fudder-Interview

Viktor von Malaka Hostel: "Wir sind die Kojoten der Liebe"

Jannis Jäger

Disko Fatale heißt ihr zweites Album. Am Freitag spielt die Freiburger Band Malaka Hostel im E-Werk. Ihr Sänger Viktor hat sich im fudder-Interview Fragen nach ihrem Stil, ihren Texten und einem türkischen Bandcontest gestellt.

Ihr nennt euch auch die Koyoten. Wieso?

Viktor: Das stammt von dem Song Koyotes del Amor. Wir sind die Kojoten der Liebe. Und wie es manchmal in der Kunst ist: Texte und Lieder entstehen aus einer Intuition und nicht aus einem Plan, etwas nach Konzept zu machen, damit der Laden läuft. Der Song ist intuitiv entstanden und er war in unserer gesamten ersten Bandphase unser Schlachtruf. Uns geht es dabei um den Rudelgedanken und um diesen Straßenköterflair, dieses verruchte aber auch liebevolle. Das Animalische spielt dabei eine Rolle. Das wollen wir an den Konzerten auch aus den Leuten herauskitzeln. Eine Art ursprüngliche Energie aus Wildheit und Liebe. Das Bild vom Koyoten ist sehr stark für uns geworden, das spüren wir auch an den Konzerten, wenn wir den Song spielen und die Leute zum Mitjaulen animieren.

Was geht zwischen euch und eurem Publikum ab?

Viktor: Wir versuchen immer eine Brücke zum Publikum aufzubauen. Etwa durch Interaktionen in den Songs wo wir versuchen zusammen etwas zu gestalten. Und der Punkt, sich ein bisschen zu verlieren wie in Trance ist wichtig. Das Publikum überlegt dann nicht mehr "Wie soll ich mich jetzt dazu bewegen?" oder so. An diesem Punkt wird alles automatisch. Musikalisch haben wir nicht den Anspruch, eine perfekte Balkan-Ska Band zu sein oder eine perfekte Show abzuziehen. Es geht mehr um die Energie mit dem Publikum. Darum, dass die Leute aus dem Konzert gehen und denken "Whow, was ging da denn ab?" In den Besten Momenten fühlt alles an wie ein Gespräch.
Ich denke, dass viele Leute das heute suchen. Wo man, wenn man will alles perfekt haben kann, perfekt produzierte Tanzmusik und so weiter. Einen solchen Perfektionismus wollen wir gerade nicht. Uns geht es um Emotionen im Publikum und mit dem Publikum. Jeder hat seinen Ärger und so, aber das schönste das mir nach einem Konzert gesagt wurde, war: "Man, das war wie Medizin." Das ist es worum es geht. Durch energievolle gute Live Musik kann man viel in den Menschen bewirken. Vieles das einen mitnimmt, viele Schwierigkeiten die man im Leben hat, fallen dann ab und man ist irgendwie befreit.

Eure Texte sind in vielen verschiedenen Sprachen verfasst. Wollt ihr damit irgendwas ausdrücken?

Viktor: Wir sind auch als Band eine bunte Truppe. Ich bin über die Jahre sehr viel gereist und war in vielen Ländern nur mit Rucksack und Gitarre unterwegs. So war ich immer mit vielen Sprachen in Kontakt. Jede Sprache hat ihren Charakter und mit jeder Sprache die man spricht ist man ein bisschen auch ein anderer Typ. Diese Unterschiede sind ein schönes Werkzeug. Bei uns spiegelt sich darin unser Glaube an eine Welt, in der Grenzen keine große Rolle mehr spielen. Ein Freund von mir ist Tscheche und ich kann kein Tschechisch aber er hat mir geholfen die zweite Strophe unseres Songs "Erdbeermund" auf Tschechisch zu schreiben.

Spiegelt sich diese Vielfalt auch in eurer Bandgeschichte wieder?

Viktor: Ja, aber vielleicht nicht bei allen aus der Band gleich. Ich war lange auf Reisen. Holger, unser Harfenspieler, hat lange in Spanien gelebt und ist dann ausgewandert. Tatán, unser Trompeter, ist aus Chile, er war lange in Barcelona und ist in Deutschland hängengeblieben. Dieser Weltenbummler-Background ist etwas, das uns verbindet. Aber was vor allem die Vielfalt in der Band ausmacht, ist die musikalische Unterschiedlichkeit. Eine Fraktion kommt aus der Richtung Reggae, einer hat in einer Heavy Metal Band gespielt, Stoner Rock, Ska, dann ist einer eher 70's Rock'n'Roll. Wir haben ganz unterschiedliche musikalische Wurzeln. Das macht viel aus.

