Verborgene Theken: Kellerstrauße Schallstadt

Stephan Elsemann

Winzer haben die Straußenwirtschaften erfunden, um ihren Wein auch ohne Gaststättenkonzession ausschenken zu können. Oft sind die Straußis zu lieblosen Stätten der Massenabfertigung degeneriert. Diese hier aber nicht. Der Kaltenbachhof überzeugt mit gutem Essen und herzlicher Bewirtung.



Ambiente

Doch zuerst einmal ist der Empfang recht frostig. Die Kaltenbachs wollen ihre Ruhe haben. Es ist schließlich Sonntag und noch eine Stunde bis zur Öffnung. "Jetzt kummet Sie halt in erer Stunde wieder." Na gut, machen wir und haben jetzt viel Zeit, uns Schallstadt anzuschauen, einen Ort an der B 3, der Ausfallstraße nach Süden, ein Ort, den man häufig im Vorbeifahren links liegen lässt.

Die große Straße bewegt die Schallstädter. Je weiter man sich von ihr entfernt, desto mehr blaue  Schilder hängen an den Häusern, die sich gegen eine Ortsumgehung stark machen, eine Umgehungsstraße, die vermutlich diesen Häusern zu nahe kommen würde, sollte sie jemals gebaut werden.

Ansonsten verdöst Schallstadt den Sonntagnachmittag. Der Ort ist ein Mix aus alten, dörflichen Bauformen und neuen Wohnansiedlungen, wie sie für eine Schlafstadt in der Nähe Freiburgs typisch sind. Ab und zu sieht man Leute in ihren Gärten werkeln und wer etwas anbaut, bietet es oft gleich an der Straße an. Zur Zeit sind es Kürbisse, die mit ihrer fröhlichen Farbe für sich selbst Werbung machen. Schnell ist man aus den Siedlungen herausspaziert und befindet sich in der Rheinebene zwischen Feldern und Wiesen.



Zurück beim Kaltenbachhof verstehen wir sofort, warum die Wirtsleute ihre Ruhepause verteidigen. Der Laden brummt wie verrückt. Bereits kurz vor vier steht eine größere Zahl von Gästen vor der Kellertür und begehrt Einlass. Zehn Minuten nach der Öffnung sind schon fast alle Plätze besetzt. Alle Plätze – das sind mehr als vierzig und deshalb gaben Brigitte und Max Kaltenbach schon wenige Jahre nach der Öffnung 1992 ihren Straußenstatus auf und erwarben eine Gaststättenkonzession. Neben dem schönen Gewölbekeller aus dem Jahr 1765 wird noch der Hofladen als Gastraum genutzt. Das bedeutet fürs Personal ein ständiges treppauf treppab, denn die Räume liegen auf verschiedenen Niveaus.



Publikum

Der Besen vor der Tür ist allerdings etwas mehr als nur eine nostalgische Erinnerung, denn die Kaltenbachs geben sich große Mühe, die Straußentugenden von der einfachen und sorglosen Gastlichkeit zu bewahren.

Viele Gäste werden von den Wirtsleuten persönlich begrüßt. Drinnen sitzen Städter, Einheimische und Touristen bunt durcheinander. Man muss die wuselig-laute Atmosphäre schon mögen. Und der Gewölbekeller tut das seine zum Geräuschpegel. Besonderen Wert legt man auch darauf, dass sich Kinder mit ihren Eltern wohlfühlen. Plätze reservieren kann man wegen des großen Andrangs zwar nicht, aber es muss auch niemand warten.



Das Besondere

Der Auftrieb hat seinen Grund. Kaltenbachs haben einen guten Ruf nicht nur wegen der herzlichen Art, sondern wegen ihrer Brägele. Wir durften mal in die Küche schauen und Brigitte Kaltenbach zeigt, worauf es ankommt. Verwendet werden Kartoffeln aus eigenem Anbau, von der Sorte Agria. Das ist eine eher mehlige Sorte. Die Kartoffeln werden als Pellkartoffeln gekocht, mit Schale und dann erst gepellt. Danach werden sie geschnitten und – das ist wichtig – in Schweinschmalz in der Pfanne gebraten mit etwas Speck und Zwiebeln.

