Umfrage: Was sagen Freiburger Ringer zum drohenden Olympia-Aus ihres Sports?

Christine Duttlinger

Seit gut einer Woche geistert eine Nachricht durch die Sportwelt: Vielleicht ist Ringen schon 2020 nicht mehr olympisch. Wir haben junge Ringer, die im Freiburger Olympiastützpunkt trainieren, gefragt, was sie von dieser unerwarteten Nachricht halten:



Mark Luithle, 19, Freiburg:


Wenn man hört, dass Ringen nicht mehr bei den Olympischen Spielen dabei sein soll, dann ist das wie wenn ein Traum stirbt. Es trifft einen hart. Kann man halt nichts machen, leider.


Die da oben haben halt viele Fehler gemacht, weil sie Ringen falsch vermarktet haben. Man hätte Ringen mehr im Fernsehen zeigen müssen, mehr an die Öffentlichkeit und an die Leute heranbringen sollen. In Deutschland, so sagt man, ist Ringen tot. In der Türkei ist Ringen hingegen ein Volkssport. Da guckt das jeder, bei uns kein einziger.

Auch meine Klassenkameraden können oft nichts damit anfangen. Die stellen sich dann Sumorringer vor, so große und breite. Aber jeder, den ich mal zum Zuschauen mitgenommen habe, hat gesagt: klasse. Und ist auch mal wieder mitgekommen.

Mein Ziel ist auf jeden Fall, bei den olympischen Spielen 2016 dabei zu sein - das kann ich noch schaffen. Mein größeres Ziel war eigentlich Olympia 2020. Das geht dann halt zunichte.

Dav

id Wollny, 17, ursprünglich aus Michelsstadt, wohnt jetzt im Freiburger Sportinternat:

Zuerst dachte ich, es wäre ein Witz, dass Ringen nicht mehr bei den olympischen Spielen dabei soll. Das war ein Schock. Wie können die das machen? Das ist eine der ältesten Sportarten. Dann habe ich mich gefragt: Wofür sollte ich denn jetzt noch trainieren? Mein Ziel war doch Olympia.

Ich habe schon auch überlegt, später Profi-Ringer zu werden, aber das kriegt man nicht hin. Man verdient als Ringer zu wenig Geld. Und trotzdem ist Ringen für mich mehr als ein Hobby. Ringen ist mein Leben.

Eva Sauer, 17 Jahre alt, ursprünglich aus Waldaschaff, wohnt jetzt im Freiburger Sportinternat:

Ich war gerade auf einem Fasnachtsumzug, als ich hörte, dass Ringen wahrscheinlich nicht mehr bei den olympischen Spielen 2020 dabei sein wird. Ich war schockiert, konnte nicht mehr weiterfeiern, und mir sind auch ein paar Tränen gekommen.

Ich trainiere jetzt schon 14 Jahre daraufhin, mal an den olympischen Spielen teilzunehmen. Solange es noch nicht ganz sicher feststeht, trainiere ich weiter, sodass ich es vielleicht 2016 zu Olympia schaffe. Wenn nicht, bricht eine große Welt zusammen. Ein Lebenstraum.

Alexander Se

misorow, 20, ursprünglich aus Russland, wohnt jetzt in einer Freiburger Sportler-WG:

Olympia ist das Ziel eines jeden Sportlers. Meines natürlich auch. Dafür trainiere ich jetzt sehr viel. Wenn man gut sein will, muss man viel opfern.

Ringen ist eine Randsportart. Ich habe schon überlegt, zur Bundeswehr zu gehen, dort die Grundausbildung zu machen und dann da voll zu trainieren. Ich kenne das aus Schifferstadt: Die Bundeswehr trainiert dort jeden Tag.

Aber falls Ringen nicht mehr bei den olympischen Spielen sein sollte ... Da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht

Luisa Niemesch, 17, Karlsruhe:

Das war ein großer Schock. Aber bis 2016 geht es auf jeden Fall erst einmal ganz normal weiter. Danach wird man sehen. Wenn nicht, geht es halt nur mit Europa- und Weltmeisterschaften weiter.

Marius Quinto, 15, Waldkirch:

Ich finde es blöd, dass Ringen wahrscheinlich nicht mehr bei den olympischen Spielen dabei sein wird. Es war ja schon vor 1000 Jahren dabei, es war immer schon im Programm.

Noch bin ich optimistisch, dass es doch funktioniert, dass Ringen doch dabei bleiben wird. Ringen ist halt nicht gerade der populärste Sport, und dann ändern sich noch fast jedes Jahr die Regeln. Irgendwann blicken die meisten nicht mehr durch und sagen sich: Wenn ich's eh nicht kapier', warum soll ich's mir dann anschauen?

Mario Sachs, Landestrainier des Südbadischen Ringerverbands:

Dass Ringen vielleicht nicht mehr bei den olympischen Spielen dabei sein soll, hat uns sehr überrascht.

Man muss dabei allerdings differenzieren, weil von den jungen Athleten vielleicht noch nicht jeder mit dem Gedanken spielt, bei den olympischen Spielen mitzuringen. Vordergründiger sind bestimmte strukturelle und finanzielle Veränderungen, die uns bevorstehen würden.

Der Olympiastützpunkt stünde uns zum Beispiel nicht mehr zur Verfügung. Und den brauchen wir nicht nur zum Trainieren, er unterstützt uns auch finanziell: mit dem Internat, der Eliteschule und anderen begleitenden Maßnahmen wie Physiotherapie und Nachhilfeunterricht und so weiter. Wenn das wegfällt, ist Leistungssport in dieser Form nicht mehr möglich.

Die Frage ist auch, ob ich weiter beschäftigt werden kann als Landestrainer fürs Ringen, oder ob ich dann zum Honorar- oder Hobbytrainer degradiert werde. 

Das Problem: Ringen kann man nicht besonders gut vermarkten. Ringer tragen ein Ringertrikot und Ringerschuhe - wobei man zur Not auch mal nur eine Turn- oder Badehose anziehen kann, und Schuhe braucht man auch nicht unbedingt. Eine Matratze, eine einfache Matte - da ist nicht besonders viel Equipment notwendig. Sportarten wie Radfahren finden einfach viel leichter Sponsoren, die die Sportler ausstatten.

Ringerinnen trainieren im Freiburger Olympiastützpunkt

Quelle: YouTube


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