Digitalisierung

Vier nachhaltige Internet-Alternativen, die Du dir merken solltest

Anna Castro Kösel

Im Internet unterwegs sein ist nicht immer nachhaltig. fudder hat vier alternative Anbieter unter die Lupe genommen und geschaut, welche Vor- und Nachteile es gibt. Mit dabei: Eine Suchmaschine, ein Elektronik-Online-Shop, ein Email- und ein Mobilfunkanbieter.

Ecosia

...ist eine Suchmaschine, die – anders als andere – die Werbeeinnahmen aus Suchanfragen nicht als Gewinne verbucht oder an Aktionäre weitergibt, sondern Baumpflanz-Projekte unterstützt.

Vorteil: Ecosia versteht sich als gemeinwohlorientiertes Unternehmen. Es veröffentlicht monatlich Finanzberichte und geht daher transparent mit seinen Geldern um. Laut ihres Finanzberichts im August 2019 steckte Ecosia über 45.000 Euro in Baumpflanz-Projekte wie Tree Aid in Ghana, knapp 17.000 Euro und knapp 28.500 Euro an Hommes et Terres in Burkina Faso. Ecosia beziehe für seine eigenen Server Strom aus erneuerbaren Energien und baue selbst Solaranlagen, heißt es auf der Homepage. Außerdem setzt sich Ecosia auf ihrem Blog für Klimabewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion ein und kennzeichnet, durch ein Blatt-Symbol, grüne Seiten in den Suchergebnissen.

Nachteil: Bis Bäume maßgeblich CO2 binden können, kann es Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern, heißt es in einem Beitrag der Klimareporter. Der Freiburger Professor für Waldbau Jürgen Bauhaus sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass solche Aufforstungsprojekte "ein Tropfen auf den heißen Stein" seien, wenn man die Zahl der gepflanzten Bäume ins Verhältnis zur jährlich entwaldeten Fläche setze. Trotzdem sei es gut, wenn Unternehmen sich für Klimaschutz einsetzten.


Stromfresser Internet

Laut Think Tank "The Shift Project" sind digitale Technologien für etwa vier Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich – das ist mehr als beim zivilen Luftverkehr. Vor allem das Streamen frisst viel Strom – größte Sünder hierbei sind Spotify, Amazon und Netflix. Aus der Greenpeace-Studie "Click Clean" aus dem Jahr 2017 geht hervor, dass Netflix keine konkreten Bemühungen in Sachen erneuerbare Energien zeigt. Der Datenverkehr der Plattform läuft, laut Greenpeace, über die Rechenzentren von Amazon, die kaum durch erneuerbare Energien betrieben werden. Das schnelle Wachsen der beiden Plattformen führt dazu, dass die Nachfrage nach Kohle und anderen schmutzigen Energiequellen steigt. Ein Grund weniger auf Netflix, Amazon und Co. unterwegs zu sein? Mehr zu lesen oder DVDs auszuleihen? Musik runterladen? Alternativen, die vermutlich für viele einen großen Verzicht darstellen. Einen Versuch ist es dennoch wert.


We Tell

… ist ein Mobilfunktarifanbieter, der von vier Freiburger ins Leben gerufen wurde. Die Idee hinter We Tell ist, eine Alternative zu den konventionellen Mobilfunkunternehmen am Markt zu bieten.

Vorteil: Laut We Tell nutze man für die eigene Tätigkeit 100 Prozent Ökostrom. Da We Tell keinen direkten Einfluss auf den Telekom- Netzbetrieb, habe, kooperiere We Tell mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), um durch den Ausbau von erneuerbaren Energien, den schmutzigen Energieanteil seiner Kundinnen und Kunden, der durch die zwangsläufige Nutzung des Telekomnetzes anfällt, zu kompensieren. Allgemein achte man bei We Tell darauf, im Unternehmen selbst nachhaltig zu handeln. So wird auf Flugreisen verzichtet und Recyclingpapier verwendet.

Nachteil: Kompensation bedeutet, dass die Emissionen trotzdem entstanden sind. Für einen tiefgreifenden Wandel müsste die gesamte Telekom auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Hoffnung der Anbieter ist, durch We Tell als Alternative, diesen Wandel einzufordern.

Posteo

… ist ein Email-Anbieter, der sich als "grün, sicher und werbefrei" beschreibt.

Vorteil: Das Unternehmen arbeitet mit Ökostrom von Greenpeace Energy und "nicht mit Zertifikate-Strom, der oft als Ökostrom beworben wird", heißt es auf der Homepage. 2018 konnte das Unternehmen laut eigener Angaben dazu beitragen, dass ein neues Rechenzentrum in Frankfurt am Main mit Ökostrom von Greenpeace Energy versorgt werden konnte. Außerdem setze man firmenintern auf Nachhaltigkeit, wie auf effiziente Hardware, Recyclingpapier, kein Flugreisen, kostenfreies bio-vegetarisches Mittagessen und habe das Firmenkonto bei der GLS-Bank. Rücklagen werden an der Umweltbank angelegt. Bestandsdaten werden nicht gespeichert.

Nachteil: Posteo kostet 12 Euro im Jahr, ein Euro pro Monat. Dafür bekommt zwei Giga Bit. Jedes weitere GB kostet 25 Cent pro Monat.

As Good As New

… ist ein Online-Shop, in dem man gebrauchte Elektronikgeräte erwerben kann.

Vorteil: Durch den Kauf eines gebrauchten Gerätes vermeidet man zunächst Elektromüll. Außerdem verhindert man, dass neue, wertvolle Ressourcen wie Kobalt, Golf und Tantal unter widrigen Arbeitsbedingungen geschürft werden. Ein neues Handy bedeutet natürlich auch einen enormen Energieaufwand. Bei dem Partner von As Good as New "Wir kaufens", kann man seine Elektronik wiederum verkaufen.

Nachteil: Bevor man sich jedoch überhaupt ein neues (gebrauchtes) Handy zulegt, sollte man generell davor prüfen, ob das alte nicht doch noch mitmacht. Möglicherweise haben Verwandte oder Freunde auch noch Handys abzugeben, sodass man sogar die Emissionen durch den Versand sparen kann.


Tipps, die deinen Internet-Fußabdruck reduzieren:

  • Nutze Ökostrom Informiere dich darüber, ob dein Cloudanbieter Ökostrom bezieht
  • Statt deine Geräte auf Standby-Modus zu lassen, schalte sie öfter ganz aus
  • Schalte deinen WLAN-Router, wenn du ihn nicht brauchst, aus. Damit verhinderst du automatisch, dass du nachts zu lange online bist
  • Verbringe mehr Zeit im Freien, lese, mache Handarbeit oder treffe deine Freunde "Live und in Farbe"
  • Plane dir Zeiten ein, an denen du offline bist und informiere deine Freunde darüber. Apps wie Quality Time helfen dir dabei, Digital Detox zu betreiben.

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