Denk ihr, dass die Leute irgendetwas von eurer Botschaft verpassen könnten, wenn ihr auf fünf verschiedenen Sprachen singt?

Viktor: Nein. Ich glaube auch wenn sie Teile des Textes nicht verstehen, kommt trotzdem durch die Musik, noch rüber was wir sagen wollen, das reicht dann aus. Zum Beispiel ist der Text von Kojotes del Amour auf spanisch, es geht um Liebe und darum den Zaun zu durchbrechen und die Grenzen die durch Vorurteile entstehen. Wenn ich die Reaktionen der Menschen auf den Song sehe, weiß ich dass das entscheidende angekommen ist.

Wollt ihr mit eurer Musik etwas bewirken?

Viktor: Auf jeden Fall. Was wir alle bewirken wollen, ist zu zeigen, dass es möglich ist aus so vielem eins zu machen und zu verbinden. Eine bunte Welt ist möglich und es ist geil darin zu leben. Es kommt nicht darauf an, den Leuten etwas einfach zu sagen. Ich persönlich bin kein Fan von politischen Botschaften in der Musik. Ich will die Leute auf eine indirektere Art erreichen. Die Idee ist ein Konzept aufzubauen, in dem viele Kulturen und Stile zusammen funktionieren. Ich glaube, wenn wir das so präsentieren, haben wir eigentlich schon alles gesagt. Und ich glaube auch, dass das etwas in den Menschen bewirkt.

Ihr habt euch trotzdem schon politisch konkret geäußert. Glaubt ihr, dass Musik ein geeignetes Instrument ist, um dahingehend etwas zu verändern?

Viktor: Es ist ein Instrument. Und ich merke, dass es immer wichtiger wird, jedes Mittel zu nutzen, um für eine kraftvolle, offene Gesellschaft einzustehen. Um das auszudrücken, ist die Musik definitiv ein Mittel. In der Zeit in der wir leben, wird es langsam unumgänglich, wieder politischer zu werden. Speziell in der Zeit, in der es viel um Chemnitz ging, wurde mir das klar und in dieser Zeit haben wir uns dann wirklich auch konkret geäußert, obwohl ich eigentlich kein Fan davon bin.

Euer Stil ist mitunter auch eine bunte Mischung. Was sind die wichtigsten Elemente darin?

Viktor: Egal ob wir ein Folk-Stück spielen oder Ska, was alles verbindet ist das Potential zu tanzen. Dieses Feuer. Auch wenn wir einen ruhigeren Song spielen, gibt es einen Punkt, an dem es mit Power nach vorne geht. Alles was wir machen muss live funktionieren und braucht einen Punkt an dem es zündet.

Wie habt ihr euch in den letzten vier Jahre entwickelt?

Viktor: In dieser Zeit sind wir als Band richtig zusammengewachsen. Das liegt auch an all den Erlebnissen, die wir seit dem Release unserer ersten Platte hatten. Zum Beispiel waren wir 2016 auf unserer ersten Tour und kamen irgendwie an diesen Gig in Frankfurt. Es hieß, dass es eine Art Bandcontest werden sollte und bei gutem Abschneiden, hätte man die Chance am größten Festival der Türkei zu spielen. Als wir in Frankfurt ankamen war da diese türkische Bar und auf der Bühne standen nur türkische Bands aus allen möglichen Genres. War alles frei und dahinter kam eine sechsköpfige Jury und das Publikum. Die Bands hatten alle total Respekt vor der Jury und haben ehrerbietig ihre Lieder angekündigt. Wir sind dann auf die Bühne und haben angefangen den Laden abzureißen. Und auf einmal ist die Jury aufgestanden und hat angefangen uns mit ihren Handys zu filmen. Das Publikum kam nach vorne und hat getanzt. Wir haben dann auch gewonnen. Das war mit das verrückteste. Den Gig an dem Festival haben wir dann nicht gespielt, weil diese Bombe am Flughafen hochging und es Sicherheitsbedenken gab. Aber nach diesem Auftritt saßen wir im Bus dachten: "Was war das?"


Was: Malaka Hostel

Wann: Freitag, 10. Mai, 20:30 Uhr

Wo: E-Werk, Freiburg

Eintritt: 22 Euro