"Unn jetz kummts": Hans Söllner im Jazzhaus

Daniel Keienburg

Alle Jahre wieder besucht der bayerische Liedermacher Hans Söllner das Freiburger Jazzhaus, in dem er dann meist an zwei aufeinanderfolgenden Abenden Konzerte spielt. So auch wieder am vergangenen Sonntag und Montag. fudder-Autor Daniel hockte am zweiten Abend auf einer Bierbank in den hinteren Reihen und hörte zu.



Hans Söllner sitzt gemütlich auf einem gepolsterten Stuhl, der in der Mitte der ansonsten leeren Bühle steht. Vor ihm stehen zwei Monitorboxen, neben ihm der Verstärker für seine Gitarre, die er auf das rote Palituch legt, das er auf seinem Schoß ausgebreitet hat. Viel sagt er anfangs gar nicht, nachdem irgendwann die Gitarre fertig angestöpselt, blickt er grinsend ins Publikum und lacht. "Jo", "Woast schoa", und der gemütliche Abend nimmt seinen Lauf.


Es folgen rund zwei Stunden Gemütlichkeit, Humor, Tiefgründigkeit und Revoluzzertum. Man möchte sich zurücklehnen. Sofern man denn auf einem der Jazzholzstühle sitzt, die in den ersten Reihen und an der Seite Bühne aufgestellt sind. Dahinter reihen sich Bierbänke aneinander. Die Plätze sind, wie immer bei Söllner, gut gefüllt – der erste Abend war schon lange vor dem Konzert ausverkauft. Ein paar Zuschauer stehen an der Bar, es herrscht eine entspannte Atmosphäre im Gewölbekeller. Die Uhr zeigt gerade einmal 15 Minuten an, als Hans Söllner schon das erste Lied spielt. Das Wort "Konzert" ist auf seinen Plakaten ja nicht mehr zu finden, erzählt der redselige Mittfünfziger. Sonst regen sich die Leute nachher noch auf, "wenn i nur drei Lieder spui". Mit einer handvoll Akkorde und einer Mundharmonika, die ab und an zum Einsatz kommt, spielt Söllner eindrigliche Lieder, die immer wieder zwischen den Themenbereichen Freiheit und Liebe hin und her pendeln.

Mit sich selbst und seinem Geist beschäftigt er sich, singt Lieder über den Tod, die eigenen Krisen, aber auch über die Leichtigkeit des Lebens, sei es "zu zwoat" oder "alloa". Mit Obrigkeiten kann er nichts anfangen. Schon gar nicht mit Polizisten oder Politikern, denen ein Gros seines musikalischen Katalogs gewidmet ist. Das andere große Themengebiet ist das Marihuana, das der gläubige Rastafari preist.

In seiner charmanten und einnehmenden Art zieht Söllner das Publikum im Jazzhaus in seinen Bann. Ein Highlight des Konzertes markiert die Erzählung der Posse um seinen Führerschein. Der ist ihm abgenommen worden, obwohl er ihn nicht abgegeben hat. Der liegt nämlich in einem Safe in der Schweiz, Söllner führt immer eine notariell beglaubigte Kopie von ihm mit sich und sorgt so unter anderem bei der MPU für Verwirrung. Eine Stunde habe er sich dort mit einem Psychiater unterhalten, am Ende sei er in Handschellen abgeführt worden.

Das folgende offizielle Schreiben hat er auf der Bühne dabei und zelberiert das Vorlesen darausin großem Stil. "Unn jetz kummts", sagt er vor fast jedem Satz voller Fassungslosigkeit und Gelächter. Söllner lacht viel, es ist seine Medizin im Kampf gegen ein System, das ihm zuwider ist. Er kämpft gegen Windmühle, seine Strafgelder stapeln sich seit Jahren, so bedankt er sich auch am Ende bei den Zuschauern auch für ihr Geld. "Joa, ess is so."

Hans Söllner ist ein sympathischer authentischer Kauz, der Unterhaltung mit Haltung bietet. Allein könne er aber nichts ändern. Wenn ein paar mehr Leute mal aus Lust an der Laune einfach einer Polizeistreife folgen, vor dieser sichtbar Schlangenlinie fahren oder sich einfach sieben Minuten lang wortlos in eine Polizeiwache setzen würden, wäre der guten Sache schon geholfen.

"Aber macht des nur, wenn ihr nüchtern seids", sagt Söllner. Ansonsten seien die Konsequenzen nicht so schön. Als Zugabe spielt er seinen Klassiker "Edeltraud" für alle und das Lied "Nordwind", das er nur für sich geschrieben hat. "Du host ned gmerkt, dass bloss um di geht, ned um di andern", lautet die erste Zeile. Es ist das letzte Lied des zweiten besonderen Abends.

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  [Bild: Michael Bamberger]