Verborgene Theken: Kim Hao in der Unterwiehre

Andreas Meinzer

Im Asia-Restaurant Kim Hao gibt es neuerdings original vietnamesische Pho-Suppe nach traditioneller Rezeptur und Zubereitung.

Kim Hao - ein Familienbetrieb

Zwar nicht vom Tellerwäsche zum Millionär, jedoch vom Tellerwäscher zum Restaurantbetreiber hat es Dinh Hai Uong (55) gebracht. Im Jahre 2003 kam er mit seiner Familie von Saigon nach Freiburg, um im chinesischen Restaurant seiner Schwester in der Merianstraße als Spülkraft zu arbeiten. Selbst kein gelernter Koch, lernte er in der Küche viel dazu, durfte sich nach wenigen Monaten auch selbst am Wok ausprobieren und entdeckte sein Kochtalent. Dann kündigte einer der Köche des fünfköpfigen Küchenteams und er übernahm seinen Posten, war aber anfangs über drei Jahre ausschließlich für die Zubereitung von gebratenem Reis und gebratenen Nudeln zuständig. Bei Freunden, die bereits in der Gastronomie tätig waren, eignete er sich immer weiteres Wissen über das Kochen an. Um 2008 hatte er es dann zum Vollkoch geschafft.

Als 2013 der Pachtvertrag der Schwester nicht verlängert wurde, ergriff Uong mit seinen Ersparnissen die Chance, um sich mit einem kleinen Asia-Imbiss in der Hummelstraße selbstständig zu machen: dem Kim Hao. Dort bot die Familie, zu der noch Ehefrau Phuoc Huong (48) und Sohn Nhat Hoang (28) gehören, zunehmend, neben chinesischen Speisen wie Chop Suey oder Ente Sezuan, Gerichte aus ihrer Heimat an. Der Laden lief sehr gut, war aber zu klein und die Pacht vergleichsweise hoch. Als Mitte 2017 die ehemalige Pizzeria Da Giovanni in der Freiaustraße frei wurde, zog das Kim Hao in die dortigen Räumlichkeiten, die viel Platz bieten.

Die Küche: Pho-Suppe – die neue Spezialität des Hauses

Mit dem Umzug in die Freiau inmitten der alten, schindelbedeckten Häuser, wurde das Speisenangebot traditioneller. Passend zur kalten Jahreszeit nahm Familie Uong diesen Winter eine Suppenspezialität der vietnamesischen Küche auf die Speisekarte: Pho-Suppe. Zur Zeit des Vietnamkrieges Anfang der 1970er Jahre etablierte sich die Pho in Vietnam als das Nationalgericht schlechthin. In Hanoi, im Norden des Landes, verkaufte ein Koch seine auf dem französischen Pot au feu (Feuertopf) basierende Suppenkreation an Marinesoldaten und Fliegerpiloten, die sich immer größerer Beliebtheit erfreute – auch wenn sie zu Anfang ein "Essen für reichere Leute war", wie Nhat Hoang erzählt. Die Großtante seines Vaters besaß ebenfalls in Hanoi, wo die Familie des Vaters ursprünglich herkommt, einen großen Laden für Pho.

Dort lernte sein Vater schon als kleiner Junge die traditionelle Zubereitung kennen. Wenn er heute seine Heimat besucht, geht er viel auf Essensmärkte und probiert das Gesehene und Erschmeckte selbst am Herd aus.

Die Basis der Suppe ist eine Brühe, die 15 Stunden lang mit Gewürzen wie Kardamom, Zimt, Ingwer und Sternanis gekocht wird. Die letzten sechs Stunden des Kochvorgangs wird vorgekochtes Rindfleisch zugegeben. "Eigentlich wird Pho auf heißen Kohlen gekocht", erzählt Nhat, "doch das ist leider hier nicht möglich". Serviert wird die Pho mit Lauchzwiebeln, Sojasprossen, Koriander, Chilischoten-Stückchen und Rinderhackbällchen, von Mutter Phuoc Huong selbstgemacht. "Die zahlreichen Kräuter und Gewürze haben eine gesundheitsfördernde Wirkung. So beruhigt beispielsweise Kardamom den Magen, Ingwer fördert die Durchblutung und Sternanis hilft gegen Entzündungen der Atemwege", heißt es auf einem Plakat, das an einer der ansonsten nur dezent, mit einigen Blumen- und Wasserfall-Motiven, geschmückten Wände des schlicht eingerichteten Lokals angebracht ist. Die Pho-Suppe, die in Vietnam bereits zum Frühstück gegessen wird, gibt es für 7,50 Euro, wie auch die anderen Rindfleischgerichte. Die Gerichte mit Huhn kosten 5,50 Euro, jene mit Schwein 6,50.

Die Lokalität und das Publikum

Bedingt durch die Lage direkt hinter dem Rotteckgymnasium, mit weiteren Schulen wie dem Angell in unmittelbarer Nähe, und die günstigen Preise, sind hier gerade mittags sehr viele Schüler anzutreffen, aber auch Geschäftsleute aus den umliegenden Bürokomplexen in der Heinrich-von-Stephan-Straße, wo sich auch die Polizeiwache befindet, deren Polizisten hier auch gerne speisen. Ansonsten ist das Lokal ein Treffpunkt für Jung und Alt aus der Nachbarschaft.

Adresse

Kim Hao
Freiaustraße 3
79100 Freiburg im Breisgau
Tel.: 0761 / 29084562

Öffnungszeiten

Mo-Fr, 11.30 – 22 Uhr,
So, 13.30 – 21.30 Uhr
Samstag ist Ruhetag