Warum Gaby Oeftering findet, dass Freiburg eine Lokalgruppe der Studierendenorganisation "Enactus" braucht

Euch

Du hast eine Studiums-Sinnkrise? Gabi Oeftering aus Hochdorf - selbst schon eine Weile keine Studierende mehr - hat eine Empfehlung für dich. Die Studierendenorganisation Enactus. Worum's dabei geht, und warum Freiburg eine Lokalgruppe braucht, erklärt Gaby im "Ihr"-Blog:





Allen Studierenden, die unter einer Studiums-Sinnkrise leiden, kann eine weltweite Organisation empfohlen werden: Enactus. Sie wurde 1975 in den Vereinigten Staaten unter dem Namen SIFE (Students in Free Enterprise) gegründet und hat mittlerweile 62 000 Mitglieder an 1600 Hochschulen in 36 Ländern rund um den Globus. Sie ist die derzeit größte Studierendenorganisation weltweit und wurde im September 2012 umbenannt in Enactus.


Der neue Name steht für die drei grundlegenden Prinzipien dieser Organisation:
  • Entrepreneurial: unternehmerischer Geist im positiven Sinne leitet das Lernen, das Handeln, und den Einsatz der teilnehmenden Studierenden.
  • Action: die Mitglieder gestalten und realisieren aktiv Ideen und möchten die Welt positiv verändern.
  • Us: Die Basis der weltweiten Organisation ist die Gemeinsamkeit im Denken und Handeln, um die Lebensbedingungen von Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern.
Mit Sinn fürs Geschäft anderen Menschen, die benachteiligt, behindert oder ausgeschlossen sind, helfen, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen, ihnen eine Lebensperspektive zu geben - das ist das Ziel hinter den sozialunternehmerischen Projekten. Das heißt in der Praxis, dass interessierte Studierende aller Fachrichtungen und Semester sich zusammenschließen, soziale oder ökologische Projekte erfinden, organisieren, vor Ort oder weltweit realisieren, sie zu einem Selbstläufer werden lassen, der Geld abwirft und der Zielgruppe hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Nachhaltigkeit ist das große Schlagwort dabei und Hilfe zur Selbsthilfe, auf dass sich die Enactus-Teams nach erfolgreichem Wissenstransfert aus der Projektgestaltung herausnehmen können.

Angehäuftes Wissen und im Studium erworbene Kompetenzen können Studierende direkt austesten und anwenden zum Wohle vieler, die Hilfe benötigen. Den Hauptanteil unter den Mitgliedern machen BWL-Studierende aus, aber gerade die Ideenvielfalt und der unterschiedliche Blick verschiedener Fachrichtungen auf das Projekt trägt zum Gelingen der Projekte bei. Seit 2003 ist Enactus als gemeinnütziger Verein auch in Deutschland an mittlerweile 41 Hochschulen vertreten.

Enactus ist politisch und konfessionell neutral. Unterstützt wird die Vereinigung durch 30 Unternehmen, darunter DAX-Unternehmen wie Bayer und Siemens, aber auch durch Mittelständler wie Promerit und Parker Hannifin. Auch im Kleinen wird Enactus unterstützt durch interessierte Firmen und Einzelpersonen. Die Förderunternehmen von Enactus finanzieren die Tätigkeit in Deutschland, und Mitarbeiter aus den Firmen unterstützen als Coaches die Teams und deren Arbeit in den Projekten.

Da Wettbewerb ein unternehmerisches Prinzip ist, gibt es ihn auch im Enactus-Netzwerk. Es gibt regionale Vorentscheide, deren Gewinner am Landeswettbewerb teilnehmen. Die Präsentation erfolgt nach den international relevanten Vorgaben: auf Englisch und in nur 17 Minuten. Das Siegerteam des Landeswettbewerbs vertritt Deutschland beim jährlich stattfindenden Enactus World Cup an wechselnden Orten in der Welt, dieses Jahr in Cancún/Mexiko. Die gute Nachricht ist, dass Deutschland mit dem Enactus Team der Technischen Universität München World Cup Champion geworden ist. Nach 2011, als das Team der Universität Regensburg den Titel in Kuala Lumpur davon trug, hat Deutschland nun das zweite Mal den Enactus World Cup gewonnen.

