Was der Freiburger Flüchtlingshelfer David Lohmüller in Idomeni erlebte

Gina Kutkat

Vor einem Jahr sagte David Lohmüller seinen Urlaub ab und fuhr ins Flüchtlingslager Idomeni. Aus einer geplanten Woche wurde ein halbes Jahr. Was der Freiburger in Griechenland erlebte und wie die Situation dort aussieht, erzählt er am Freitag in einem Fotovortrag.

"Das war eine richtige Zäsur in meinem Leben." David Lohmüller, Fotograf aus Freiburg, ist mit seinen Gedanken immer noch nicht ganz wieder im Breisgau angekommen. Das vergangene Jahr verbrachte er die meiste Zeit an der griechisch-mazedonischen Grenze im Flüchtlingslager in Idomeni.


Bald jährt sich der Tag, der für die Menschen auf der Flucht alles änderte: Am 9. März 2016 wurde die Balkanroute geschlossen. Tausende Flüchtlinge, die damals schon in der provisorischen Zeltstadt Idomeni warteten, steckten weiter fest. Dass sich ihre Situation nur wenig verbessert hat, möchte David Lohmüller mit seinem Vortrag an der Uni Freiburg erklären.

Mehr als 60.000 Flüchtlinge in Griechenland

"Das Thema ist weiterhin aktuell, verschwindet aber immer mehr von der Bildfläche", sagt der 41-Jährige. Nach wie vor stecken mehr als 60.000 Flüchtlinge in Griechenland fest. Nach der Zwangsräumung Idomenis im Mai 2016, die Lohmüller selbst miterlebte, wurden die Menschen auf das ganze Land verteilt. "Die meisten davon in Militärlager unter zum Teil katastrophalen Lebensbedingungen."

Am Freitag zeigt der Freiburger Fotograf in seinem Vortrag im KGI Fotos, die während seiner Zeit in Idomeni entstanden. Er wird von seinen Erfahrungen sprechen, Geschichten aus Europas größtem Flüchtlingslager erzählen und auf die Schwierigkeiten der humanitären Hilfe vor Ort eingehen. Es soll dennoch kein politischer Vortrag werden: "Es geht mir um die Menschen und ihre Schicksale", so Lohmüller. Eine der zentralen Fragen des Vortrags: Was ist aus den Menschen geworden?

Trailer: Idomeni – Zwischen Not und Hoffnung



Spendenaktion "Lighten Up Idomeni"

David Lohmüller hatte im April 2016 seinen Urlaub abgebrochen, um in Idomeni zu helfen. "Eigentlich wollte ich nur eine Woche bleiben." Es wurde ein halbes Jahr daraus, das er – mit einigen Unterbrechungen – in Griechenland verbrachte. Er leistete Freiwilligenarbeit, verteilte etwa Gemüsepakete und Bananen, baute eine Schule mit auf und koordinierte Kleiderspenden. Nebenbei sammelte er Geld für die Spendenaktion "Lighten Up Idomeni", die dafür sorgte, dass die Geflohenen Licht bekamen.

Mit vielen Familien und Freunden, die er in Idomeni kennenlernte, steht Lohmüller weiterhin in Kontakt und begleitet sie auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft. Zeit zum Durchschnaufen bleibt ihm in Freiburg kaum: "In drei Wochen fahre ich wieder runter", sagt Lohmüller.
David Lohmüller, 41, arbeitet in Freiburg als Fotograf. Über seine Arbeit in Idomeni berichtet er in seinem Blog. Unter dem Namen "Lighten Up Idomeni" sammelt er Geld, um Menschen auf der Flucht durch verschiedene Projekte zu helfen.

Was: Fotovortrag: Idomeni – Zwischen Not und Hoffnung
Wann: Freitag, 17. Februar, 19 Uhr
Wo: Uni Freiburg, KGI, Hörsaal 1010
Eintritt: ab 2,50 Euro, Tickets
Web: David Lohmüller

Facebook: Fotovortrag: Idomeni – Zwischen Not und Hoffnung

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