Warum Veganer keine Angst vor Nährstoffmangel haben müssen

Tatjana Brenner

Pferdefleisch in der Tiefkühllasagne, gefälschte Bio-Eier und Käse aus Plastik. Für den Freiburger Uwe Blusch ist das Werbung für die Lebensweise als Vegetarier oder Veganer. Er sagt: "Durch Lebensmittelskandale wird der Trend zum Selbstläufer." Blusch leitet die Freiburger Regionalgruppe des deutschen Vegetarierbunds. Warum Veganer keine Angst vor Nährstoffmangel oder körperlichen Leistungseinbußen haben müssen:

Auf Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist Uwe Blusch schlecht zu sprechen. Denn in seiner Amtsantrittsrede vor zwei Jahren hat Rösler erklärt, dass er sich vom Bremer Veggiday in seiner Freiheit eingeschränkt fühle. Ein Tag, an dem den Bürgern vorgeschrieben werden soll, was sie essen können. Ein Tag ohne Fleisch – unerhört!


Immer mehr Menschen machen aber genau das: Sie verzichten. Nicht nur auf Fleisch. Veganer streichen auch Milch, Eier und sonstige Tierprodukte von ihrem Speiseplan. Uwe Blusch leitet die Freiburger Regionalgruppe des deutschen Vegetarierbunds (Vebu). Mehr als 30, manchmal sogar 50 Besucher begrüßt er mittlerweile bei den Treffen in der „Vegetage“. Dort findet am ersten Dienstag eines jeden Monats der Veggie-Stammtisch für Veganer und Vegetarier statt, der durch Vorträge über Themen wie Tofu, veganes Eis oder Tierversuche ergänzt wird.

Der Vebu Deutschland hat über 7000 Mitglieder, eine konkrete Zahl für Freiburg existiert nicht. „Vegetarier und Veganer sind eher nicht so in Vereinen organisiert“, begründet Blusch. Etwa 700000 Menschen in Deutschland ernähren sich schätzungsweise vegan, und es werden immer mehr – vegan ist in, vegan kommt an.  Der Grund? „Durch Werbung und Marketing sowie durch Lebensmittelskandale wird der Trend praktisch zum Selbstläufer“, sagt Blusch.

Sich vegan ernähren kann jeder, aber man solle sich umfassend informieren, gibt Roman Huber zu bedenken,  Facharzt für Gastroenterologie und Leiter des Unizentrums Naturheilkunde. Zudem sei die vegane Kost nicht für alle ideal: Untergewichtigen, Schwangeren und Stillenden, Kindern und Krebspatienten rät Roman Huber vom Veganismus ab.



Patienten mit Rheuma, anderen Autoimmun- und degenerativen Erkrankungen verspüren dagegen oft Besserung, wenn sie auf tierische Produkte verzichten. Grund dafür ist die Arachidonsäure. Sie kommt im tierischen Organismus vor und  kann Entzündungen aktivieren. „Wenn Rheumapatienten auf diese Fettsäure verzichten, fühlen sie sich oft besser“, sagt Huber. Aber was ist mit dem Proteinmangel? „Natürlich nehmen Veganer weniger Protein auf als jemand, der Fleisch isst“, sagt Huber.  Und trotzdem reicht die Menge aus: In Nüssen, Soja und anderen Hülsenfrüchten steckt ausreichend pflanzliches Eiweiß.

Calciummangel und brüchige Knochen, wenn die Milchprodukte fehlen? Dass das zwangsläufig eintritt, sei nicht nachgewiesen, erklärt Huber:  „Außerdem ist das Thema Osteoporose viel komplexer und es sind andere Faktoren wichtig, beispielsweise die Versorgung mit Vitamin D.“ Den Vitamin-B12-Spiegel sollten Veganer allerdings ein- bis zweimal jährlich checken lassen. Wer sich schlapp fühlt, sollte mal einen Blick auf die Eisenwerte werfen lassen, sagt Huber.

Abgesehen davon sei die Zufuhr aller anderen Stoffe gut, sogar besser als bei Fleischessern, und Leistungseinbußen müsse niemand fürchten, wenn er sich ausgewogen ernährt. Das zeigt der härteste Triathlon der Welt: Beim Ironman auf Hawaii laufen nämlich Veganer mit.

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