Deutschland trat in Cancún im Finale gegen Großbritannien, Puerto Rico und Nigeria an und das vor einer mit 400 internationalen Unternehmensvertretern besetzten Jury. Wer die Nerven für einen solchen Auftritt hat, der muss sich vor einer Präsentation im Unternehmen nicht mehr fürchten.



Um die Arbeit eines Enactus Teams zu verdeutlichen, seien hier einige Projekte vorgestellt:

  • Das Münchner Team hat die Jury überzeugt mit seinem Projekt der "EinDollarBrille". Bei ca. 150 Millionen Menschen weltweit, die aufgrund ihrer Sehschwäche nicht arbeiten und lernen können, ist es ein unglaublicher Fortschritt, diesen Menschen (und selbst die Ärmsten können einen Dollar irgendwann aufbringen) eine Brille zu ermöglichen. Die zur Herstellung nötige Biegevorrichtung hat ein deutscher Lehrer, Martin Aufmuth, erfunden, der den Verein EinDollarBrille e.V. gründete, mit dem das Projekt in enger Zusammenarbeit durchgeführt wurde.

    In Burkina Faso, Ruanda und Bolivien haben die Studierenden Menschen den Umgang mit diesen Maschinen beigebracht, so dass sie als Mikrooptiker selbstständig Brillen herstellen und auch anpassen können. Das bedeutet Arbeitsplätze und Kleinunternehmen einerseits und andererseits Hilfe für Schulkinder und Erwachsene, die mit einer EinDollarBrille wieder gut sehen können.
    Enactus München: EinDollarBrille

  • Das zweite Münchner Projekt welches auf dem World Cup präsentiert wurde, ist "Beeconomy". Bei diesem Projekt haben die Münchner Studierenden Bienenbauern in Burkina Faso die Funktionsweise und den Sinn von Krediten mit dem von ihnen entwickelten Spiel „Beeconomy“, vermittelt. Das Spiel basiert auf Piktogrammen, so dass selbst Menschen ohne Lese- und Schreibkenntnisse den Inhalt verstehen können. Enactus München: Beeconomy
Alle Präsentationen des World Cup Finales können auf der Enactus World Cup-Website angeschaut werden; dabei wird sehr viel von der Atmosphäre und der Leistung der jeweiligen Teams deutlich. Die Liste außergewöhnlicher Projekte könnte beliebig weitergeführt werden und auch wenn die zwei präsentierten Projekte der TU München im Ausland stattfinden, nahezu alle Projekte finden in Deutschland statt. Was junge Menschen auf der ganzen Welt vollbringen, um diese Welt zu verbessern, welchen Einsatz sie bringen und welche Kreativität sie entwickeln to make the world a better place ist zutiefst beeindruckend und berührend.

Wenn Ihr Euch vorstellen könnt, ein Enactus Team zu gründen, um in Freiburg oder der Region sozialunternehmerisch aktiv zu werden und damit Menschen in Not zu helfen, Teil dieses sozialen, weltweiten Netzwerks zu werden, Verbindungen zu gleichgesinnten Studierenden in Deutschland und der Welt aufzunehmen, dann wendet Euch unverbindlich an info@enactus.de

Mehr über Enactus:
Die Autorin


Gaby Mardshana Oeftering
schreibt über sich selbst:

"Seit einer meiner Söhne vor Jahren beim Enactus World Cup im Finale war und ich den ganzen Wirkungsgrad und Hintergrund dieser weltweiten Studentenorganisation mitbekommen habe, bin ich erklärter Enactus-Fan. Seit damals verfolge ich die Aktionen im Netz und schaue mir jedes Jahr den World Cup per Livestream an. Falls irgend jemand den Glauben an das Gute im Menschen verloren hat, soll er sich hier einmal kundig machen.

Dass Tausende von Studierenden weltweit Inspiration, Zeit und Energie monate- und jahrelang in soziale Projekte investieren to make the world a better place ist einfach faszinierend. Eine Enactus Gruppe für Freiburg wär mein Traum."'

Ihr Sohn Thomas arbeitet mittlerweile für Enactus.

 

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