Verborgene Theken: Anuras Elefant im Stühlinger

Merlin Gröber

Wohnzimmer, Imbiss, Treffpunkt: "Anuras Elefant" an der Stühlingerstraße ist mehr als nur ein Restaurant. Von Montag bis Freitag gibt es für 5 Euro genau ein Mittagessen aus Sri Lanka. Zu einem Preis, der seit 8 Jahren nicht erhöht wurde. Der Betreiber, Anura Thirimanna, ist ein echtes Original:



Ambiente und Publikum

Die Gäste sind bunt gemischt, unter Informatiker aus den umliegenden Büros mischen sich Polizisten, Ärzte und Studierende. "Die Studenten kommen vor allem im Sommer, wenn es warm ist und man draußen sitzen kann", sagt Inhaber Anura Thirimanna.

Willkommen ist jeder. Der Kontakt zu seinen Gästen ist ihm wichtig: "Ich kenne viele meiner Gäste persönlich, einige kommen schon seit Jahren zu mir". Und so erinnert das gemütlich mit Sofas und hohen Tischen eingerichtete Lokal mehr an ein offenes Wohnzimmer als an ein Restaurant. Thirimanna geht herum, schenkt Kaffee aus und gibt Nachschlag. Reich werde er damit nicht, sagt er, "aber solange mir genug zum Leben bleibt, bin ich zufrieden".

Die Speisen

Die Gewürze und Kräuter kommen direkt aus Sri Lanka. Dort besitzt Anura Thirimanna einen kleinen Garten, um den sich seine Schwester kümmert. Seine Cousine arbeitet bei einer Fluggesellschaft, daher seien die Kräuter bereits nach zwei Tagen bei ihm. So komme alles frisch auf den Teller – Qualität, die man schmecke.

Anura Thirimanna kocht viel mit Hülsenfrüchten, frischem Gemüse, Reis und kräftigen Gewürzen. Das Besondere: Thirimanna bereitet seine Speisen im Gartopf zu. Das schone die Vitamine und schmecke besonders lecker. Von Beginn an, sagt er, habe er großen Wert auf Qualität gelegt. Sein Gemüse kauft er zweimal die Woche frisch von den Bio-Ständen auf dem Stühlinger Markt.

Seit acht Jahren habe er die Preise nicht erhöht, obwohl die Kosten für Lebensmittel sich teilweise stark erhöht hätten. Jeden Tag gibt's ein Essen für 5 Euro. Das hat sich offenbar herumgesprochen, und so bildet sich bereits um 12 Uhr eine lange Schlange vor dem Tresen. Um 14 Uhr haben die meisten gegessen, bis 16 Uhr ist geöffnet.

Das Besondere

Anura Thirimanna ist ein echtes Original. Seit 1979 lebt er in Freiburg, arbeitete im Großhandel, lernte Automechaniker, gründete einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung. Den verkaufte er 2003 - und ging mit seiner Freundin auf Weltreise. Nach acht Monaten kehrte er zurück und beschloss, ein Restaurant zu eröffnen.

"Ich hatte noch nie gekocht und hatte keine Ausrüstung - aber ich wusste, dass ich es schaffen kann", sagt er, und lacht. Gemeinsam mit Freunden richtete er das Restaurant ein. Ein Bekannter aus Australien baute ihm den Tresen, ein ehemaliger Arbeitskollege überließ ihm einen Großteil der Küche, und ein Freund schenkte ihm ein altes Auto zum Einkaufen.

Nur kochen konnte Thirimanna noch nicht. Das brachte ihm seine Mutter bei: "Jeden Morgen rief ich sie in Sri Lanka an." Übers Telefon gab sie ihm Schritt-für-Schritt-Anweisungen, bis er alles selber machte. "Am Anfang war die Telefonrechnung höher als die Miete", sagt er.

Außerhalb der Küche hält sich der Sohn eines sri-lankischen Kriminalbeamten durch Pilates und Yoga fit. "Im Sommer spiele ich gerne draußen Volleyball, aber das ist mir jetzt zu kalt", sagt er und lacht wieder. Gerne hätte er mehr Zeit zum Reisen, immer wieder zieht es ihn in die Ferne.

Ans Aufhören denkt der End-Fünfziger aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Im Sommer möchte er ein Straßenfest in der Stühlingerstraße organisieren, mit einer Band und kleinen Ständen. Es sei ihm wichtig, Menschen zusammenzubringen und ihnen eine gute Zeit zu ermöglichen, betont Thirimanna. Deswegen steht er jeden Tag in der Küche, in der immer noch der einst gespendete große Kochtopf im Einsatz ist, und verwöhnt die Gäste in seinem zweiten Wohnzimmer.

Mehr dazu:

  • Was: Anuras Elefant
  • Wann: Mo-Fr 12-16 Uhr
  • Wo: Stühlingerstraße 9
  [Foto: Thomas Kunz]