Wobei Frau Kaltenbach gleich betont, dass man auch vegetarische Bratkartoffeln bekommt. Und überhaupt, dass sie hier gerne jeden Sonderwunsch erfüllen. Deshalb hängt an der Küche auch eine extra Liste, die die wichtigsten Sonderwünsche auflistet. Mehr von den leckeren Brägele, das ist der häufigste Sonderwunsch, oder Brägele, wenn sie eigentlich nicht vorgesehen sind oder mal nur eine halbe Portion davon, all das ist kein Thema hier, sondern Selbstverständlichkeit.



Auf der Speisekarte

Wer in eine Straßenwirtschaft geht, erwartet ganz bestimmte Dinge auf der Karte und alle Erwartungen werden hier auch bedient – in großen und kleinen Portionen. Natürlich ist der  Flammenkuchen dabei, mit Rahm, Speck und Käse (5,50 Euro groß, 3,30 Euro klein) oder als flambierter Apfel-Flammenkuchen für 5,50 Euro. Zu den Standards in einer Straußenwirtschaft gehören der Wurstsalat mit Brägele (7 Euro groß, 5,30 Euro klein), das Schäufele mit Kartoffelsalat (7 Euro groß/5,30 Euro klein), oder der Bibiliskäs mit Bauernbrot (4,50 Euro groß, 3 Euro klein). Exot auf der Karte ist daher der Matjes nach "Art des Hauses" (6,50/4,90 Euro). Ein Rezept der Oma hat hier Duldung im Kanon der Straußenhighlights gefunden.



Kaffeepreis

Kaffee und Espresso kosten 1,50 Euro. Doch viele Gäste werden ein Viertel Wein trinken wollen, denn schließlich ist eine Strauße eine Winzerkneipe und damit verbindet sich die Hoffnung, dass die Weine besonders gut und besonders günstig sind. Ein Viertel trockener Gutedel Fasswein kostet 2,10 Euro. Ein Viertel Spätburgunder bekommt man für 3 Euro. Reizvoll in Gesellschaft ist die "kleine Weinprobe" (6,50 Euro). Man bekommt fünf kleine Gäser und kann sich durch verschiedene Rebsorten trinken. Weinschorle kostet 1,80 Euro. Ein große Flasche Mineralwasser bekommt man für 2,20 Euro.



Eine Spezialität sind die hauseigenen Schnäpse, für die Sohn Thomas Kaltenbach verantwortlich zeichnet. Sie werden bis auf den seltenen Zibärtle-Schnaps mit hauseigenem Obst gebrannt. Zehn verschiedene gibt es, ein Gläschen (2cl) kostet zwischen 1,40 und 2,80 Euro.

Wegbeschreibung

Mit dem Zug nach Schallstadt fahren. Vom Bahnhof links herum gehen, dann in die erste Straße rechts abbiegen, und die zweite links abbiegen in den Scheuerleweg, dann rechts in die Winzerstraße und wieder links in den Ölerweg. Der Kaltenbachhof ist das erste Gebäude rechts – nicht zu übersehen. Sechs Minuten Laufzeit vom Bahnhof Schallstadt. Züge verkehren halbstündlich im Laufe der Woche und stündlich am Wochenende.

 

Adresse

Kellerstrauße
Ölergasse 2
79227 Schallstadt
07664-71389
info@kaltenbachhof.de
Web: Keller-Strauße

Öffnungszeiten

Montag, Dienstag, Freitag
17 bis 24 Uhr

Samstag
16 bis 24 Uhr

Sonntag
16 bis 23 Uhr

Mittwoch und Donnerstag geschlossen

Jahresöffnungszeiten von Mitte März bis Mitte Mai
und Mitte September bis Mitte November.
Die Kellerstrauße macht Winterpause ab 9. November.

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Stephan Elsemann