Was der neue Popbeauftragte zur Kritik der IG Subkultur sagt

Bernhard Amelung & Felix Klingel

Die IG-Subkultur hat den Popbeauftragten auf den Weg gebracht – jetzt sind sie mit der Besetzung durch Tilo Buchholz nicht ganz zufrieden. Er bringe keinen frischen Wind mit. Buchholz äußert sich zu den Vorwürfen und spricht über seine Ziele.

Seit vergangenen Mittwoch ist klar: Der 48-jährige Musiker und Ex-Stadtrat Tilo Buchholz soll der neue Popbeauftragte in Freiburg werden. Entschieden hat das die FWTM Freiburg, bei der die Stelle für zwei Jahre angesiedelt ist. Die IG Subkultur, die den Popbeauftragten maßgeblich angestoßen hat, ist allerdings mit der Stelle und der Personalentscheidung nicht hundertprozentig zufrieden.




"Die FWTM stellt die Popmusikkultur und Bandförderung in den Mittelpunkt. Das alleine greift zu kurz. Der Popbeauftragte soll auch die Anliegen der Club- und Soziokultur berücksichtigen, welche sich durchaus auch mit den Bereichen der Tanz- und Theaterszene, der Jugendkultur und des Nachtlebens überschneiden", sagt Jule Landenberger, Pressesprecherin der IG Subkultur. Das alles passe nicht unter den Begriff der Popmusikkultur.

Tilo Buchholz stehe für eine etablierte Szenewirtschaft

Auch die Personalie Tilo Buchholz sieht sie kritisch. "Er war von 2011 bis 2014 Mitglied des Gemeinderats und dort im Kulturausschuss tätig. Wir haben nicht den Eindruck, dass er sich in dieser Zeit auf kommunalpolitischer Ebene für die verschiedenen Kulturszenen eingesetzt hat." Als ehemaliger Vorstand von Multicore und Mitglied von Popfrequenz, zwei Vereine mit Schwerpunkt Bandförderung, stehe er für eine etablierte Szenewirtschaft und nicht für frischen Wind.

Die IG Subkultur will aber auf Buchholz zugehen. "Wir wollen mit ihm einen regen Austausch pflegen und abstimmen, in welchen Bereichen wir zusammen arbeiten können", so Landenberger. Jetzt sei die Stelle besetzt und der Popbeauftragte in der Bringschuld.

Buchholz möchte sich für alle Bereiche einsetzen

Die Kritik der IG Subkultur an seiner Person als Popbeauftragter bezeichnet Tilo Buchholz als "etwas unklug, da sie vor allem der Stelle schadet". Gewisse Vorbehalte könne er jedoch verstehen: "Natürlich hüpfe ich nicht jede Nacht durch die Clubs, die Zeiten sind vorbei". Dennoch schließe er unter populärer Kultur auch alles ein, was nach 23 Uhr in der Stadt passiert – und möchte sich dafür einsetzen.

Ebenso weist er die Kritik zurück, in seiner Zeit als Gemeinderat im Kulturausschuss wenig für die Szene erreicht zu haben. "Ich dränge mich nicht in den Vordergrund, und bei vielen Dingen steht nicht mein Name drauf", so Buchholz. Er verweist etwa darauf, dass die momentanen Räume des Kulturaggregat in der Hildastraße 5 aus einer Veranstaltung zum Thema Zwischennutzung hervorgegangen sei, die er mit angeregt habe. Außerdem sei er ein Gründungsmitglied des Vereins Artik e.V.

Bei der FWTM habe der Popbeauftragte viele Freiheiten

Auch, dass die Stelle bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt ist, sieht er nicht als Problem: "Natürlich ist Kunst, die sich nicht verkaufen lässt, trotzdem förderungswürdig." Außerdem habe er bei der FWTM die größten Freiheiten zu agieren und könne auf die Infrastruktur der Firma zugreifen:

Bernd Dallmann, Geschäftsführer der FWTM, sieht Buchholz bei sich ebenso an der richtigen Stelle: "Wir sind nah an der Kulturszene dran und umsetzungsorientiert", sagt Dallmann. So sei die FWTM der größte Konzertveranstalter in Freiburg. Befürchtungen der IG Subkultur, dass sich der Popbeauftragte hauptsächlich auf Band- und Musikförderung konzentriert, schlägt er aus: "Wir haben jemanden gefunden, der ein großes Spektrum abdecken kann, auch wenn er aus der Musikszene kommt", so Dallmann.

Nicht nur neue Ideen und frischer Wind

Für Tilo Buchholz habe am Ende vor allem seine Erfahrung in der Verwaltungsarbeit gesprochen: "Der Popbeauftragte soll die Szene strukturieren und verwaltungstauglich machen – vor allem, was Zuschussfragen und Raumfragen angeht." Für Dallmann gehe es nicht nur um neue Ideen und frischen Wind, sondern um eine Annäherung der Szene an Strukturen der Verwaltung und Wirtschaft.

Für Tilo Buchholz soll es bereits am 1. Oktober losgehen. In den ersten Monaten seiner Zeit als Popbeauftragter hat er sich einige Ziele gesteckt: "Erst einmal will ich mich in der Szene bekannt machen – und zeigen, dass ich da bin". Mit den verschiedenen Initiativen und Gruppen will er dabei die Probleme in der Freiburger Szene sammeln. "Alleine kann ich diese Stelle nicht machen, da könnte ich sofort wieder hinschmeißen", sagt Buchholz.

Der Popbeauftragte kann sich ein Proberaumhaus vorstellen

Ein weiteres Ziel ist eine Art Proberaumhaus: "Möglicherweise mit Kneipe und Bühne, oder auch mit Geschäften drin", sagt Buchholz. Außerdem will er das Geld, das in seine Stelle fließt, durch Fördermittel wieder reinholen. "Dafür brauche ich aber Projektideen aus der Szene", so Buchholz. Sollte er es schaffen, 25.000 Euro an Fördermitteln einzuholen, "hat sich meine Stelle amortisiert".
Disclosure: In einer vorherigen Version dieses Artikels stand, dass Tilo Buchholz an der Gründung des Kulturaggregats beteiligt war. Dies war falsch wiedergegeben, Buchholz war nur an der Suche nach einer neue Bleibe im Zuge des Grünen Salons zur Zwischennutzung beteiligt.

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