Uniwahl-Check: buf

Christian Deker

Im letzten Teil unserer Serie "Uniwahl-Check" stellen sich die Spitzenkandidaten der beiden buf-Listen den fudder-Fragen. Henrike Hepprich und Jonathan Nowak haben zehn Fragen per E-Mail beantwortet und erklären darin ihr u-Modell-Konzept.

 



Wer seid Ihr? Bitte stellt Euch doch kurz vor!

Henrike: Ich heiße Henrike Hepprich, bin 22 und studiere im 4. Semester Jura. Ich bin aktiv im akj (Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen) und in der Grünen Hochschulgruppe. Außerdem sitze ich seit letztem WiSe im Fakultätsrat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.

Jonathan: Ich heiße Jonathan Nowak und bin 21 Jahre alt. Ich studiere Physik, Mathematik und Informatik im vierten Semester und engagiere mich genau so lange in der Fachschaft Physik und verschiedenen Kommissionen und Gremien. Außerdem engagiere ich mich selbstverständlich im u-asta und vertrete zum Beispiel meine Fachschaft in der Fachschaftenkonferenz (FSK) und arbeite im Arbeitskreis Hochschulpolitik mit, wo wir uns momentan mit den Missständen bei der Bachelor-Master-Umstellung auseinandersetzen.

Warum sollte man gerade Euch wählen?

Henrike: Durch das ständige Entscheidungsgremium der FSK ist gewährleistet, dass viele Fachschaften und damit unterschiedliche Perspektiven in die universitätsweiten Entscheidungen eingebunden werden. Das ist ebenso wichtig für die Fachschaften, wie für uns selbst. Man erreicht so einen wesentlich besseren und breiteren Informationsstand auf allen Ebenen.

Jonathan:
Im Gegensatz zu den parteipolitischen Gruppen setzen wir uns auch außerhalb des Wahlkampfs aktiv mit den aktuellen Themen auseinander. Bei uns kann man sich jederzeit mit einbringen und kann in Arbeitskreisen oder Referaten mitarbeiten. Da bei uns viele Studierende über einen langen Zeitraum aktiv sind, sind wir am besten darüber informiert, zu welchen Themen aktiv gearbeitet werden muss.

Was unterscheidet Euch von den anderen?

Henrike: buf ist keine Partei. Wir stehen für offene Strukturen in der Studierendenvertretung, sodass jeder sich engagieren kann, unabhängig davon, ob er sich nun mit einer Parteiprogrammatik oder deren Handlungsweise identifizieren muss. Auch ist eine projektbezogene Arbeit, also ein Einsatz für genau das Thema, dass dem Einzelnen am Herzen liegt, durch buf möglich. Würde alles in einem verfestigten Studierendenparlament entschieden und geplant, wäre für derlei Vielfalt kein Platz.

Jonathan:
Im Gegensatz zu den parteipolitischen Gruppen sind wir ein bunt gemischter Haufen aus aktiven und engagierten Studierenden. Viele von uns sind auch außerhalb des u-astas in den Fachschaften ihres Fachbereichs aktiv. Wir arbeiten dabei transparent; bei uns tagt jedes Gremium öffentlich und im Gegensatz zu den parteipolitischen Gruppen können die Protokolle der Sitzungen bei uns im Internet immer eingesehen werden.



Die Gewissensfrage: u-Modell. Ja? Nein? Vielleicht?

Henrike: Ob es ein u-Modell geben sollte, darf eigentlich keine Gewissensfrage sein. Schließlich ist es den Studierenden in Baden-Württemberg gesetzlich untersagt, sich adäquat zu vertreten. Ihr offizieller Handlungsspielraum ist auf die künstlerischen, musischen und sportlichen Interessen der Studierenden beschränkt. Somit müssen parallele Strukturen geschaffen werden, um den Studierenden auf allen Feldern eine starke Stimme zu geben.

Warum?

Jonathan: Das fachschaftenbasierte u-Modell für das buf steht, bietet jedem engagierten Studierenden die Möglichkeit sich bei uns aktiv in Referaten, Arbeitskreisen und bei Aktionen einzubringen. Auch in den Fachschaften besteht jederzeit die Möglichkeit mitzuhelfen, die Studiensituation zu verbessern und über die Fachschaftenkonferenz auch fächerübergreifend zu agieren. Da wir basisdemokratisch arbeiten, entscheiden bei uns nicht nur fünfzehn einmal im Jahr gewählte Mitglieder (in einem Studierendenparlament) über die Belange der Studierenden.

Wie steht Ihr zum Thema Studiengebühren?

Jonathan: Wir lehnen Studiengebühren entschieden ab. Der Rückgang der Studierendenzahl im Vergleich zum Vorjahr ist für uns ein klares Zeichen, dass unsere Befürchtungen eintreffen. Die Studiengebühren fließen an der Universität Freiburg größtenteils nicht in die Lehre, sondern werden durch Umschichtungsmaßnahmen zum Stopfen von Haushaltslöchern und zur Finanzierung der Forschung verwendet. Wir werden uns deshalb weiterhin kritisch mit den Studiengebühren auseinandersetzen und aus der jetzigen Situation das Beste machen. Auf keinen Fall wollen wir einfach resignieren, da jetzt schon ein Rückgang von 1144 Studierenden im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist.

