Warum heißt das Bobbele Bobbele?

Johanna Schoener

Wer ins Bächle neidappt muss einen waschechten Freiburger, ein Freiburger Bobbele, heiraten. Diesen Spruch kennt jeder, der sich länger als ein paar Stunden in Freiburg aufhält. Das Freiburger Bobbele ist bekannt: Rund 36.000 Treffer erzielt man bei Google, wenn man die Begriffe "Freiburg" und "Bobbele" eingibt. Aber woher stammt die Bezeichnung für gebürtige Freiburger? Johanna hat sich auf Spurensuche begeben und ist auf viele interessante Theorien gestoßen.



Woher kommt das Bobbele? Eine erste Umfrage unter Verkäufern und Kunden auf dem Münstermarkt brachte kein Ergebnis, nur allseitige Verblüffung über die Frage. Dass das Bobbele Bobbele heißt, scheint für die Freiburger mindestens so selbstverständlich zu sein, wie die Münsterwurst nach dem Marktbesuch. Kreativer war der Australier Chris, der das Bobbele für eine Lautmalerei der murmelnden Bächle hält: “Die machen doch immer so boabbelboabbelboabbel.”“Man weiß nicht, woher das Bobbele kommt”, sagt Peter Kalchthaler, Leiter des Museums für Stadtgeschichte. Eine Theorie sei, dass es auf Franz Joseph Bob zurückgehe. Bob war der erste Rektor der geregelten Volksschule, die 1773 in Freiburg eingeführt wurde. Den ältesten schriftlichen Beleg des Wortes findet man 1909 im “Breisgauer Volksspiegel” von Johann Philipp Glock. In einem Sprichwort aus dem Markgräflerland heißt es dort: “Öchsli, zieh un lauf in dr Fuhre, suscht chummsch uff Friiburg in d’Stadt, no müen die d’Bobbeli frässe.” “Dass die Verniedlichungsform Bobbeli inzwischen auf -le endet, weist auf den schwäbischen Einschlag hin, der die Endung -li gen Süden verdrängt hat”, so Rudolf Post, der an der Uni Freiburg den Arbeitsbereich Badisches Wörterbuch der Germanistik leitet. “Es handelt sich bei dem Wort vermutlich um eine Verzärtelung, die auf Puppe zurückgeht, aber das Bedeutungsspektrum ist sehr weit”, erklärt er.




Recht hat er. Im ersten Band des Badischen Wörterbuchesvon 1925 ist das Bobbele noch unter Poppele aufgeführt und bedeutet kindischer Mensch, geistig Beschränkter oder gebrechlicher gutmütiger Alter. Es ist zu lesen, dass das Poppele schon damals als Bezeichung für die Freiburger bekannt war und sich in andere Städte der Region verbreitet hat. Geläufig war insbesondere das Boppi oder Böppi in Basel, aber auch ein Stadtpoppele in Emmendingen im Unterschied zum Poppele aus der dortigen Heilanstalt Teningen. Neben der Poppe, die schlicht die heutige Puppe bezeichnet, findet man in dem Wörterbuch auch noch das Poppel oder bobbl. Von Idiot über Langweiler bis hin zum einfältigen Menschen oder ungeschickten Kind reichen die Erklärungen. Da macht die an die Ochsen gerichtete markgräflerische Drohung plötzlich Sinn. Ein Trost: das Poppel kann auch Schatz bedeuten.

Eins ist klar. Das Bobbele taucht variantenreich an unterschiedlichen Orten im alemannischen Sprachraum auf, eine einzig wahre Bedeutung gibt es nicht. Was wohl die wenigsten Freiburger wissen: Es gab sogar mal eine Bobbilisburg, wo heute das Faulerbad ist. Sie wurde von närrischen Truppen gestürmt und wie es im Freiburger ABC von Anton Müller heißt, “total zusammengeballert”. Da sie aus Pappmasché bestand und für die Fasnacht 1929 errichtet wurde, war der Verlust nicht allzu groß.

Übrigens gibt es zuweilen auch verschiedene Meinungen darüber, wer sich Bobbele nennen darf. Hardliner vertreten die These, dass ein echtes Bobbele im Elisabethkrankenhaus geboren sein muss und gebürtige Freiburger als Eltern hat. Kalchthaler hält das für Quatsch, denn das Krankenhaus gab es nur von 1928 bis 2002, was den Kreis der Bobbeles stark einschränken würde (Gegenbeispiel: auch Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker aus dem nordbadischen Leimen wurde als "Bobbele" tituliert). “Bei all diesen Ortsnamen wie auch beim Konstanzer Seehasen, gibt es einfach welche, die sich für die Besseren halten”, glaubt Kalchthaler. Zudem widersprechen der Theorie ja auch die schriftlichen Belege aus dem Badischen Wörterbuch. Die Frage nach dem Bobbele sein oder nicht sein, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden - ebenso verhält es sich mit der Wahl zwischen den verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten des Wortes. Was tun also? Bobbele trinken noch ä Schoppele.