Warum die Freiburger Jusos gegen Jürgen Todenhöfer protestieren

Marius Buhl

Eine Mitarbeiterin des Uniradios EchoFM bettelte um ein Interview, ein Gastwirt bot ihm gar eine Nacht umsonst an: Am Donnerstagabend kommt der Freiburger Jürgen Todenhöfer für eine Lesung zurück in seine Heimat. Die Juso Hochschulgruppe protestiert dagegen, Matthias Dalig hat fudder-Redakteur Marius Buhl erklärt warum:



Auf Facebook feierten dutzende Freiburger Jürgen Todenhöfers Ankündigung, nun endlich auch hier, in seiner alten Heimat, aus seinem Buch "Inside IS" zu lesen. Heute Abend ist es soweit. Ihr als Juso-Hochschulgruppe habt einen Brief gegen die Veranstaltung veröffentlicht. Warum?

Dalig: Jürgen Todenhöfer ist für uns aus mehreren Gründen eine problematische öffentliche Figur. Erstens stoßen wir uns an der Art, wie er vermeintlichen Journalismus macht, nämlich ausschließlich über Emotionen. Seine einziges Argument ist immer, dass er eben dagewesen ist. Auf der anderen Seite sind seine Analysen und Berichte komplett einseitig. Das zeigt sich zum Beispiel im Konflikt zwischen Israel und der Hamas, den er immer als Konflikt zwischen Panzern und armen Steinewerfern deklariert, was einfach nicht stimmt.

Gutes Beispiel ist ein Bild, auf dem er auf einem israelischen Schutthügel sitzt, um ihn herum verstreutes Kinderspielzeug. Es soll sagen: Seht her, die Israelis haben wieder Kinder getötet. Das ist antisemitisch und einseitig.

Und auch in Syrien berichtet Todenhöfer einseitig. Einziger Verantwortlicher für den Konflikt ist für ihn der Westen. Dass auch Islamismus ein Problem ist, spielt für ihn keine Rolle.

Todenhöfer findet viele Fürsprecher, gerade auch bei einem sehr aufgeklärten Publikum. Wie erklärt ihr euch den Erfolg?

Todenhöfer tut so, als wäre alles einfach. Das gefällt den Leuten, sie mögen es einfach. Wenn er erklärt, warum in Syrien gekämpft wird, dann erscheint das endlich verständlich und logisch. Dass der Nahost-Konflikt oder der Krieg in Syrien aber alles andere als einfach zu erklären sind, verschweigt er. Zusätzlich hat er einen sehr emotionalen Appeal. Es hat einen gewissen Reiz, seinen tränentriefenden Geschichten zu glauben. Und drittens bedient Todenhöfer die antiamerikanischen Klischees, die in vielen deutschen Milieus anzutreffen sind.

Man hat das Gefühl, die Jusos haben sich bsonders auf ihn sehr eingeschossen, obwohl er bei Weitem nicht der einzige ist, der diese Meinungen vertritt. Warum?

Todenhöfer hat ein sehr großes Publikum, sehr viel Einfluss. Gerade solchen Leuten muss man widersprechen. Wenn irgendwelche rechtsradikalen Gruppen für das Ende Israels werben, dann ist das zwar schlimm, aber nicht so gefährlich, wie wenn Leute wie Todenhöfer zu diesen Themen einseitig berichten. Wir erachten es als wichtig, hier zu widersprechen.

Auch Freiburg habe Todenhöfer nach seiner Ankündigung, hier zu lesen, hofiert, schreibt ihr in einer Pressemitteilung. Was meint ihr damit?

Todenhöfers Lesung wurde gerade auf Facebook frenetisch bejubelt, ein Gastwirt bot ihm gar an, eine Nacht umsonst hier schlafen zu können. Besonders bestürzt hat uns aber eine Anfrage des Uniradios EchoFm. Die Journalistin schrieb unter Todenhöfers Posting, dass sie sich 'rieeeeesiiig' freuen würde, wenn es zu einem Interview käme. Da sehen wir die Grenze zur neutralen Berichterstattung überschritten. Wie haben inzwischen mit dem Uniradio Kontakt gehabt. Ob es zu einem Interview komme, wisse man dort noch nicht.

Erwartet ihr eine hitzige Debatte, wenn Todenhöfer heute in Freiburg liest?

Nein, eher nicht. Wir glauben, dass es eine Fanveranstaltung wird, die kaum kritisch begleitet werden dürfte. Das ist aber auch okay, wir leben in einem freien Land, wir können Jürgen Todenhöfer seine Lesung nicht verbieten.

Werdet ihr selbst hingehen?

Wir werden kaum 10 Euro ausgeben, um zu hören, wie er in seinen eigenen Ergüssen badet. Aber es werden eventuell Leute von uns da sein und die Veranstaltung kritisch begleiten, auch wenn keine offizielle Aktion geplant ist.

Zur Person

Matthias Dalig ist 24 und Mitglied der Hochschulgruppe der Uni Freiburg. Er stuzdiert in Freiburg angewandte Politikwissenschaften.

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