Warum es sich lohnt, nächste Woche ins Theater zu gehen

Dora Volke

Was ist ein Mensch wert? Vier Theatertruppen aus Indien, Rumänien, Burkina Faso und Deutschland beschäftigen sich nächste Woche im "Human Trade Network" mit Menschenhandel und Ausbeutung. Wir stellen das Programm kurz vor.

Wie viele Menschen weltweit von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung betroffen sind, weiß man nicht. Was man weiß: Jeder einzelne ist einer zu viel. Täglich werden Frauen in Indien als Sexarbeiterinnen verkauft. Osteuropäer werden in Fabriken hier in Deutschland schlechter bezahlt als andere.


Vier Theatertruppen aus Bangalore, Ouagadougou, Bukarest/Sibiu und Freiburg treffen sich nächste Woche im Freiburger Theater, um gemeinsam als "Human Trade Network" Geschichten zu erzählen, Ursachen und Folgen von Menschenhandel zu diskutieren und Lösungen zu suchen. Alle Theaterstücke werden umrahmt von Diskussionen und Expertengesprächen. Auch die Freiburger Gruppe von Amnesty International ist am Projekt beteiligt und zeigt eine Ausstellung.

Das Programm des Human Trade Networks in der Übersicht:


Eröffnungsstück "#supernova"

Die Eröffnung am Mittwoch macht das Stück "#supernova": Ein Junge aus Nordindien wird in Dubai verkauft und wird mit seiner Online-Präsenz #supernova als Sexdienstleister bekannt. Die indischen Theatermacher Abhishek Majumdar und Rahul Rai zeigen eine Welt, in der alles, wirklich alles, per Mausklick erhältlich ist. Auf Hindi, mit englischen und deutschen Übertiteln.

Aus Burkina Faso: "Adjugé!"

Am Donnerstag folgt die Tragödie "Adjugé!" aus Burkina Faso. Sie erzählt die Geschichte einer Familie, die unter Geldsorgen leidet, bis eines der Kinder auf dem Weg in Richtung Westen in der Hoffnung auf ein besseres Leben umkommt und die jüngeren Geschwister als versklavte Arbeiter enden. In diesem Stück von Ildevert Meda und Luca Fusi geht es weniger um Flucht als eher um Kinderarbeit und das Schicksal einer Familie. Auf Französisch, mit englischen und deutschen Übertiteln.

Am Freitag: "For Sale" – eine deutsche Produktion

Ein junger Deutscher kehrt an seinen Geburtsort in Rumänien zurück, um von seiner biologischen Mutter den Preis seiner Adoption zu erfahren. In Norddeutschland arbeitet ein Bukarester Studentenpaar in einer Schlachterei und verdient einen Bruchteil der deutschen Kollegen, aber mehr als die moldawische Mutter neben ihnen am Fließband. "For Sale" ist der deutsche Beitrag von Clemens Bechtel zum "Human Trade Network" am Freitag und zeigt Geschichten wie diese, in denen Angebot auf Nachfrage trifft und der Mensch zur Ware wird. Deutsch mit englischen Übertiteln.

Aus Rumänien: "Sprechen Sie Schweigen?"

"Sprechen Sie Schweigen?" – diese Frage stellt Gianina Cărbunariu in ihrer rumänischen Produktion am Samstag. Die Regisseurin erkundet in ihrem Stück den Schweigeapparet, der die Ausbeutung von Arbeitskräften in Europa schützt. Es ist ein Spiel mit Identitäten und Perspektiven, manchmal grausam und brutal, bisweilen in seiner Absurdität aber auch amüsant. Auf Rumänisch und Deutsch mit englischen Übertiteln.
Das Programm im Überblick
  • Mittwoch, 21. Juni: #supernova (Indien), 19 Uhr, Kleines Haus
  • Donnerstag, 22. Juni: Adjugé! (Burkina Faso), 19 Uhr, Kleines Haus
  • Freitag, 23. Juni: For Sale (Deutschland), 19 Uhr, Werkraum
  • Samstag, 24. Juni: Sprechen Sie Schweigen? (Rumänien), 19 Uhr, Kleines Haus
Die Vorführungen finden teilweise in der Landessprache statt. Dann gibt es deutsche und englische Übertitel. Mehr Informationen auf der Website des Human Trade Network.