Gruppenvergewaltigung in Freiburg

Verdächtiger springt aus Amtsgerichtsfenster und flieht – mit mehreren Knochenbrüchen

Joachim Röderer

Der 18-Jährige konnte fliehen und sich für fast vier Stunden den Behörden entziehen: Aber jetzt sitzt im Fall der Gruppenvergewaltigung beim Hans-Bunte-Areal ein zehnter Tatverdächtiger in U-Haft.

Die Festnahme brauchte zwei Versuche: Am Nachmittag war der 18 Jahre alte Algerier während der Vorführung vor dem Haftrichter aus sechs Metern Höhe aus einem Fenster in den Innenhof des Amtsgerichtes am Holzmarkt in der Altstadt gesprungen. Trotz mehrerer Knochenbrüche im Fuß konnte er entkommen und untertauchen – immerhin für knapp vier Stunden.


Die spektakuläre Flucht fand dann erst am Abend gegen 19.30 Uhr ein Ende. Nachdem ein Großaufgebot der Polizei nach dem jungen Mann gesucht hatte, wurde der Tatverdächtige schließlich in Littenweiler entdeckt. Zum zweiten Mal klickten an diesem Tag dann die Handschellen.

Ins Visier der Ermittler war der 18-Jährige durch Zeugenvernehmungen geraten. Dabei hatten die Fahnder Hinweise auf den Mann gekommen, der in jener Nacht zum 14. Oktober ebenfalls im Hans-Bunte-Club gewesen sein soll. Der junge Mann mit algerischer Staatsangehörigkeit sei ohne festen Wohnsitz und polizeilich bereits durch Eigentums- und Drogendelikte in Erscheinung getreten, so der Polizeibericht. Der Verdächtige konnte am Mittwoch gegen 12.15 Uhr nahe einer Gemeinschaftsunterkunft im Emmendinger Stadtteil Mundingen festgestellt werden.

Beherzter Sprung aus dem Fenster

Gegen 15.45 Uhr war er dem Haftrichter im Freiburger Amtsgerichtsgebäude vorgeführt worden. Anwesend waren dabei ein Dolmetscher, zwei Mitarbeiter des Jugendamtes sowie zwei Polizeibeamte. Der Haftrichter hatte beim Beschuldigten auf Rückfrage bei den Polizisten, die keine Bedenken hatten, die Handschellen entfernen lassen. Während dem Beschuldigten der Haftbefehl in die arabische Sprache übersetzt wurde, sprang dieser auf, schob den Dolmetscher zur Seite, öffnete das Fenster und sprang aus dem ersten Obergeschoss in den Innenhof des Gerichtsgebäudes.

Den Polizisten und den alarmierten Wachtmeistern des Gerichts gelang es nicht, den Entsprungenen zu stellen. Dazu brauchte es dann die eingeleitete Großfahndung. Am Donnerstag wurde dann bekannt, dass sich der 18-Jährige beim Sprung aus dem Fenster mehrere Knochenbrüche in einem Fuß zugezogen hat. Ihm wurde dann in der Uniklinik zum zweiten Mal der Haftbefehl eröffnet, wie Lars Petersen, der Pressesprecher des Amtsgerichtes, mitteilte. Danach sei der Beschuldigte in die Justizvollzugsanstalt Konstanz gebracht worden.

Nach Angaben der Polizei passt die DNA-Probe

Untersucht wurde auch, ob zu dem Festgenommenen eine am Opfer der Gruppenvergewaltigung gesicherte DNA-Spur passt, die bislang noch keinem Verdächtigen zugeordnet werden konnte. Das Landeskriminalamt meldete am Donnerstagnachmittag, dass die DNA des Verdächtigen identisch mit der DNA-Spur ist.
Aktuell sitzen nun zehn Männer in Untersuchungshaft. Neben dem jetzt festgenommenen Algerier stehen noch acht Syrer und ein Deutscher unter dringendem Tatverdacht.
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