Dreisam

Warum ein Schwede unter einer Freiburger Brücke Saxophon übt

Gina Kutkat

Jeden Tag steht ein schwedischer Musiker unter einer lärmenden Autobrücke an der Dreisam und spielt Saxophon – mit dem Gesicht zur Wand. Warum dieser ungewöhnliche Ort?

Wer flussabwärts zu Fuß oder mit dem Fahrrad an der Dreisam in Freiburg unterwegs ist, kann zurzeit täglich Tonleitern hören, die von einem Saxophon stammen. Johan aus Schweden steht unter der Brücke und übt auf seinem Instrument. Mit dem Gesicht in Richtung des Betonpfeilers spielt er auf seinem Saxophon, in seinem Rücken rast der Verkehr der B31 A vorbei. Oben auf der Brücke befahren Autos die Berliner Allee.




Es ist sehr laut und sehr dunkel unter der Brücke – genau das macht den Ort zu einem idealen Übungsplatz für den schwedischen Musiker: "Ich möchte niemanden stören, wenn ich übe, deswegen stelle ich mich gerne hierhin." Einen Übungsraum und eine eigene Wohnung hat Johan, der vor sechs Monaten aus Malmö nach Freiburg kam, nicht. Deswegen entschied er sich für das Open-Air-Musikzimmer.

Seine Sessions an der Dreisam dauern ein bis zwei Stunden

"Am Anfang stand ich noch auf der Seite, auf der die Fahrradfahrer fahren, aber da kamen mir zu viele Leute vorbei", sagt Johan. Er wechselte auf die andere Seite des Flusses, um ungestört zu sein. Nur ein kleinerer Weg führt nun an ihm vorbei, der überwiegend von Joggern und Hundebesitzern genutzt wird. Vereinzelt bleiben sie stehen und gucken, aber die meisten ziehen weiter.

Seit 20 Jahren spielt Johan schon Saxophon, in Schweden ist er Berufsmusiker. Seine täglichen Sessions an der Dreisam dauern eine bis zwei Stunden. "Ich mache nicht wirklich Musik, ich übe nur." Dass er sich in Richtung der Betonwand stellt, hat mit der Akustik zu tun. "Die Wand reflektiert den Sound viel besser", so Johan.

Für seine Zukunft in Freiburg wünscht er sich ein Engagement als Musiker und eine eigene Wohnung. Solange er beides nicht hat, ist er in seinem Musikzimmer an der Dreisam zu finden.

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