Meinung

Waldkirch hat jetzt einen Song – die Stadt hätte einen besseren verdient

Daniel Laufer

Die Stadt Waldkirch feiert sich bei den Heimattagen, eine lokale Band hat zu diesem Anlass sogar einen Song geschrieben. Unser Autor, der in Waldkirch aufgewachsen ist, gruselt sich.

Eat the Beat wollen erzählen, "was Heimat für uns heißt". Zumindest behaupten sie das, unterlegt vom Jaulen einer Lead-Gitarre, die mindestens das Prädikat "fetzig" verdient, vielleicht aber auch Schlimmeres. Heimat, der Begriff bedeutet für jeden ja irgendwas anderes. "Ohne Heimat sein, heißt leiden", soll der russische Schriftsteller Dostojewskij mal gesagt haben. Die Jungs von Eat the Beat haben da natürlich Glück: Ihre Heimat könnte für sie so ziemlich überall sein. Sie ist, und das beschreiben sie im Song "Unser Waldkirch" eindrucksvoll: vollkommen austauschbar.




Eat the Beat dreschen Phrasen, die Sehnsüchte wecken – nach der Zeit, in der an den Wänden der Hobbykeller noch Eierkartons klebten. Sie singen: Waldkirch sei die Stadt, "wo die Sonne immer lacht". Außerdem gebe es einen Fluss, an dem "unser Revier" liege und eine "Promenade" an einem "See". Auf Letzteres reimen sie übrigens: "Da vergesse ich gerne, wo ich gerade überhaupt steh-ee" – Lyrik, wie man sie sonst nur bei runden Geburtstagen im Séparée des Kohlenbacher Hofs vorgetragen kennt.

Eine Beschreibung, so banal, dass sie für fast jeden Ort gelten könnte

Sonnenschein, ein Fluss und ein See: Eine Stadt, auf die diese Beschreibung zutrifft, kann man auch haben, wenn man in die Breisgau-S-Bahn steigt und die 20 Minuten nach Freiburg fährt. Oder dort in einen ICE in Richtung Zwickau. Die Band habe sich für den Song "mit dem Thema 'Heimat' auseinandergesetzt", behauptet die Stadt. Man merkt es nicht.

Stattdessen verbreiten Eat the Beat augenzwinkernd Halbwahrheiten: In Waldkirch könne man "was erleben", denn man "feiere" dort ja "Tag und Nacht". Nun: Der ehemalige Eigentümer des "Outback" erzählte der Badischen Zeitung neulich, an Samstagen kämen immer weniger junge Leute in die einzige Disco der Stadt. In Folge dessen hat er diese inzwischen sogar an einen neuen Betreiber abgegeben – nach 17 Jahren.

Tatsächlich "was erleben" konnte man zuletzt höchstens im Autonomen Jugendzentrum: An Halloween kam die Polizei zur Razzia vorbei und stellte etwas Gras, ein paar Pillen und ein bisschen Koks sicher. Seitdem geht es auch im Stadtteil Kollnau ruhiger zu. "Mallorca oder Ibiza sind mir scheißegal", singt da der Eat-the-Beat-Sänger. Ein Satz, der im Gesamtkonstrukt von "Unser Waldkirch" so gut funktioniert, gerade weil er in Anbetracht der Umstände unmöglich ernstgemeint sein kann.

Der Song ist nicht gut – aber wird sicher ein Fasnets-Hit

Der ganze Song ist eine Persiflage. Schließlich machen ein Carhartt-Pulli und Powerchords noch keinen Punk-Rock und ein paar einfallslose Floskeln schaffen keine Heimatgefühle. "Kann es etwas Schöneres geben?", singen Eat the Beat. Na hoffentlich.

Super ankommen wird "Unser Waldkirch" natürlich trotzdem. Man kann sich gut vorstellen, wie Eat the Beat während der Fasnet in der Lange Straße von einem Wagen grölen: "Hier lässt sich's saugut leben, bringt nun mit uns die Erde zum Beben!" Und wenn man dazu mal singend im Bayersepple auf dem Tisch tanzt, geht bestimmt auch die Melodie ins Ohr.