Unnützes Wissen: Die Sammlerin des Wissensschrotts

Gina Kutkat & David Weigend

Annabel Dillig, 27, kommt aus München und ist Redakteurin bei der Zeitschrift NEON. Insbesondere ist sie zuständig für die Serie "Unnützes Wissen", die es seit fünf Jahren gibt und die laut einer Leserumfrage die beliebteste Rubrik im Heft ist. Wir haben nachgefragt, warum wir uns all das unnütze Zeug so leicht merken können und ob es nicht doch auch zu etwas gut ist.



Frau Dillig, wer entscheidet, ob  Wissen unnütz oder nütz ist? Was sind da die Kriterien?

Es gibt keine festen Kriterien. Der Charme der Rubrik liegt in seiner Komik und in der Kombination der Fakten. In einer Zeile heißt es „Schmetterlinge haben den Geruchssinn in den Beinen“ und in der nächsten „Tom Cruise hat 15 Mal die Schule gewechselt“. Politisches oder gesellschaftlich Relevantes gehört nicht in diese Rubrik. „Der Hartz-IV-Regelsatz sieht nur 4,20 Euro für das Ausgeben von Lebensmitteln vor“ wäre zum Beispiel ein Punkt, der wirklich wichtig zu wissen ist – und überhaupt nicht unnütz.

Aber wie passt dann diese Feststellung hinein: „Die Ranch von Al Gore hatte eine schlechtere CO2 Bilanz als die von George Bush“?

Ja, das ist auch politisch in gewissem Sinne – hat aber eben auch was Überraschendes und Augenzwinkerndes. Damit passt es wieder in die Rubrik.

20 Fakten erscheinen pro Heft. Wie recherchieren Sie diese?

Ich mache das nicht alleine – die Redaktion unterstützt mich dabei. Wir sammeln die Fakten über einen Monat hinweg. Wenn man sich mit einer Rubrik näher befasst, verändert das auch die eigene Wahrnehmung. Man liest zum Beispiel gerade ein Buch oder sucht etwas in einem Lexikon und schnappt dabei etwas anderes auf, von dem man sich denkt: „Mensch, das ist ein perfektes unnützes Wissen.“

Und wie sichern Sie diese Fakten ab?

Jeder Punkt, den wir für diese Rubrik sammeln, braucht eine verlässliche schriftliche Quelle, wie zum Beispiel ein Lexikon oder eine wissenschaftliche Arbeit. Wikipedia ist keine sichere Quelle. Oft bekommen wir auch Anregungen von Lesern, die natürlich ebenfalls ihre Quelle nennen müssen, damit wir diese überprüfen können. Unwahr ist allerdings, dass wir uns einen Fakt erst überlegen und dann die Quelle dazu suchen.

Die Rubrik heißt: „20 Fakten, die man im Gedächtnis behält, obwohl man sie sich nicht zu merken braucht.“ Glauben Sie, dass wir uns unnütze Informationen besonders gut merken?

Ich denke schon. Das liegt daran, dass sie oft skurril sind. In allen möglichen Situationen fallen einem die dümmsten Dinge ein, wie zum Beispiel, dass der Fachausdruck fürs Zähneknirschen Bruxismus ist. Wenn ich beim Einkaufen bin und partout nicht mehr weiß, welche Zutaten ich für ein Curry brauche, dann fällt mir ganz sicher ein, dass die Amerikaner und nicht die Chinesen Chop Suey erfunden haben. Das Gehirn spielt uns oft einen Streich, so merken wir uns meist eher die lustigen Anekdoten als die wichtigen Jahreszahlen aus dem Geschichtsunterricht. Es ist einfach komisch zu wissen, dass Wowereit auf Litauisch Eichhörnchen heißt. Würde man so etwas im Studium lernen, dann würde man sich das sicher auch merken.



Wir werden doch heutzutage eh schon mit Informationen überflutet. Wozu brauchen wir da noch so überflüssige Auskünfte wie „Heidi Klums Brüste heißen Ernie und Bert“?

Das ist nur scheinbar überflüssig. Tatsächlich ist es ein sehr nützliches Mittel, um mit anderen Leuten ein Gespräch anzufangen. Man muss sich nur folgende Situation in einer Bar vorstellen: Ein Heidi-Klum ähnliches Wesen kommt vorbei und schon kann man seinen Nachbarn darauf hinweisen, dass Klum ihre Brüste Ernie und Bert nennt. Oder man kann einem Autofan erzählen, dass „AutoBild“ auch in Aserbaidschan verlegt wird. Ich nenne es sympathisches Angeberwissen.

...das Sie auch selbst nutzen?

Klar. Ich weiß, wie gut ich ein Gespräch starte, indem ich erwähne, dass Beate Uhse das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat. Dann kann ich, je nach Gesprächspartner, entweder über Beate Uhse sprechen oder über die Vergabepraxis von Bundesverdienstkreuzen.



Gehen bei Ihnen auch manchmal Beschwerden ein?

Manchmal kann es passieren, dass sich ein Fehler einschleicht. Dann melden sich extrem viele Leser, die es besser wissen. Wir freuen uns aber sehr darüber, wenn unsere Rubrik so genau gelesen wird und so viel Feedback hervorruft.



Welches sind ihre unnützen Lieblingsfakten?

Ich mag die unerwarteten Dinge. Dass Giraffen genauso viele Halswirbel wie Menschen haben zum Beispiel. Oder, dass man schon betrunken wird, wenn man in alkoholischen Getränken nur badet. Am schönsten finde ich die Fakten, die bei mir lustige Bilder im Kopf hervorrufen.

Verlosung

Wir verlosen acht Exemplare des Buches „Unnützes Wissen: 2000 skurrile Fakten, die man nie mehr vergisst.“ (Heyne Verlag, 272 Seiten). Was heißt Eichhörnchen auf Litauisch? Schickt eure Antwort zusammen mit eurer vollständigen Postadresse bis Samstag, 25. Oktober 2008, 12 Uhr, an gewinnen@fudder.de, Betreff: Unnützes Wissen. Die Gewinner werden am darauf folgenden Montag per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.