Henrike: Zudem ist noch nicht abschließend geklärt, ob das Studiengebührengesetz (LHGebG) tatsächlich rechtmäßig ist. Zwar hat die erste Instanz jetzt gegen uns entschieden, aber das letzte Wort hat hierbei immer noch das Bundesverfassungsgericht. Juristisch betrachtet gibt es einige Angriffspunkte: Es gibt etwa einen UN-Sozialpakt (mit dem Status eines deutschen Gesetzes), in dem festgelegt wurde, dass das Studium unentgeltlich werden (also dann auch bleiben) muss.



Wenn nächstes Jahr der amtierende Rektor Jäger in den Ruhestand geht, hinterlässt er so einiges: unter anderem ein großes Unijubiläum und vielleicht auch eine Elite-Uni. Wie seht Ihr Euer Verhältnis zum Rektorat?

Jonathan: Der u-asta steht seit langer Zeit in einem sowohl konstruktiven wie auch kritischen Verhältnis zum Rektorat. Leider gab es in der Vergangenheit immer wieder Situationen, die zu Spannungen geführt haben, in denen wir als Studierendenvertreter zeigen müssen, dass uns Meinung gehört werden muss. Dies haben wir bei der Heizkostendebatte durchgesetzt und weisen auch auf Offensichtliches, wie die Fehlinformation des Rektors beim Boykott (siehe unsere Homepage) hin. Andererseits führen wir schon lange das aus, was der RCDS fordert: Wir kooperieren mit dem Rektorat, wo es sinnvoll ist; zum Beispiel durch unsere Mitarbeit im Zwölferrat oder bei den regelmäßigen Treffen des Rektorats mit dem u-asta-Vorstand.

Henrike:
Von dem nächsten Rektor erwarten wir uns also weitere Kooperationsbereitschaft. Nachdem der Senat sich nun auch mit der Stimme des alten Rektors für die Einführung der Verfassten Studierendenschaft ausgesprochen hat, gilt es, das Thema auch weiterhin auf der Agenda zu haben und dafür zu sorgen, dass dieses 30 Jahre währende Demokratiedefizit endlich beseitigt wird.

Wo seht Ihr an der Uni Freiburg den größten Handlungsbedarf? Was sind Themen, die den Studenten und Euch unter den Nägeln brennen?

Henrike: Auf den Nägeln brennen wird den meisten Studierenden sicherlich die Umstellung durch den UB-Umbau und die dadurch bedingte zwischenzeitliche Verlegung in die Stadthalle. War es früher möglich, zwischen zwei Vorlesungen unkompliziert in die UB zu schlendern, ist jetzt nun doch ein weiterer Anreiseweg in Kauf zu nehmen. Dabei kriegen natürlich die Studierenden ein Problem, die kein Semesterticket besitzen, die Fahrradfahrer immerhin auch bei schlechtem Wetter. Daher fordern wir einen kostenlosen Transport zwischen Stadttheater und Stadthalle in Kooperation mit der VAG. Eine 19:30 Uhr-Regelung mit dem Vorzeigen der Unicard war ja auch möglich.

Jonathan: Auch wenn der Bachelor mittlerweile in den meisten Fächern nun eingeführt wurde, gilt es noch viele Probleme zu beseitigen. Insbesondere werden wir uns dafür einsetzen, dass das Lehramtsstudium weiterhin studierbar bleibt und die Übergangskriterien zum Master nicht so gestaltet werden, dass ein zum Magister oder Diplom äquivalenter Abschluss den meisten Studierenden verwehrt bleibt.
Weiterhin werden wir unsere Arbeit zur Studiengebührenverteilung im Senat und im Zwölferrat fortführen um zu verhindern, dass der Großteil der Mittel in die Forschung fließt oder zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet wird.

Viele haben gegen die ASta-Wahlen das Vorurteil, dass sich hier Studenten nur als „Jung-Politiker“ profilieren wollen. Was sagt Ihr dazu?

Jonathan: Gerade aus diesem Grund sollte man buf wählen. buf ist keine Partei und bei uns arbeiten wesentlich mehr Studierende mit, als nur die Kandidaten, die für buf antreten. Zu mir persönlich kann ich sagen: Als Physik- und Mathematik-Student spiele ich weniger mit dem Gedanken, mich als Politiker profilieren zu wollen.

Henrike:
Ich denke, auch dass es einfachere Methoden gibt, sich zu profilieren. Außerdem stehen wir ja gerade für ein System, in dem es um die Strukturen und die inhaltliche Arbeit geht und nicht um die beteiligten Personen!

Sonst noch was?

Jonathan und Henrike: Geht wählen! Wählt euch selbst, wählt uns. Denn: we are u.
Fotos: u-asta

Mehr dazu:

  • Uniwahl-Check Teil 3: RCDS