Wahlradar.de: Eine Karte des deutschen politischen Netzes

Christoph Müller-Stoffels

Das Internet wird für Politiker und Parteien immer wichtiger. Wo werden online welche Themen wie diskutiert? Wer darüber Bescheid weiß, ist klar im Vorteil. wahlradar.de stellt diese Diskussionen graphisch dar. Was das soll und wer dahinter steht? Christoph hat bei Oliver Jeschonnek, einem der Verantwortlichen, nachgefragt.

 



Für wen ist wahlradar.de primär gedacht? Für Wähler, Journalisten, Politiker?

Oliver Jeschonek: Wahlradar ist ein Gemeinschaftsprojekt von Publicis Consultants Deutschland und Linkfluence und zunächst ein kostenfreies Schaufenster unserer inhaltlichen und technologischen Möglichkeiten. Wir wollen zeigen, wie das meinungsrelevante Internet von innen aussieht, wer sind die Meinungsbildner und Multiplikatoren, welche Themen und Trends entwickeln sich wie und wohin?

Wahlradar ist nur ein Ausschnitt der sehr umfangreichen Analyse- und Auswertemöglichkeiten des gesamten Systems Linkfluence, gedacht ist es sowohl für Wähler als auch für Politiker, Journalisten und alle an Politik Interessierten.

Hatten Sie auch die Idee, einer Partei oder einem Kandidaten wahlradar.de direkt anzubieten?

Natürlich, schließlich wollen wir nicht nur mit dem System und der einmaligen Darstellung begeistern sondern auch Geld mit detaillierten Analysen, Bewertungen und unserer Beratung verdienen. Die Gespräche waren erfolgreich, so dass wir mit unserem System auch konkret beraten.

Welche Möglichkeiten bietet wahlradar.de, die man vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht bemerkt?

Die erstaunlichsten Möglichkeiten sind: Die tatsächlich relevanten Themen- und Quellennetze des Internets werden erstmalig sichtbar und die gesamte Internetsphäre wird auf einer Art Sternenkarte dargestellt. Sofort und in Echtzeit werden Stimmungsumschwünge und Initiativen der Meinungsbildner sichtbar - bevor sie weitere Kreise ziehen oder in die Offline-Welt schwappen.

Mit Hilfe des Systems und unserer Beratung können Parteien, Politiker oder auch Unternehmen erstmals gezielte und vor allem dialogische Social Media-Kommunikation mit ihren Zielgruppen führen. Das könnte die Kommunikation deutlich verbessern beziehungsweise verändern und relevanter machen: zuhören, wissen, wo welche Themen laufen und dann gezielt in den Dialog kommen.



Welche Partei oder welcher Politiker ist online gleichzeitig aktiv und erfolgreich? Wer hat dagegen den größten Nachholbedarf?

Da verweise ich auf unsere Charts, die geben darüber Auskunft.

Was sagt das Radar: Wer gewinnt die kommende Bundestagswahl?

Das Radar war auch schon bei unseren Kollegen von linkfluence, die den Wahlkampf von Obama mit ihren Analysen in den USA begleitet haben, sehr genau und hat das Wahlergebnis mit erstaunlicher Genauigkeit aus den Wahrnehmungen im Internet vorher vermuten können. Wer die kommenden Bundestagswahl gewinnen wird, läßt sich jetzt noch nicht abschätzen. Die größten Chancen haben sicher die Partei und die Kanditaten, die die besten Programme haben, die Themen verständlich, glaubwürdig und nachvollziehbar vorstellen können und in der Lage sein werden, besonders jüngere Wähler über das Internet zu erreichen.

Dabei geht es nicht um Beschallung oder Monologe, sondern um spannende, interaktive, interessante und vor allem relevanten Dialogangebote im Internet. Gerade die jüngeren Wähler sollte man dort erreichen, wo sie sind - und zwar im Internet, auf Plattformen wie studiVZ, Facebook, Blogs, Foren und Communities. Nur wer seine Wähler auch im Netz begeistern und überzeugen kann, darf auch auf ihre Stimme hoffen.

Außerdem geht es darum, sich mit seinen Themen und Inhalten im Internet als Meinungsführer zu positionieren, anderen Seiten zur Verlinkung und Kommentierung zu bewegen, selbst zu einem wichtigen Informationsangebot im Internet zu werden. Nur, wer mit seinen eigenen Anhängern und Wechselwählern vernetzt ist, kann Themen setzen und an Gewicht gewinnen.

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