Vier aktuelle politische Dokus, die man dieses Wochenende schauen sollte

Gina Kutkat

Proteste nach der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang und eine Bilanz nach sieben Monaten AfD im Bundestag. Wir empfehlen vier Dokumentationen, die sich mit politischen Themen beschäftigen – und die jeder schauen sollte.

Die AfD im Bundestag, 44 Minuten

Sieben Monate sind seit dem Einzug der AfD in den Bundestag vergangen. Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland hatte damals angekündigt: "Wir werden sie jagen!". Wie wahr das Versprechen geworden ist, zeigt diese Dokumentation. Das Verhalten der AfD-Abgeordneten lässt sich mit zwei Worten erklären: Protest und Provokation. Da hält ein Abgeordneter eine Rede über EU-Abgasnormen, obwohl das Thema schon längst durch alle Fachausschüsse gegangen ist. Ein AfD-Manöver, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als die Partei dafür kritisiert wird, zeigt die Kamera eine pöbelnde Beatrix von Storch sowie Alice Weidel und Alexander Gauland, die wie zappelige Kinder auf ihren Stühlen vor-und zurückrollen. Politiker wie Wolfgang Kubicki von der FDP und Britta Haßelmann von den Grünen äußern sich zu diesem und anderen Zusammenstößen mit AfDlern – spannend!

Wild, Wild Country, Sechs Teile à 60 Minuten

Kann eine Dokumentation über den indischen Guru Bhagwan Shree Rajneesh politisch sein? Ja, kann sie. Und nicht nur das: Was in der sechsteiligen Netflixserie "Wild Wild Country" gezeigt wird, fesselt von der ersten Minute an. Wer war Bhagwan (oder Osho, wie er später genannt wird)? Was passierte in seinem Ashram? Welche Rolle spielt seine persönliche Assistentin Sheela? "Wild Wild Country" lässt Bewohner aus dem kleinen Ort Antelope in Oregon zu Wort kommen, die in den 80er Jahren die Gründung und Konflikte der Kommune miterlebten. Als weitere Zeitzeugen sprechen Sheela und ehemalige Sannyasins – so werden die Schüler von Bhagwan genannt – vor der Kamera. Übrigens: Auch in Freiburg lebten in den 80ern mehrere hundert Anhänger der Bhagwan-Bewegung.


Die dunkle Seite des deutschen Rap, 44 Minuten

Wie steht es um das Judenbild im Deutsch-Rap? Spätestens seit der umstrittenen Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang am vergangenen Wochenende ist das Thema wieder aktuell. Dabei begann die Debatte über antisemitische Songtexte im deutschen Rap schon früher, und zwar mit dem Rapper Haftbefehl. Seine alte Textzeile "Und ich ticke Kokain an die Juden von der Börse" fiel schon 2014 auf. Der Rapper distanzierte sich schon mehrmals davon, sein ehemaliger Manager Erfan Bolourchi sagt in der WDR-Doku: "Haftbefehl ist kein Antisemit. Die Zeile [...] ist die Realität, die wiedergegeben wird." Es kommen weitere Rapper zu Wort, die den Antisemitismus-Vorwurf widerlegen möchten. Wissenschaftler, die Rap-Videos und Songtexte deutscher Rapper analysierten, kommen zu einem anderen Fazit.
RE: Fairer Job – Chancengleichheit am Arbeitsplatz, 29 Minuten, bis Juli 2018 verfügbar

Equal Pay ist für die meisten in Deutschland noch ein Traum. Ein Land, das in dieser Hinsicht fortschrittlicher ist, ist Island: Seit Jahren gilt der Inselstaat als das Land mit der größten Gleichstellung auf der Welt. Gleichberechtigung wird dort gelebt: Die Arte-Dokumentation begleitet Katharina, die an der Uni Freiburg studierte und schwanger nach Island ausgewandert ist, damit sie sich nicht für Kind oder Karriere entscheiden muss. Stellt Gabriele Görtz vor, die drei Kinder hat und 75 Prozent als Managerin für SAP arbeitet, eines der größten Software-Unternehmen der Welt. Außerdem wird das deutsche Unternehmen Pieron gezeigt, das explizit Mädchen an den Beruf als Industriemechanikerin heranführt.
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