Vom Schultheater auf die große Bühne

Kristina Bieda

Viele junge Nachwuchs-Schauspieler träumen davon, später mal auf einer großen Bühne zu stehen. Der Weg dorthin ist aber steinig und hart. Antonia Schirmeister erzählt von ihren Tiefschlägen und wie sie es mit dem berühmten Quentchen Glück auf die große Bühne im Stadttheater geschafft hat.



Der Bewerbungsmarathon

Angefangen hat alles mit dem Schultheater am Erasmus-Gymnasium in Denzlingen. Ihre erste Rolle war gleich die Hauptrolle, und zwar die der Katharina Minola in „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare. „Seitdem bin ich total fasziniert vom Theater. Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen,“ sagt Antonia Schirmeister. „Das hat mich verändert und mutig gemacht.“ Also hat sie sich gleich nach dem Abi an verschiedenen staatlichen Schauspielschulen in ganz Deutschland und auch in Österreich beworben, z.B. in Berlin, Graz, Essen, München, Leipzig, Rostock. In einem Zeitraum von zwei Jahren ist sie von Aufnahmeprüfung zu Aufnahmeprüfung gereist. Dabei ist bei der Aufnahmeprüfung nicht nur schauspielerisches Talent gefragt. „Man kann sich seine Sprechrollen selbst aussuchen. Außerdem muss man singen, tanzen und auch improvisieren können.“ Antonia hat es oft bis in die zweite oder dritte Runde geschafft. „Aber ganz hat es leider nie gereicht,“ sagt sie. „Oft habe ich angeblich nicht dem Typ entsprochen, den sie gerade gesucht haben. Zumindest hat man mir das damals gesagt. Das hat mich natürlich getroffen.“



Dass es häufig reine Glückssache ist, einen der begehrten Plätze zu erhalten, zeigen allein schon die Zahlen: Auf zehn bis zwölf Plätze bewerben sich etwa 900-1000 potentielle Schauspieler bzw. Schauspielerinnen. „Natürlich gab es da auch Zeiten, wo ich gezweifelt habe und wo ich aufhören wollte. Die Alternative wäre Sonderschulpädagogik gewesen. Aber ich wollte das mit der Schauspielschule unbedingt schaffen. Zum Glück haben mich meine Eltern auch in jeglicher Hinsicht unterstützt. Das ist bei so einem Berufswunsch unheimlich wichtig.“ Letztendlich hat es dann am E-Werk in Freiburg geklappt, wo sie nun mit acht anderen im vierten Semester Schauspiel studiert.

Auf der großen Bühne

An ihrer Entscheidung, Schauspielerin zu werden, hat sie nie gezweifelt. Im Gegenteil: ihr Wille, ihre Ausstrahlung und ihre Leidenschaft fürs Schauspielern haben zum Beispiel den Regisseur Uli Jäckle so überzeugt, dass er sie und vier weitere Nachwuchs-Schauspieler für seine „Michael Kohlhaas“-Produktion ans Stadttheater geholt hat. „Uli hat letztes Jahr die Szenen für das Jubiläum der Universität Freiburg im Konzerthaus inszeniert, wo ich auch mitgemacht habe. Er hat sich an mich erinnert, angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte bei Michael Kohlhaas mitzuspielen.“



Und so ist Antonia zur Zeit in zwei Nebenrollen auf der großen Bühne im Theater Freiburg zu sehen. „Da bin ich ganz stolz drauf. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung für mich, mit so netten und tollen Schauspielern zusammen auf der Bühne zu stehen und mit so einem bekannten Regisseur zusammen zu arbeiten.“ Schließlich hat sie noch nicht einmal ihre Zwischenprüfung. Die ist im nächsten Monat und die Proben dafür laufen auf Hochtouren. In dem Stück „Campiello“ von Peter Turrini muss sie im Februar ihren Prüfern zeigen, was sie bisher gelernt hat. Und dann dauert es noch einmal vier Semester bis sie ihr Schauspielstudium beenden kann. „Mein Traum ist es, nach dem Abschluss in einem festen Ensemble angestellt zu sein. Natürlich sind Rollen beim Film und Fernsehen leicht verdientes Geld, aber die Arbeit auf der Bühne macht mir viel mehr Spaß, auch wenn sie viel härter ist. Ich denke, heutzutage ist es beinahe ein Luxus einen Beruf zu haben, der einem so viel Freude macht.“

Mehr dazu:

  • Freiburger Schauspielschule im E-Werk: Homepage