Volker Finke - der Kaffee danach

David Weigend

"Ich hab der Mannschaft gesagt, sie soll auf dem Platz Gas geben und alle Nebengeräusche so weit wie möglich ausblenden", hat Volker Finke bei der heutigen Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Koblenz gesagt. Ein Versuch, die Nebengeräusche dieser Veranstaltung festzuhalten.



Irgendwann gegen Ende der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel des SC Freiburg bei der TuS Koblenz zeigt Volker Finke für einen Augenblick ein Bruchstück seiner verletzten Seele. Voraus geht folgender Dialog:


Journalist 1: „Wo sind die Weihnachtsgeschenke, Martin?“

Journalist 2: „Tja, Martin, das ist hier die Frage.“

Martin Braun (Pressesprecher): „Stimmt, aber ich weiß nicht, ob der Zeitpunkt der richtige ist.“

Journalist 3 (zu Finke): „Haben Sie die Geschenke nicht abgeschafft?“

Volker Finke: „Für diese Bemerkung kriegen Sie von mir 14 von 15 Punkten. Das sind die Bemerkungen, aus denen hier die Klischees und die Geschichten gestrickt werden. Natürlich hab ich das abgeschafft, hier, diese Geldausgeberei, für Weihnachtsgänse, für die Journalisten. Als Rettig Manager war, gab’s Weihnachtsgans. Mit Rotkohl und Klößen. Das war noch was. Fußball ist Kommunikation, Event, da muss man alle mit einbinden, interaktiv. Fluktuation, neue Gesichter.“



Der 58jährige Bald-nicht-mehr-Trainer des Sportclubs sagt das in seiner leicht sarkastischen Art, nicht unfreundlich. Aber der letzte Satz zeugt schon von einer Ironie, die, einem Pflaster gleich, eine frische Wunde zu schützen versucht.

Finke will eine Diskussion rund um die „Freiburger Lösung“, wie die Badische Zeitung die langfristig angekündigte Trennung nennt, gar nicht erst aufkommen lassen.

Journalist: „Wie haben die Spieler darauf reagiert?“

Finke: „Kein Kommentar, das behalte ich für mich.“

Indem er mit seinem Schlüsselbund spielt, betont Finke zweimal, sein Interesse liege hauptsächlich daran, dass der Verein in solch einer Situation keine Nachteile bekomme. Die Stimmung während der Pressekonferenz schwankt zwischen gelöst und gespannt.



Wenn man das Tonband abhört, wundert man sich ein wenig. Das übliche Personalgeplänkel geht erstaunlich schnell über die Bühne: Sanou trotz Eigentor im Aufgebot, Diarra und Mohamad angeschlagen, Antar nur einmal trainiert und so weiter. Nach einer Viertelstunde enthält das Tonband gut zehnsekündige Schweigepassagen, höchstens ein Murmeln und ein Stift, der auf den Tisch fällt. Hört sich an, wie eine Schulklasse bei der Stillarbeit.

Dann wieder spricht Finke über die Derbypleite und sagt den Satz: „Wenn ich Viernull verliere, gibt’s ne alte Regel: ,Mund abputzen, Schnauze halten'.’“ Das tun auch die meisten Journalisten. Sie beschränken sich aufs Trinklöffeln der gereichten Klößchensuppe.



Man verlässt den Presseraum des Badenovastadions und sieht hinauf zum Ottilienwald, hinter dem die weißen Windräder im Sonnenlicht stehen. „Ich werde sicherlich meine Ideen noch mit einbringen“, hat Finke einem Journalisten gestern gesagt, als er die Frage nach einem möglichen Nachfolger beantwortete.

Ist das nicht ein bisschen wie ein kurz vor der Trennung stehender Ehemann, der sagt: „Okay, aber den nächsten Macker meiner Ex will ich schon mit aussuchen?“

TuS Koblenz - SC Freiburg, Sonntag, 17. Dezember, 14 Uhr