Verborgene Theken (131): Elephant Beans

Stephan Elsemann

Freiburgs erstes Café mit eigener Röstung im Laden hat seit ein paar Tagen auf. Elephant Beans heißt es und liegt in der Basler Straße. Aber nicht nur das: Auf sensationelle Art bekommt hier Omas handaufgebrühter Kaffee einen Relaunch verpasst. Mit schicken Geräten aus Japan und zur Not einem Kurs in der richtigen Handhabung. Ist das der Trend der kommenden Jahre?



Ambiente

Seit ein paar Tagen ist geöffnet, und noch ist nicht alles fertig. Tisch und Stühle werden noch kommen. Doch der Elefant ist schon da, und damit ist das Lokal ja schon mit seinem neuen Namen verbunden. Martina und Jörg Volkmann werden das Elepapnt Beans zusammen mit Martina Schmditlein als Tagescafé betreiben, als Rösterei und als Geschäft für Schönes, Nützliches und Essbares rund um den Kaffee.

Das Besondere

Elefanten-Bohnen sind eine besonders großwüchsige Sorte aus Mexiko. Elephant Beans ist Freiburgs erste Laden-Rösterei – eigentlich eine naheliegende Geschäftsidee. Warum sich bisher niemand daran gewagt hat, darüber kann man nur spekulieren. Es mag aber mit dem Lärm und der Geruchsentwicklung zusammenhängen. Auch das Café Mahlwerkk aus Emmendingen, das ja eine Saison lang an Oberlinden residierte, hat seinen Café stets nur in Emmendingen geröstet.



Die kleine Maschine in der Basler Straße trägt also eine große Verantwortung, so wie seine Besitzer auch. Langsame Röstungen sind das entscheidende, wenn es um Qualität geht. Während Industriekaffee unter dem Motto 'Zeit ist Geld' in zwei, drei Minuten fertig ist, bekommmen die Bohnen bei Jörg Volkmann zwanzig Minuten Zeit zugestanden. Und vor allem: die Bohnen selbst sind andere. Eine Demoschachtel zeigt, wie Rohkaffee von bester Qualität aussieht und Kaffee, so wie er einem Großröster als Supermarktqualität angeliefert wurde, mit Steinchen drin, mit unreifen Bohn und ähnlichem.

Jörg Volkmann, im ersten Beruf Entwicklungshelfer, wird seine Rohkaffees selbst importieren und in klassischer Fairtrade Manier den Herstellern die entsprechenden Anteil zugestehen. Zu seinem Konzept gehört es auch, ganz bewusst auf Bio-Zertifizierungen zu verzichten. Die Bio-Zertifikate würden die Bauern viele tausend Euro kosten. Die sollen nach seinem Verständnis lieber bei ihnen bleiben. Die Qualtätskontrolle hat er ja auch, indem er den direkten Kontakt zu seinen Produzenten behält und Zwischenhändler auschließt.

Zurück in die Zukunft – der Filterkaffee

Doch auch bei der Kaffeezubereitung gehen die Volkmanns neue Wege. Neue Wege, die ganz alte sind. Der Filterkaffee soll wieder belebt werden. In Zeiten, in denen blitzende Vollautomaten oder gleißende Retro-Siebträgermaschinen die Privathaushalte erobert haben, hat die traurige Tröpfelbrühe aus der Filterkaffeemaschine schwer an Ansehen und Boden verloren. Das liegt vermutlich an den Billigkaffees, die darin zum Einsatz kommen und an den Warmhalteplatten darunter. "Warmhalten geht gar nicht" sagt Jörg Volkmann, "dann wird der Kaffee sofort bitter und sauer". Und überhaupt: Elektrisch lässt sich der Filterkaffee nicht gut zubereiten. Handaufguss ist der Königsweg zu gutem Kaffee - und damit man auch weiß, dass es sich wirklich um den letzten Schrei handelt, kommen alle Gerätschaften für die Handzubereitung aus Japan.



Vor allem der Keramikfilter ist dabei wichtig. Anders als die gewohnten Filter hat er unten ein großes Loch. Der Kaffee muss zügig durchlaufen, denn sonst wird er ebenfalls sauer und bitter. Auch die Rillen der Innenwand dienen dazu, den Kaffee zügig nach unten zu leiten. Das Wasser sollte nicht mehr kochen, wenn aufgegossen wird, sondern um die 90 Grad haben. Dabei hilft ein Thermometer, wenn man will. Langsam angießen, bis das Kaffeemehl durchfeuchtet ist und dann zügig nachgießen. Im Elpehant Beans sollen Kurse angeboten werde, wie man einen Kaffee richtig von Hand zubereitet. Das Ergebnis ist überraschend. Der Kaffee schmeckt so ganz anders, als man es gewöhnt ist, aber wunderbar. Kein Schaum mehr, der vom Geschmack abklenkt, dafür das reine schwarze Vergnügen.

Das liegt natürlich zuallererst auch an den Kaffeesorten, die hier geröstet werden. Perfekt für den Filterkaffee ist der Bobo-Link-Kaffee aus Brasilien. Die etwas längere Geschichte des lustigen Namens sollte man sich von den Volkmanns erzählen lassen. Bobo-Link kostet im 5,20 Euro (250 Gramm). Dann wäre da noch ein Südseeinselkaffee, der wild gewachsen ist, also gesammelt wird, und nicht aus einer Plantage kommt. Aus Vanuatu stammt er, das ist in Papua Neuguinea. Für 9,90 Euro ist man dabei (250 Gramm). Doch eine Espressomischung bekommt man auch für 5,70 Euro (250 Gramm). Die lässt sich auch für Filterkaffee heller rösten. Das ist der Vorteil, wenn die Röstmaschine gleich nebendran steht.

Die Gerätschaften lassen sich hier natürlich auch erwerben. Der Kaffeefilter kostet 23,50 Euro, dazu eine Keramikmühle (39 bis 44 Euro) oder ein schicker Wasserkessel (49,50 Euro).



Kaffeepreis

Espresso kostet 1,90 Euro, Espresso Macchiato 2,40. Einen Michkaffee bekommt man für 2,40 Euro, Latte Macchiato für 2,80 Euro. Ein Kännchen Filterkaffee (hier gibt's auch drinnen nur Kännchen) kostet 4,80 Euro. Tee bekommt man auch für 3,90 Euro, oder eine Schokolade für 2,80 Euro. Mineralwasser kostet 1,80 (0,25l). Eine Fritz-Cola bekomt man für 2,50 (0,3l).

Auf der Speisekarte

Da tut sich noch was. Kuchen wird schon angeboten. Die Volkmanns sind aber noch auf Entdeckungs- und Orientierunsgreise auf der Suche dem adäquaten Süßbegleiter zum Kaffee.

Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen durchs Martinstor in Richtung Günterstal fahren. Hinter der Johanneskirche rechts abbiegen. Das Café liegt gleich hinter der Kreuzung der Kirchstrasse auf der linken Seite.

 

Adresse

Elephant Beans
Basler Straße 12a
79100 Freiburg
0761.42960190
info@elephantbeans.de
Web: Elephant Beans

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
10 bis 18 Uhr

Samstag
10 bis 15 Uhr

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Stephan Elsemann

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