen den Finalisten wird jedoch definitiv mit Applaus sein, zu den Vorrunden muss ich mir noch Gedanken machen.

Haben es Teams oder Einzelkünstler leichter?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin noch nie als Team aufgetreten. Man kann sich dann natürlich gegenseitig inspirieren und auch geile Performances machen. Andererseits muss man dann natürlich auch aufeinander eingehen. Es hat alles Vor- und Nachteile. Ich bin echt froh, dass das Team "Einfach So" bei uns auftreten wird, da sie auch super eingespielt sind und sogar zusammen touren.

"Meinen ersten Poetry Slam in einer Straßenbahn habe ich dann auch gleich gewonnen."

Was für ein Publikum erwartest Du?

Vor allem viele Studenten. Manchmal gehen auch Schüler oder ganze Schulklassen zum Poetry Slam, was natürlich sehr cool ist – Deutschunterricht zum Anfassen sozusagen. Ich denke, dass das klassische Poetry-Slam-Publikum kommen wird. Ich fände es zudem total schön, wenn auch Theaterpublikum kommen würde und wir einfach ein gemischtes Publikum hätten. Sodass jeder, der Bock hat sich auf künstlerische Weise entertainen zu lassen, vorbeischaut.

Wie bist Du eigentlich zum Poetry Slam gekommen?

An unserer Schule gab es einen Poetry-Slam-Workshop zu dem ich eigentlich nur für zwei Freundinnen mitgegangen bin und dann hat es mir viel Spaß gemacht. Meinen ersten Poetry Slam in einer Straßenbahn habe ich dann auch gleich gewonnen und das hat mich motiviert, weiter zu machen.

Was ist Dir beim Poetry Slam besonders wichtig?

Es geht dabei um zwei Interessen: Das Publikum soll Spaß haben – und die Künstler ebenso. Poetry Slam unterstützt die Literatur in einer popkulturellen Form. Es geht nicht nur um verstaubte Bücher, sondern etwas Erlebendes. Jedem wird eine Bühne geboten. Für das Publikum soll es Entertainment sein und die Künstler sollen sich wertgeschätzt fühlen sowie einen Ort haben, an dem sie völlig frei ihre Kunst präsentieren können.

Was gehört in einen guten Slam?

Das ist sehr schwierig. Poetry Slam kann alles sein: Humorvolles wie auch Gedichte. Grundsätzlich würde ich sagen Sachen, die jeder kennt, die viele Leute ansprechen, die einen gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken bringen, das sind dann Killertexte.
  • Was: Poetry Slam
  • Wann: 14. November, 20 Uhr. Abendkasse und Bar öffnen um 18 Uhr
  • Wo: Passage 46, Bertoldstraße 46
  • Weitere Veranstaltungen: Bis Februar finden die Poetry Slams in der Passage 46 jeden zweiten Dienstag im Monat statt.

Poetry Slam

Poetry Slam ist eine Art Dichterwettstreit, dessen Sinn ist, dass man mit jeder beliebigen Textform auf die Bühne gehen kann. Dabei gibt es vier Regeln:

Die erste ist, man darf sich nicht verkleiden oder Hilfsmittel verwenden – also keine Instrumente oder Masken und dergleichen. Das einzige, das man mit auf die Bühne nehmen darf, ist der Text.

Die zweite und wichtigste Regel ist, dass das Publikum entscheidet, wer weiterkommt. Ähnlich wie bei einem Rap-Battle gibt es entweder Applaus-Abstimmungen oder Punktetafeln, die an Gruppen im Publikum verteilt werden.

Eine weitere Regel ist, dass die Texte selbstgeschrieben sind. Zitate müssen gekennzeichnet werden. In der Regel werden die Texte vorher geschrieben und dann entweder abgelesen oder im besten Fall auswendig gelernt.

Eine weniger strenge Regel ist, dass es ein Zeitlimit gibt. Teilweise sind es fünf Minuten, teilweise sieben. Bei Slams, bei denen es um keinen besonderen Titel oder Preis geht, ist das Zeitlimit aber nicht ganz so streng und eher so lange es dem Publikum gefällt.

Es gibt natürlich noch die inoffizielle Regel "Respect the Poet", aber die richtet sich natürlich eher an das Publikum. Es geht darum, dass man zwar bewertet, aber jedem Künstler eine gewisse Grundehrung entgegenbringt dafür, dass jemand sich traut auf die Bühne zu gehen und etwas zu präsentieren, das er selbst geschaffen hat.

Zur Person

Sergio Schmidt (22) studiert Germanistik und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, ist im Gemeinderat und macht seit fünf Jahren selbst Poetry Slam. Vor drei Jahren hat er bereits zum ersten Mal einen Poetry Slam moderiert. Er hat auch schon Theater gespielt, macht Freestyle-Rap und interessiert sich für alles, was mit dem gesprochenen Wort zu tun hat.

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