Warum Oli Raths Skandalfotos im Kunstunterricht am Kreisgymnasium Bad Krozingen drankamen

Sara Feickert

Promis, Drogen, Genitalien - das sind die Lieblingsmotive von Fotograf Oliver Rath. Am Kreisgymnasium Bad Krozingen wurden die Skandalfotos des Ex-Freiburgers im Kunstunterricht durchgenommen. Warum Kunstlehrerin Maike Achhammer Rath zum Thema gemacht hat und wie die Schülerinnen und Schüler reagiert haben:





Auf Fotos von Oliver Rath geht es oft um Sex und/oder Drogen. Es wird gekokst, Extasy konsumiert, gevögelt und viel nackte Haut gezeigt. Wie reagieren 16- bis 18-jährige Schüler im Kunstunterricht darauf?

Maike Achhammer (Bild rechts): Ganz unterschiedlich. Manche von ihnen haben gelacht - weil sie abgestumpft sind oder die Bilder kennen -, andere haben schockiert reagiert oder waren peinlich berührt. Es gab keine einheitliche Reaktion, weil die Schüler ganz unterschiedlich weit sind. Manche können gut mit Bildern umgehen, auf denen Drogen und Sexszenen zu sehen sind, andere nicht.

Wie kamen Sie auf die Idee, ihn an der Schule zu unterrichten?

Ich kenne Oliver Rath schon aus seiner Zeit als DJ. Als er dann angefangen hat zu fotografieren, fand ich hauptsächlich seine Scharz-Weiß-Arbeiten spannend - vor allem die Skater und die nackten Frauen.

Rath ist als Künstler auch regional verankert und verkörpert deshalb etwas, das nicht meilenweit von den Schülern entfernt ist. Er ist jemand, der sich durch das Bloggen vermarktet hat – was ja auch zur Kunst dazugehört. Das Internet spielt ja eine große Rolle im Leben der Schüler, und deshalb ist es für sie interessant zu sehen, wie Kunst sich dort einen Raum schafft.

Hatten Sie keine Bedenken, den Schülern Olli Raths provokante Fotos vorzulegen?

Nein. Erst nachdem ich die Schüler eigenständig auf die Website losgelassen habe. Viele Schüler haben da Bilder gefunden, bei denen ich mir schon überlegt habe, ob es gut ist, dass sie so was sehen – ob ich nicht eher eine Vorauswahl hätte treffen sollen. Wobei ich ungern vorwegnehme was die Schüler sehen dürfen und was nicht.

Und die Eltern?

Die Eltern haben nichts gesagt. Ich hatte das Thema als solches nicht angekündigt, bekam aber auch im Laufe der Unterrichtseinheit keine Beschwerden. Hätte es Beschwerden gegeben, hätte ich natürlich mit den Eltern geredet. Ich denke aber, in der Kunst ist vieles erlaubt. Deshalb hat man da schon eine Art Freischein für provokantere Themen.

Warum ist es für Jugendliche wichtig, sich mit provokanter Kunst auseinanderzusetzen?

Ich finde es Schade, dass ich gar nicht mehr einschätzen kann, was die Schüler wirklich schockiert. Es ist fast unmöglich zu wissen, was die Schüler schon kennen, da sie im Internet auf alles Zugriff haben. Da habe ich auch schon gehört: "Ach, das kenne ich schon, das ist doch jetzt nichts Provozierendes." Ich habe die Hoffnung, dass die Schüler anfangen, mehr über die Dinge nachzudenken, die sie sich ständig anschauen. Dass sie reflektierter, geschulter mit der Kunst umgehen und realisieren, wie etwas provoziert und warum.

Was war das Lernziel?

Am wichtigsten war es mir, die Lust auf Kunst zu wecken. Nicht immer nur alte Sachen zu zeigen, sondern die Schüler mit frischen Themen zu überraschen. Auch einfach etwas gegen den Gedanken zu tun, Kunst in der Schule sei langweilig. Die Hauptsache war aber natürlich die Fotografie an sich. Im Anschluss durften die Schülerinnen und Schüler dann ein eigenes Fotoprojekt machen.

Wie ist es eigentlich, mit jemandem befreundet zu sein, der sich selbst auf jedem zweiten Foto nackt abbildet?

Ich hab damit kein Problem. Er war früher schon immer so. Ist halt der Olli.

Mehr dazu:

[Bild 1: Oliver Rath, Bild 2: Privat]