Interview

Was Bergwachtmitglieder können müssen

Sebastian Wolfrum

Um Menschen aus unwegsamem Gelände zu retten, braucht es viel Ausbildung, Training und Fitness. "Wir brauchen vor allem gute Allrounder" sagt Peter Oster, Ausbilder bei der Bergwacht.

BZ: Wie wird man eigentlich ein Bergwachtler?
Oster: Sobald man beide Prüfungsteile, Sommer und Winter, erfolgreich abgeschlossen hat, heißt man "Mitglied". Die Grundausbildung dauert mindestens zwei Jahre und umfasst 182 Ausbildungseinheiten, wobei die meisten in diesen zwei Jahren wohl eher die doppelte Zeit investieren. Die beiden Prüfungsteile umfassen 15 Fächer – von der Notfallmedizin über Rettungstechniken mit Seil und Gebirgstrage bis hin zu Pistenrettung, Lawinenkunde und Naturschutz. Meistens bestehen nur etwa 60 Prozent der Anwärter die Prüfung im ersten Anlauf. Das zeigt, wie hoch der Anspruch ist. Die Arbeit der Bergwacht ist komplex und manchmal auch gefährlich. Man muss sich hundertprozentig darauf verlassen können, dass alle wirklich fit sind.


BZ: Klingt sehr aufwändig.
Oster: Ja, das ist es. Aber man lernt viele sehr interessante Dinge und profitiert auch für private Touren in Schnee und Fels. Ganz abgesehen davon macht vor allem die praktische Ausbildung draußen einfach richtig viel Spaß.

BZ: Braucht es Voraussetzungen, um der Bergwacht beizutreten?
Oster: Am wichtigsten ist der Spaß am Draußen-sein und an der Arbeit im Team sowie die Bereitschaft, sich langfristig zu engagieren. Sonst lohnt sich die umfangreiche Ausbildung ja nicht. Anwärter kann man ab 16 Jahren werden, als Mitglied wird man frühestens mit 18 Jahren eingesetzt. Man muss fit genug sein für schwieriges Gelände und anstrengende Einsätze – und man sollte Ski fahren können. Dies wird in einem Skitest und demnächst in einem Geländetest geprüft. Aber man muss weder ein Topathlet noch ein Ski-As sein. Wir brauchen vor allem gute Allrounder, die unter Stress den Überblick behalten und gute Teamplayer sind.

BZ: Schafft es die Bergwacht genügend neue Leute zu gewinnen?
Oster: Wir sind wohl eine der wenigen Rettungsorganisationen, die kaum Nachwuchsprobleme hat. Sowohl Jugendliche als auch Erwachsene haben Lust auf die Arbeit. Das liegt wohl an der Mischung aus Herausforderungen, Spaß, Teamerlebnis und dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

BZ: Wie viel Zeit muss man als Aktiver bei der Bergwacht einplanen?
Oster: Die Bandbreite ist da sehr groß. Die meisten Ortsgruppen treffen sich wöchentlich oder 14-tägig für einen Fortbildungsabend. Hinzu kommen Dienste auf Veranstaltungen wie dem Ultrabike-Marathon in Kirchzarten oder jetzt aktuell dem FIS-Weltcup am Feldberg. Im Winter sind es besonders die Liftdienste, für die man Zeit aufwenden muss. Aber das ist immer freiwillig. Die meisten sind wohl so zwischen zwei und zehn Stunden pro Woche für die Bergwacht aktiv. Als Gegenleistung gibt es die Ausbildung und eines der abwechslungsreichsten und herausforderndsten Ehrenämter überhaupt: Es braucht Notfallmedizin, Rettungstechnik, Einsatztaktik, Orientierung im Gelände und Ski fahren. Das ist großartig. Und wenn man einen Patienten gut versorgt, aus einer schwierigen Lage befreit hat und er wohl behalten im Krankenhaus angekommen ist, dann schmeckt das Feierabendbier mit Kollegen besonders gut.
Zur Person

Peter Oster (45), ist Ausbilder für Notfallmedizin und Technik der Ortsgruppe Hinterzarten-Breitnau sowie Rettungsassistent. Im "normalen Leben" ist er Betreiber der "Rinkenklause Teamwerkstatt" am Feldberg.

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