Von Abschleppwagen und Fernsehstudios

Joel Montagud

Unser Video-Reporter Joel Montagud (16, links) war die vergangenen drei Monate in Australien. Kurz vor seiner Rückkehr nach Freiburg hat er ein Praktikum bei einem australischen TV-Sender gemacht. Was er dabei alles erlebt hat:



Vor den Osterferien musste jeder Austauschschüler ein Berufspraktikum machen. Da mich Medien wie Film und Fernsehen sehr interessieren, rief ich einige Produktionsfirmen an – zunächst gab’s leider nur Absagen. Doch zum Glück kannte ein Lehrer an meiner Schule jemanden vom Fernsehen. Also versuchte ich es dort - und es klappte!


Ich arbeitete bei "Channel 7" in Melbourne. Die Stadt ist riesig, hat große Hochhäuser und Läden, Leute aus der ganzen Welt arbeiten dort. Sehr international also. Jeden Morgen kam ich gegen 9 Uhr bei Channel 7 an. Es gibt ein großes Gebäude, in dem sich die Produktionsbüros befinden und Shows wie "Deal or No Deal" oder "Dancing with the Stars" produziert werden. Eine Straße weiter waren die Fernsehstudios, die mich absolut faszinierten. Doch mein Job hatte nicht direkt mit den Studios zu tun. Er war teilweise sogar richtig langweilig, da ich die Post verteilen oder Stühle und Tische herum schieben musste. Manchmal aber hat es Spaß gemacht, z.B. als ich einen Abschleppwagen anrufen musste, weil das Auto vom Chef, einen Schaden hatte, und das auf Englisch...

Hin und wieder durfte ich mich in den Studios umsehen. Am Dienstagabend wurde "Dancing with the Stars" live gesendet, und mir wurde versprochen, dass ich dabei sein durfte. In der Show werden jede Woche neue Tanz-Choreografien von Stars vorgeführt. Am Ende gibt es ein Urteil der Jury, und dann kann jeder Zuschauer von Zuhause für seinen Favoriten voten. Das gleiche Prinzip wie bei "DSDS" oder "Stars auf Eis" also. Mehr als 1.5 Millionen Leute schalten jede Woche ein.

Fünf Minuten vor Beginn der Show durfte ich ins Studio. Ich saß nicht im Publikum sondern auf einem Balkon. Alles war voll mit Lichtern, Kameras und Kränen. Pink-weiße Stoff und Glitzervorhänge hingen von der Decke herab. Neben der großen Tanzfläche saßen die Jury und das Publikum. Am anderen Ende zwei große Treppen und die Band. Dann kam dieser Typ auf die Bühne und sagte, dass das Publikum immer lächeln und schön laut klatschen sollte. "You have to go absolutely insane at the start of the Show!", sagte er. Dann war es soweit: 3, 2, 1 ON AIR! Die Band fing an zu spielen und der Moderator kam tanzend die Treppen herunter gelaufen - alle Kameras richteten sich auf ihn.



Wenn man so eine Sendung von Zuhause aus anschaut, weiß man gar nicht, wie viele Leute dahinter stecken. Neben den Kameraläuten Kabelhalter und ein Typ, der Schilder hochhielt, auf denen Witze standen, die der Moderator reißen musste. Nichts war dem Zufall überlassen, alles war perfekt geplant und strukturiert.

Nach der Begrüßung kam das erste Tanzpaar auf die Bühne. Der Kamera-Kran war der absolute Hammer. Die fliegende Kamera verfolgte die Tanzenden wie eine Schlange im Jungle, es war so reibungslos, so flexibel!

Ich durfte danach in den "Control Room" gehen. Dort waren überall kleine Bildschirme, die die verschiedenen Kamera-Bilder zeigten. Ein Mann musste die ganze Zeit die Bilder (und somit die Perspektive) wechseln. Viele andere Leute wie Cutter oder Sound-Controler waren in dem Zimmer. Nach einer Stunde musste ich leider schon zurück. Ich werde diesen Abend nie vergessen!

Am Freitag war das Berufspraktikum leider schon vorbei. Doch ich bekam eine Einladung zu einer Aufnahme eines "Special Dancing with the Stars". An dem Tag durfte ich sogar im Publikum sitzen, und wurde zwei Mal aufgenommen, war also im Fernsehen zu sehen! :)

Meine Zeit in Australien ist inzwischen vorbei. Mein Austauschpartner und ich flogen Ende vergangener Woche zurück. Zuvor habe ich mich übrigens mit unserer fudder-Aussteigerin Lilian getroffen. Ich wäre gerne etwas länger geblieben, denn ich hatte eine richtig geile Zeit hier! Ich bin mir sicher dass ich eines Tages wieder komme!