Umfrage: Wie lebt es sich in einer großen WG?

Franziska Kiedaisch

Neun Menschen unter einem Dach. Das weckt sofort Assoziationen an Türme voll dreckigen Geschirrs in der Küche, einen unerträglichen Lärmpegel in den Gemeinschaftsräumen und große Anonymität unter den Mitbewohnern. Dass diese Vorurteile nicht unbedingt zutreffen müssen und was das Leben in einer großen WG ausmacht, das haben uns drei Bewohner einer WG im Quattro-Haus im Studentendorf Vauban erzählt.

 



Manuel, 26
8. Semester Europäische Ethnologie, Kunstgeschichte und Germanistik


„Ich wohne jetzt seit einem halben Jahr in dieser WG. Davor habe ich zwar auch schon in der Vauban gewohnt, aber in einer Fünfer-WG. Dort hat es mir aber nicht so gut gefallen. Da war irgendwie nichts los.

Hier ist das ganz anders: Irgendjemand ist immer da, wir haben viel Besuch, machen viel gemeinsam und verstehen uns sehr gut.

Trotzdem kann man aber auch seine Zimmertür zumachen und produktiv sein, wenn man das möchte. Sogar der Putzplan funktioniert. Solange ich noch in Freiburg wohne, würde ich jedenfalls niemals freiwillig ausziehen.“



Nici, 22
3. Semester Lehramt Realschule (Deutsch, Englisch, Musik)


„Ich wohne seit einem halben Jahr hier. Davor habe ich in Haslach mit 14 Leuten zusammen gewohnt. Aber das war viel anonymer als hier. Da hat man sein Zimmer abgeschlossen, wenn man aus dem Haus gegangen ist und keiner hat sich für die Gemeinschaftsräume verantwortlich gefühlt.

Ich fand die Vauban schon immer cool und wollte unbedingt hier wohnen. Mein erstes Gefühl hat mich nicht getäuscht: Es macht total Spaß! Ich mag es, viele Menschen um mich herum zu haben. Und wenn in den Semesterferien plötzlich fast alle weg sind, hat man noch die Nachbar-WG, die das wieder ausgleicht.

Aber wir machen natürlich auch separat unser Zeug. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich persönlich damit schwer tue, hier zu lernen. Diese netten Mitbewohner verführen einfach dazu, sich abzulenken.

Ich denke, viele Menschen hätten damit ein Problem, sich nicht richtig zurückziehen zu können. Bis vor kurzem hatten wir zum Beispiel einen Mitbewohner, der sich hier überhaupt nicht wohl gefühlt hat. Wenn wir Musik gehört haben oder draußen zusammensaßen, dann hat ihn das gestört. Menschen sind eben verschieden und so eine Neuner-WG ist sicherlich nicht jedermanns Sache.“



Lisa, 21
3. Semester Lehramt Grundschule (Deutsch, Geschichte, Politik)


„Ich fühle mich hier einfach wohl. Ich freue mich immer auf zu Hause: Es ist gemütlich und ich habe hier einfach ein Heimatgefühl entwickelt. Das ist hier wie eine Art Dorf. Man lernt unheimlich schnell viele nette Leute kennen, auch außerhalb der WG.

Und ich mag die Ungezwungenheit hier: Ich kann zum Beispiel meine Zimmertür zumachen und mich zurückziehen wenn ich das will. Natürlich geht sehr viel Zeit dafür drauf, dass ich mit den Anderen zusammensitze, aber genau das mag ich ja. Trotzdem lassen dich die Mitbewohner auch in Ruhe, wenn du etwas zu tun hast. Eben gerade weil so viele Leute hier zusammenwohnen, findet derjenige, der gerade nichts für die Uni zu tun hat, immer einen Gesprächspartner.

Hier zu leben ist mit einem besonderen Lebensgefühl verbunden. Ich glaube, dass ich immer wieder an meine Zeit hier zurückdenken werde. Weil es einfach etwas Besonderes ist.“

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