Warum Piddy aus Freiburg YouTube-Videos von Zeichnungen von YouTube-Stars macht

Marius Notter

Piddy aus Freiburg ist 20 und zeichnet vor laufender Kamera YouTube-Stars wie Dagi Bee und Herr Tutorial. Atelierbesuch im Jugendzimmer eines YouTube-Künstlers:



Das Zeitraffer-Video auf YouTube zeigt ein weißen Blatt Papier. Und zwei Hände, die darauf mit verschiedenen Filzstiften und ein wenig Graphit ein Gesicht entstehen lassen. Nach 30 Sekunden ist klar, wessen Porträt da gezeichnet wird, während Casey Abrams “Simple Life” als Hintergrundmusik läuft: Es ist Sami Slimane, besser bekannt als “Herr Tutorial”, Deutschlands größter YouTube-Promi.



Entstanden ist das Video am Schreibtisch eines Jugendzimmers im Freiburger Westen. “Meine Motive sind große YouTuber”, sagt der Zeichner, der das Video gemacht hat. Der 20-jährige in Skinny-Jeans, Tank-Tops und Mütze will nur Piddy genannt werden, seinen echten Namen verrät er nicht, auch auf YouTube zeigt er sein Gesicht nicht.

Dicht an dicht hängen schwarz-weiß Zeichnungen auf DIN A4-Hartpapier an den Wändern seines Zimmers: Cro, Casper, die Gorillaz, Jared Leto und auch Herr Tutorial und seinen Schwestern. “Ich zeichne gerne Promis”, sagt Piddy über seine Motivwahl. “Die Leute sehen das gerne.”



Erst zehn Zeichen-Videos hat der Freiburger in seinen YouTube-Kanal “Piddyart”hochgeladen. Ohne Erklärung, ohne Anleitung zeigen sie schlicht den Entstehungsprozess jeweils eines Bildes aus der Sichtposition des Zeichnenden, auf drei bis sieben Minuten reduziert. Gefilmt, ganz schlicht, mit einer herkömmlichen digitalen Fotokamera und mit Old-School-HipHop oder Dancefloor-Tracks unterlegt.

Rund 2.700 Abonnenten hat der YouTube-Kanal von Piddy bisher, seine erfolgreichsten Videos, wie das von Herrn Tutorial, wurden bereits rund 20.000 Mal angeschaut. Das macht Piddy, der schon seit zehn Jahren zeichnet, sichtlich stolz: “Dass das jetzt auf YouTube so ein bisschen Erfolg hat ist schön, war aber nicht meine Absicht. Ich zeichne jedoch immer noch für mich selbst.”

Seine Inspirationen holt sich Piddy bei einem Kaffee im Starbucks auf der KaJo. Fällt ihm ein neues Motiv ein, sucht er über die Google Bildersuche auf dem Smartphone nach einer passenden Vorlage. Dann geht es nach Hause und an den Schreibtisch. Er selbst sei “der Typ, der heimkommt, sich einen Edding schnappt und sofort loslegt".

Sein Zeichenwerkzeug ist recht übersichtlich: “Ich benutze verschiedene Sorten von Eddings, angefangen von 850, der ja schon recht dick, bis hin zum 1800”, sagt Piddy. “Der 850er Edding ist sehr breit, mit dem kann man sehr gut in kurzer Zeit Flächen decken, der 1800 ist dünn wie ein Stabilo. Für Augen, Wimpern und Mundpartien.” Sein Laden des Vertrauens ist ein Bastellladen in der Innenstadt. Für Kohle und Graphit fährt er einmal im Quartal nach Zürich um sich dort in einem Spezialgeschäft einzudecken.

Am liebsten würde Piddy das Zeichnen zum Beruf machen. Bisher hat er sich zwar mehrmals für ein Maskenbildner-Studium beworben, doch der Besuch einer Kunstschule wäre sein Traum. Seine Hoffnung: “Meine Videos könnten den Leuten zeigen wie ich wirklich male. Eine Mappe einschicken ist so dumpf”, sagt er. “Vielleicht werde ich mit den Videos eher an einer Kunstschule genommen."



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