Video Kings-Vorpremiere: Ein Til als Til

Lisa Geiger

Wenn Produktionsfirma und Verleih nicht genug Geld für eine große Werbekampagne für ihren neuen Film haben, bleibt ihnen nur das Hoffen auf Mund-Propaganda. Ein Weg, die Anzukurbeln ist das Zeigen des Films bei Vorpremieren. Lisa war gestern in Köln bei genau so einer Vorpremiere. Zu sehen gab es die deutsche Low-Budget-Komödie Video Kings mit Oliver Korritke, Bela B. Felsenheimer und Til Schweiger. Und Til, natürlich! Live und in Farbe.



Die Vorpremiere

In 13 größeren Städten gab es in den letzten Wochen Vorpremieren, neumodisch Secret Shows genannt, für den Film "Video Kings". Jede der Vorpremieren stand unter der Schirmherrschaft eines Schauspielers des Film: Bei der letzten Vorpremiere in Köln sollte Til Schweiger höchstpersönlich dabei sein.

Aus dem Magazin Uncle Sally's hatte ich von der Vorpremiere erfahren. Ein Anruf beim Kölner Kino und ein Gespräch mit einer netten Computerstimme später, und mir waren zwei Karten versprochen. Soweit, so gut.



Video Kings ist eine Low-Budget-Produktion; Der Film soll jetzt mit wenig Geld bekannt gemacht werden, deswegen gibt es Sponsoren-Deals mit Firmen wie Uncle Sally's, Nokia oder Titus und die Vorpremieren. Sinn und Zweck der Veranstaltung ist also: Einen Kreis von interessierten Leuten mit einer Vorpremiere plus Star ködern, damit die völlig beeindruckt allen ihren Freunden davon erzählen.

Diese Veranstaltung ist also Werbung, und was Werbung ist, dem traue ich nicht so völlig. Kommt Til wirklich? Oder gibt es nur ein Video, zu sehen, in dem Til Schweiger uns was vom Pferd erzählt?  Ist sein Name nur ein wirkunsvoller Köder?

Ich sollte es herausfinden.

"Da ist er doch!"

Ersteinmal herrscht aber überraschende Leere im Kino. Ein paar aufgeregte Besuchergrüppchen stehen bei den Video Kings Plakaten rum aber von Til Schweiger keine Spur. Dafür gibt es gelangweilte Kameraleute, Fotografen von Nokia und den Regisseur Ali Eckert. Eine große Pappfigur von Video-Kings Figur Captain Red und ein eingerahmtes Portrait von Protagonist Hotte mit Loch als Gesicht sollen fotografierfreudige Besucher zum Gesicht-reinhalten animieren. Um acht soll es los gehen. Eine Viertelstunde vorher macht der Gästeliste-Stand vor dem Eingang auf. Jeder Medienmensch bekommt ein pinkes Bändchen. Langsam wird es voller in der Vorhalle des Filmpalast, und lauter und aufgeregter noch dazu. Ich bekomme mit, dass sich eine Frau mit  "Hallo, ich bin von TV Total!" am Pressestand anmeldet.



Während ich mit einer dreadgelockten Nokia-Fotografin rede, und sie frage, wann denn der Til kommt, deutet sie ungerührt zum Eingang: "Da ist er doch." Woah. Tatsächlich.

Til Schweiger läuft an mir vorbei zum Papp-Captain Red und stellt sich hinter die Figur, die ja auch er selbst ist. Ein Til als Til: Fantastisch! Ich mache ein Foto.



Fantastisch finden das auch die anwesenden Pressefotografen und Kameraleute und innerhalb von Sekunden bildet sich eine aufgeregt blitzende Meute um mich und ihn herum, die dem kleinen Til dann doch etwas unangenehm zu sein scheint.

Er schenkt den Kameras ein strahlendes Lächeln. " Ich bin in zehn Minuten wieder da." Und dann ist Til erstmal wieder weg.



Die Aufregung ist vorbei, und es wird wieder ruhiger im Kölner Filmpalast. Mein Begleiter und ich beziehen schonmal unsere Sitze in Kino 11. Blaugrau und zerschrammt sind Sitze und Vorhang; Das Low-Budget-Kino passend zum Low-Budget-Film.
Jetzt ist erstmal warten angesagt, auf Til und auf den Film. Endloses Geschnatter aus allen Sitzreihen und ein Kameramann, der das Publikum filmt. Na, wenn sonst keiner da ist... Wir stellen fest, das neben mir und meinem Begleiter eine Bekannte des Regisseurs sitzt. Til lässt sich Zeit und taucht gegen halb neun in Begleitung der beiden Regisseure Ali Eckert und Daniel Acht im Kinosaal auf.

"Tanja, gell?"

