Pfandbecher

Warum nutzen noch zu wenige Freiburger den Freiburg-Cup?

Simone Höhl

Das fragt sich die Freiburger Abfallwirtschaft und will den Becher jetzt attraktiver machen: Das Beige muss weg – und ein Student wird zum Berater für alle Freiburger Cup-Läden.

Das Pappbecher-Problem treibt nicht nur Freiburg um. Im Kampf gegen den Müll tüftelt Stuttgart seit einem Jahr an einem Pfandsystem für To-go-Becher und will in einem weiteren Jahr starten. Esslingen hat einen "Stadtbecher" eingeführt, Vorbild war der Freiburg-Cup. Unterschied: Um nicht auch einen starken Becherschwund durch Souvenirjäger und andere Sammler zu erleiden, verlangen die Schwaben doppelt so viel Pfand. Freiburg zieht nicht nach.


Bei zwei Euro wäre die Hemmschwelle zu groß, einen Kaffee im Mehrwegbecher mitzunehmen, meint Michael Broglin von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). Der Cup ist weit entfernt davon, massig genutzt zu werden. Freiburg führte als erste deutsche Großstadt den Pfandbecher für Mitnehmkaffee ein, was vor anderthalb Jahren auf großes Medienecho stieß. Städte wie Köln und Barcelona fragten an. Seit es modern ist, unterwegs zu konsumieren, sind die Verpackungen ein Riesenproblem. Die ASF schätzt, dass allein in Freiburg jährlich zwölf Millionen Wegwerfbecher anfallen.

In 108 Freiburger Lokalen und Bäckereien gibt es den Becher schon

Die schlechte Rücklaufquote scheint passé. "Das funktioniert eigentlich, wir mussten nicht mehr groß Becher nachliefern", sagt Broglin. 26 000 Cups mit Freiburg-Motiv gab es zuletzt. Käufer bekommen ihn in 108 Cafés und Backfilialen im und um das Zentrum für ein Euro Pfand und können ihn bei allen wieder abgeben. Dabei sind auch Studierendenwerk und Uniklinik, aber nicht die großen Filialisten.

Im ersten Jahr standen die Cups vor allem in Regalen von Cafés, Büros und Touristen. Mehr Umlauf würde ihre Ökobilanz verbessern. Ein Team der Uni hatte festgestellt, dass er nicht viel besser ist als ein Pappbecher, weil er noch nicht oft benutzt wird und einen Wegwerfdeckel hat – der Hygiene wegen.

Die ASF engagierte einen Berater und feilt weiter am System. Das Neueste: Ein Student klappert alle Läden ab, fragt nach Problemen und brieft die Theker. Das konnte die ASF nicht leisten, sagt Broglin, der schneller auf Rückmeldungen reagieren will. Eine erste gilt dem Beige. Die ASF prüft, ob der süddeutsche Markt inzwischen eine bessere Farbe bietet. "Einen Becher aus Hamburg finde ich ökologisch nicht sinnvoll."

Der Cup wird auch als Souvenir benutzt

Zudem übersetzt sie die Homepage, weil so viele Anfragen aus dem Ausland kommen. Zufrieden ist Broglin noch nicht mit dem Cup – aber damit, dass er Rückenwind durch die Debatte um Kunststoffe erhalte, und dass es Nachahmer gebe. Freiburg sei Ideengeber zum Beispiel für München, Heilbronn und Hannover. Der "Hannoccino" kostet auch zwei Euro Pfand.

Esslingen kann noch nicht sagen, ob das höhere Pfand den Rücklauf erhöht. Aber was Katja Walther vom Stadtplanungsamt nach gut zwei Monaten "Stadtbecher" berichtet: Inzwischen nehmen 50 Läden teil und es gibt erste Rückmeldungen – "immer dieser Deckel", nennt sie als Beispiel. Der Becher ist auch beige, aber flächiger bedruckt und kommt wohl gut an. "Wir haben eher die Sorge, dass er deswegen nicht zurückkommt." Und er ist auch schon Souvenir: In der Umweltbildung werden Becher an Austauschklassen ausgegeben, die sie eher mit nach Irland nehmen als wieder abzugeben.

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