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Vier Highlights von dem Konzert von Samy Deluxe auf dem ZMF

Julia Stulberg

Am Freitagabend gaben Samy Deluxe und das DLX Ensemble das Livekonzert SaMTV Unplugged 2019 beim ZMF Freiburg. Das waren die Highlights im Zirkuszelt.

Tausende Hände bewegen sich im Zirkuszelt auf dem ZMF zum Beat. Von der Klimaanlage ist nichts zu spüren, der Hype der Menge und das DLX Ensemble geben die Temperatur an. Am Freitagabend gab Samy Deluxe sein Livekonzert SaMTV Unplugged auf dem Mundenhofgelände. Zwei Stunden voller Power, Livekünstler, Rap und vor allem dem Ausnahmekünstler – Samy Deluxe.


"Hallo Freiburg, kennt ihr mich noch? Kennt ihr das noch?" Ja, Samy, Freiburg kennt echten Hip Hop spätestens jetzt wieder, denn du hast ordentlich abgerissen.

1) Superheld und andere Klassiker

Vor allem altbekannte Songs des Künstlers finden Anklang beim Publikum. Selbst Afrob, der kurzzeitig mit Samy auf der Bühne steht, merkt an, dass klar ist, wonach die Menge verlangt. Während bei "Poesiealbum" und "Superheld" die Fans ausrasten, kehrt bei "Von dir Mama" im Zelt ein wenig Ruhe ein. Fast schon melancholisch sitzt Samy auf der Bühne, umhüllt von blauem und rotem Licht. Das DLX Ensemble spielt hingegen fast im Dunkeln und bietet damit den Songs die Bühne und Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Samys Hymnen an Mama und seinen eigenen kleinen Superheld transportieren Liebe bis in die letzten Ecken des Zeltes. Sogar gerade dieser Superheld findet gegen Ende des Abends noch Platz auf der Bühne: Das Konzert scheint vorbei zu sein, die Menge schreit nach einer Zugabe und die gibt Samy Deluxe gemeinsam mit seinem Teenagersohn Elijah Malik Russel.

2) Und plötzlich steht Sia auf der Bühne

Das stimmt natürlich nicht so ganz, aber einige Sekunden hätte man über fast jedem Kopf ein Fragezeichen einblenden können, als der blonde Wirbelwind auf die Bühne springt. In einem Lack-Onesie und weißem Longbob sieht der Rap-Act aus, als käme sie geradewegs aus einem Sia Musikclip. Die Hamburgerin Fantasma Goria nimmt mit ihrer überraschend guten musikalischen Einlage die Bühne komplett für sich ein, sodass Samy für kurze Zeit in Vergessenheit gerät.

3) Kein Konzert durch Handybildschirme

Unsere Gegenwart ist geprägt von Smartphones, dem Internet und dem öffentlichen Teilen seines Privatlebens auf Plattformen wie Instagram, Snapchat und Co. Das Leben wird oft genug durch einen rechteckigen Bildschirm wahrgenommen – am besten zusätzlich durch lustige Filter. Aber nicht so bei diesem Livekonzert. Auch wenn immer mal wieder vereinzelt ein Handy gezückt wird, um einen Lieblingssong für die Ewigkeit zu konservieren, ragen größtenteils nur Hände nach oben. Die Masse springt vor der Bühne tatsächlich mit, feiert jeden Beat und jede Line. Musik genießen wie es sich gehört, mit den eigenen Sinnen und nicht durch einen Bildschirm.

4) Samy – The King himself

Das wohl größte Highlight ist immer noch der Künstler selbst. Neben einem Mikrophon bräuchte Samy Deluxe nichts Weiteres als seine Stimme, um ganz Freiburg zu animieren. Gleich einem Maschinengewehr haut er eine Line nach der anderen raus, sodass Doubletime-Rapper ihren Hut ziehen sollten. Der Künstler bringt selbst eingefleischte Rapfans zum Staunen, während er zwischen zwei Schlagzeugen eine Soloeinlage an den Tag legt.

5) Das Anti-Highlight

Die Heimfahrt und Egoismus auf ganz neuem Niveau: Zugegeben, das ist kein Highlight und um Samy Deluxe geht es in diesem Punkt auch nicht. Gesagt werden muss es trotzdem: Am Abend des 26. Julis musste aufgrund von Unwetterwarnung des ZMF Gelände geräumt werden. Bei Samy war zu diesem Zeitpunkt schon alles vorbei. Alles verlief reibungslos bis zur Straßenbahnhaltestelle der Linie 5. Schon beim zweiten Halt fühlte man sich in die ersten Reihen des Zirkuszelts zurück versetzt – genauso heiß, eng und stickig. Während die meisten Insassen gut mit der Situation klar kamen und sich über die Konzerte unterhalten, hebt eine Handvoll älterer Herrschaften an der nächsten Haltestelle Egoismus auf ein anderes Level: Sich panisch in die Sardinenbüchsen-Bahn zu schmeißen, als hätten sie noch nie etwas von einer Lichtschranke gehört, verteilen sie lauthals Beleidigungen und Androhungen von Gewalt in der Bahn, als wären es Lollipops. Rücksichtnahme vor Menschen in Rollstühlen oder mit Krücken? Fehlanzeige. Leute aussteigen lassen? "Ne, wir stehen hier" gibt es da als Antwort, während zeitgleich die jüngeren Mitfahrer problemlos miteinander agieren. Da sag nochmal Einer, die "Jugend" habe kein Respekt vor Anderen.

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