Endlich, unter Beifall und lautem Rufen, schlendern Til und die Regisseure in den Saal. Ali Eckert begrüßt das Publikum: "Hallo, schönen guten Abend!" Dann lässt er  auch gleich seinen Star ans Mikro. Til schwärmt drauflos. "Ich selber find den Film geil, der ist gemacht worden ohne Geld, die Regisseure haben sich den Arsch aufgerissen. Es ist ein Film, der Mut macht für alle Leute, die Geschichten erzählen wollen, die Filme machen wollen und kein Geld haben und keiner, der an sie glaubt. Was die vollbracht haben, ist ein richtig geiler, cooler, deutscher Film"

Während er redet, wedelt eine Dame in der ersten Reihe mit einem rosa Luftballon. Til grinst diebisch und erklärt: "Ich war heute bei Einslive und da gab's ein Gewinnspiel und da hat die junge Dame, wie war dein Name nochmal?, Tanja, gell?, und sie hat gewonnen weil sie die Frage beantworten konnte, in welchem Film ich das Licht der Leinwand oder der Welt erblickt habe. Manta Manta!"

Er gibt ihr Küsschen auf die Wange und bemerkt kokett: "Und das daneben ist ihr Mann, gell?" Dieses verkümmerte badische "gell" kann man an diesem Abend häufiger hören. Wir erinnern uns: Til ist ein Bobbele! Man hört Herrn Schweiger seine Freiburger Geburt immer noch an. Dann noch ein "Okay, ich wünsch euch viel Spaß, ja?" Und weg ist er.



Der Film

Video Kings handelt  von zwei ziemlich erfolglosen Angestellten, Flo (Fabian Busch) und Hotte (Wotan Wilke Möhring), die in einer Videothek in Berlin-Neukölln arbeiten. Trotz recht flachen Plots ist Video Kings eine unterschwellig sehr komische Komödie ähnlich dem amerikanischen Filmklassiker "Clerks- die Ladenhüter". Die selbsternannte Trash-Komödie ist einer der wenigen wirklich witzigen deutschen Filme und glänzt mit Gaststars wie Bela B. Felsenheimer, Badesalz und Til Schweiger.
Til macht in der Rolle des Captain Red eine eher begrenzt lustige Figur, wohingegen Bela als diebischer Punker Tommy ein echter Brüller ist. Der Soundtrack kann sich auch hören lassen: Neben Bands wie das Frivole Burgfräulein, bei der Secret Show in Köln grölend anwesend, sind Muff Potter, EL*KE und die Beatsteaks mit dabei.

"Ihr seid unsere Plakate!"

Das Publikum im Kölner Filmpalast ist von Video Kings vollkommen begeistert und klatscht die Regisseure zu einem Schlusswort herein. Ali Eckert entschuldigt sich: "Til ist jetzt zurück im Hotel. Er sagt, ihr werdet es ihm hoffentlich verzeihen. Wir versuchen, ihn zu ersetzen, können wir aber gar nicht"
Schon verständlich, dass er nicht mehr dabei ist: Er war am selben Tag ja auch bei Einslive und TV Total, und irgendwann will auch ein Til Schweiger mal ins Bett.

Dann dankt Ali Eckert den Sponsoren des Films überschwenglich und ausführlich: "Independent schön und gut, nur wenn man das Ding auf die Leinwand bringen will, das kostet eine Schweinekohle, die wir nicht haben." "Wir haben keinen Fernsehsender, wir haben keine Filmförderung, wir haben nur euch!", fügt der zweite Regisseur Daniel Acht hinzu. "Und nen geilen Film!", ruft eine begeisterte Zuschauerin aus dem Publikum. Ein begeisterter Sturm von Applaus los.

"Ihr seid unsere Plakate! Wenn ihr meint, dass der Film denn gut war, und ich hatte so leicht den Eindruck, dann kommuniziert mit euren Freunden, Bekannten oder Feinden. Und wenn euch der Film nicht gefallen hat, dann... Haltet's Maul!", appeliert Daniel noch an sein sowieso schon überzeugtes Publikum.
Als Schmankerl holen die Beiden dann noch, zur Überraschung aller Anwesenden,  Hauptdarstellerin Monica Nancy Wick und den Sponsor Titus vom gleichnamigen Skateshop vom Filmsessel auf die Bühne.

Klatschklatsch. Jubeljubel.



Mein Fazit

Ganz exklusiv bekam gestern in Köln ein kleines Publikum nicht nur Video Kings sondern auch viele wichtige Leute in und um den Film zu sehen, rund eine Woche vor dem offiziellen Filmstart. Ab Donnerstag, den 6.September, darf auch der Otto-Normal-Kinogänger die Trash-Komödie mit Til Schweiger im Kino bestaunen. Ich finde, Video Kings ist ein ganz wunderbarer Film. Nur das Ende kommt ein wenig überhastet daher. Das Highlight: Vokuhila-Träger Hotte berlinert sich schön schräg durch den Film.

Musste kieken!



Mehr dazu:

Video Kings: Website& Trailer