Verborgene Theken: Goldene Krone, St. Märgen

Stephan Elsemann

Ein Vorzeigeprojekt ist die Goldene Krone in Sankt Märgen. 20 Landfrauen haben sich zusammengetan, um ihre Gäste auf traditionelle Weise zu bewirten. Mit regionalen Produkten. Ein nicht ganz günstiger, aber lohnender Ausflug zum Schwarzwälder Wohlgeschmack.



Ambiente

Rauchen verboten! Auch draußen, das macht ein Schiefertäfelchen unmissverständlich klar. Und jedem lieben Gast, der's übersehen haben will, sagt ein kleines Schild auf den Tischen, dass hier wirklich nicht geraucht werden darf. Die Schildchen hätten sich vermutlich nicht gedacht, dass sie im beruflichen Einsatz einmal nass werden könnten, obwohl sie aus Aluminium sind und für den Außeneinsatz bestens gerüstet.

In der ehemaligen Klosterherberge, die picobello renoviert wurde, sind sie alle entschiedene Nichtraucherinnen, die Landfrauen, die adrett in weiß gekleidet den Gasthof bewirtschaften.



Publikum

Es brummt am Pfingstmontag. Die übliche Mischung aus Feiertagsausflüglern, Einheimischen und nicht wenigen Radfahrern besetzen fast alle Tische draußen wie drinnen. Fast alle haben sehr zufriedene Gesichter – und das hängt sicher auch mit der Herzlichkeit der Frauen zusammen. Man merkt, dass sie überzeugt sind von dem, was sie hier tun.



Kaffeepreis

Milchkaffee kostet 3,20 Euro. Espresso bekommt man für 2,30 Euro, ein doppelter Espresso kostet 4,30 Euro. Zwei Schluck Kaffee für 4,30 Euro! Schnell einmal in den Arm kneifen und dann aufwachen. Nein, wir sitzen doch nicht auf den Champs-Elysées. Zur Beruhigung erfahren wir aus der Karte, dass hier die Milch zum Kaffee von Hand aufgeschäumt wird.

Auch die Limonaden werden selbst gemacht. Eine Holunderlimonade kostet (0,2l) 2,30 Euro. Cola? Fehlanzeige. "Wir wollen keine Großkonzerne unterstützen", sagt Walburga Rombach, die seit Beginn dabei ist. Bier gibt's aber. Ein Bräunlinger Kellerbier kostet (0,3l) 2,40 Euro, ein Tannenzäpfle 2,20 Euro.



Auf der Speisekarte

Star der Kuchentafel ist der Käsekuchen mit Baiserhaube für 2,30 Euro. Er schmeckt extrem gut – frisch sahnig, zwischen leicht und schwer dezent ausbalanciert und nicht zu süß. Hefezopf kostet 2,50 Euro. Die Schwarzwälder Kirschtorte (3,30 Euro) schmeckt ebenfalls sehr gut, wie Tischnachbarn versichern, und ist viel feuchter als sie aussieht, was auf den beherzten Einsatz von Kirschwasser zurückzuführen ist.



Auch bodenständige Sachen bekommt man zu essen. Hausgemachte Suppen sind dabei – täglich wechselnd zum Beispiel eine Speckknödelsuppe (4,90 Euro) oder eine Nudelsuppe. Die Bratwürste sind ebenfalls sehr lecker (6,90 Euro). Ein Butterbrot mit Honig kostet 4,40 Euro. Die Spezialität des Hauses ist der Käsemichel (10,80 Euro), eine Art Münsterkäse, der mit einer Teighaube überbacken und mit Johannesbeerenkompott serviert wird. Die Landfrauen haben sich dieses Rezept patentieren lassen.



Das Besondere

Das Projekt der Landfrauen ist einzigartig. Sie kaufen ausschließlich regionale Produkte ein, das meiste ist Bio. Jedes Ei wird einzeln aufgeschlagen, nur natürliche Aromen kommen zum Einsatz – ganz nach dem Grundsatz "Eine Kirsche ist eine Kirsche ist eine Kirsche." Das kostet Arbeitszeit und mehr Geld beim Einkauf. Deshalb sind viele der Dinge auf der Speise- und Getränkekarte relativ teuer, was sie durch ihren Wohlgeschmack aber mehr als kompensieren.



Wegbeschreibung

Mt dem Auto über Ebnet, Stegen nach Sankt Peter und dann weiter nach Sankt Märgen fahren. Die Goldene Krone liegt unübersehbar im Ortskern. Fahrtzeit gut 30 Minuten.



Adresse

Café Goldene Krone: Website
Wagensteigstraße 10
79274 Sankt Märgen
07669/9399988

Öffnungszeiten

Mi–Fr 12–18 Uhr
Sa, So 14–18 Uhr
Im Winter Frühstück ab 10 Uhr
Mo, Di geschlossen
Nichtraucherlokal