fudder-Interview

Warum bei der Fuck-Up-Night Menschen nur über ihr Scheitern sprechen

Gina Kutkat

Wenn man etwas richtig vermasselt, ist das ein "Fuck up". Und weil Scheiter-Geschichten anderen Menschen Mut machen, veranstaltet Moritz Ness im Räng eine Fuck-Up-Night. Worum es geht, hat ihn fudder-Redakteurin Gina Kutkat gefragt.

Warum wird bei Deiner Veranstaltung das Scheitern gefeiert?

Moritz Ness: Jeder weiß, dass das Leben nicht linear verläuft und auch mal etwas schiefgehen kann. Das Scheitern gehört dazu, steht aber meistens in einem negativen Kontext – besonders in Deutschland. In der Öffentlichkeit wird viel zu wenig über Negatives gesprochen. Die Fuck-up-Night soll das ändern und zu mehr Offenheit beitragen. Die Veranstaltung hört sich dabei brutaler an, als sie ist.

Kurz gesagt: Es werden Leute auftreten, die über ihre Fehler sprechen?

Genau. Speaker erzählen, wie sie ein Projekt oder auch ihr Leben gegen die Wand gefahren haben – und dann wieder aufgestanden sind. Die Idee stammt ursprünglich aus Mexiko, mittlerweile gibt es eine wachsende Bewegung. Fuck-Up-Nights finden in New York und Rio De Janeiro statt. Freiburg ist eine freigeistige Stadt, deswegen wollte ich das Konzept hierher holen. Der Abend soll inspirieren und anderen Mut machen, Risiken einzugehen. Es war allerdings ziemlich schwierig, Kandidaten für den ersten Abend zu finden.

Weil niemand über das Scheitern reden will?

Es ist schon etwas Besonderes, wenn man fremden Menschen von seinem persönlichen Tiefpunkt erzählt. Viele schämen sich, weil sie denken, sie würden nur auf ihr Scheitern reduziert. Ich habe über 100 Leute angeschrieben und fast nur Absagen erhalten. Für die erste Ausgabe habe ich jetzt vier Kandidaten gefunden. Einer der Speaker ist selbstverschuldet in der Obdachlosigkeit gelandet, er wird erzählen, wie er da wieder rausgekommen ist. Das Publikum kann Fragen stellen und wer Lust bekommt, seine Scheiter-Geschichte zu erzählen, darf das natürlich tun. Vielleicht finden sich dort auch ein paar Speaker für die nächste Ausgabe.

Wer die Fuck-Up-Night in Freiburg veranstaltet, hat sicherlich eine eigene Versager-Geschichte zu erzählen?

So richtig gescheitert bin ich in meinem Leben noch nicht. Aber ich habe für mein Abi nicht genug gelernt und somit nur einen Schnitt von 2,9 bekommen. Außerdem habe ich die Fuck-Up-Night auf einen Abend vor zwei meiner Uniprüfungen gelegt – das ist auch ein Fuck up.
Moritz Ness, 23, studiert Englisch und Wirtschaftswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.Bei der Organisation der ersten Fuck- -Up-Night erhielt er Unterstützung von Jutta Jerlich, die die Abende in Basel organisiert.

  • Was: Fuck UP Night Volume 1
  • Wann: Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr
  • Wo: Great Räng Teng Teng
  • Eintritt: 3 Euro